Andacht für den 5. Februar
Angeber sind anstrengend

Wer ist der Schönste im ganzen Land? Und der Stärkste und der Beste und ... Schön auf dem Teppich bleiben, rät der Prophet Jeremia. Gott kennen, das allein ist rühmenswert. Foto: RU baile
Jeremia 9, 22-23: 22 So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.
23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr.
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Dorothee Seredszus (45) ist Pfarrerin in der Emmaus-Kirchengemeinde, Bielefeld-Senne
Angeber – mehr oder weniger auffällig lassen sie in Gespräche und Diskussionen einfließen, dass sie ein geplantes Projekt schon vor langer Zeit selbst sehr erfolgreich gemacht haben, sie mal wieder den anderen gezeigt haben, wie etwas zu laufen hat, die letzte Anschaffung zwar ihren Preis gehabt habe, aber wenn man besondere Qualität wolle, man eben tiefer in die Tasche greifen muss.
Bei solchen Menschen sprechen einem die Worte des Propheten Jeremia aus dem Herzen: Lobt euch nicht, weil ihr klug, stark oder reich seid.
Auf der anderen Seite gibt es manchmal die Haltung, dass es schon Angeberei ist, sich über das eigene Wissen und Können, die eigene Leistung zu freuen, stolz darauf zu sein, dass die Anstrengung sich gelohnt hat.
Da setzen sich dann Menschen selbst herab. Ein ernst gemeintes Lob können sie nicht annehmen. Ständig haben sie selbst etwas an dem auszusetzen, was sie tun. Nie ist es gut genug.
Das ist auch anstrengend. Denn solche Menschen fordern Widerspruch geradezu ein. Und das hinterlässt manchmal das Gefühl, benutzt zu werden, wenn man sie allem Widerspruch zum Trotz doch lobt. Um mit Wilhelm Buschs Gedicht über die Selbstkritik zu sprechen: „So kommt es denn zuletzt heraus, dass ich ein ganz famoses Haus.“
Wohltuend sind dagegen Menschen, die ihre Taten und Erfolge nicht klein machen, aber sie auch nicht in den Vordergrund stellen. Für sie steht das Ergebnis, das Ziel im Vordergrund. Sie haben das, was sie tun, für etwas oder für andere gemacht, nicht zuerst für sich selbst.
Sie wissen, dass Grundlage ihrer eigenen Anstrengungen die Gaben sind, die Gott ihnen mitgegeben hat.
Das macht den Unterschied: Sie rühmen sich, dass sie Gott kennen und was Gott tut.
Wir Menschen sind keine Pflanzen oder Tiere, die Selbstwertprobleme nicht kennen, sondern einfach nur da sind und dadurch ihren Schöpfer preisen. Wir Menschen brauchen einen Grund, warum wir leben und da sind – eine Rechtfertigung für unsere Existenz.
Die einen finden die Rechtfertigung, dass sie leben, in ihren eigenen Fähigkeiten oder ihrem sozialen Status. Das ist nach der Auffassung des Propheten eine Sackgasse. Stattdessen will er uns Menschen ermutigen, die Rechtfertigung, dass wir leben, in Gott und seinem Tun zu finden.
Der Weise, der Starke, der Reiche ist nur auf sich selbst bezogen. Gott ist auf uns Menschen bezogen.
Und wir finden unsere Rechtfertigung zu leben nicht in uns selbst, indem wir in uns gehen, sondern wir finden sie außerhalb von uns, indem wir uns lassen und auf Gott zugehen.
Wie es in einem Witz heißt: „Mensch, geh doch mal in dich!“ – „Da war ich schon. Da war auch nichts los!“
Es scheint paradox – unser Glück finden wir, wenn wir von uns absehen, uns auf Gott ausrichten und uns in seine Bewegung und sein Tun mit hineinnehmen lassen.
Gott übt Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit. Gott ist nicht selbstgenügsam. Gott sieht und vergibt unsere Schwächen, rechnet nicht Verdienste und Versagen gegeneinander auf. Gott steht für ein verlässliches Miteinander der Menschen, in dem wir Rechte haben und nicht der Willkür anderer überlassen sind. Gott steht für Lebensmöglichkeiten und Würde aller seiner Geschöpfe ein.
Das ist wunderbar befreiend, wenn wir uns nicht selbst unsere Existenzberechtigung verschaffen müssen, wenn Gott für unsere Würde eintritt.
Das setzt Grenzen, die das Leben sichern, wenn nicht unser Egoismus der Maßstab für unser Leben ist.
Das ist wirklich ein Grund uns zu rühmen: Was sind wir für Glückspilze, dass dieser Gott unser Gott ist!
Dieser Beitrag wurde am 4.2.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Barmherziger Gott, wir danken dir für deine Güte, mit der du uns Menschen und alle deine Geschöpfe leben lässt. Wir preisen uns glücklich, dass wir zu dir gehören. Schenke uns das richtige Maß: Freude über alles, was uns gelingt, Dankbarkeit für die Fähigkeiten und Güter, mit denen du uns ausstattest. Nimm uns mit hinein in deine Hinwendung zu den Menschen, dass auch wir Liebe leben, Recht stärken und für Gerechtigkeit eintreten. Amen. |
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