Hubertusmessen
Theologen streiten über Gottesdienste zur Jagdsaison
In der evangelischen Kirche wird über Hubertusmessen anlässlich der Jagdsaison gestritten.
Diese Andachtsform sei eine »religiös verbrämte folkloristische Schaustellung«, die das ethische Problem des Tötens gezielt verschleiere, erklärte der Vorsitzende der bundesweiten ökumenischen »Aktion Kirche und Tiere«, Pfarrer Ulrich Seidel, in einem Beitrag für ein Kirchenmagazin. Als »Gottesdienst« hafte der Hubertusmesse »etwas Blasphemisches« an.
Kein Kirchlicher Segen fürs Töten?
Für das Töten dürfe es keinen Segen der Kirche geben. Andere Theologen werten solche Angebote als möglichen Beitrag für einen achtsameren Umgang mit der Natur.
Jochen Borchert, Präsident des Deutschen Jagdschutzverbandes, bekennt, dass es bei der Jagd »auch ums Beutemachen« gehe. Wer um »vier Uhr auf den Ansitz klettert, denkt nicht ausschließlich ans ökologische Gleichgewicht«, räumte der CDU-Politiker und frühere Bundeslandwirtschaftsminister im Themenheft »Passion Jagd« der Zeitschrift »Kirche im ländlichen Raum« ein. Borchert war auch Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU.
Ökologisches Jagen als normales Handwerk
Die Kirchen müssten Jäger dazu ermutigen, den Tierschutz und die ökologischen Zusammenhänge ernst zu nehmen, erklärte der ehemalige Umweltpfarrer der Pfalz, Gerhard Postel in der Publikation des Ausschusses für den Dienst auf dem Lande in der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Thema darin sind die Ziele ökologischen Jagens und das Spannungsfeld zwischen Ökologie, Forstwirtschaft und Jagd. Postel: »Wie schaffen wir es, ein gutes Bild von der Jagd zu schaffen als einem ganz normalen Handwerk mit viel Können?«
Der norddeutsche Pfarrer Michael Dübbers (Sülfeld/Schleswig-Holstein) plädiert für das Feiern von Hubertusmessen. »Wir können nicht leben, ohne zugleich am Leben schuldig zu werden«, fügte der promovierte Theologe hinzu. Dies müsse auch in Gottesdiensten zur Sprache gebracht werden.
Christus in der gehetzten Kreatur
Dagegen betonte der Theologe Seidel, der heilige Hubertus stehe eher für den Pazifismus. Schließlich sei ihm »Christus in Gestalt der gehetzten Kreatur« erschienen. Die Aktion Kirche und Tiere wurde 1988 gegründet. Die Vereinigung wirbt für den engen Zusammenhang zwischen christlicher Theologie und Tierschutz. epd
Dieser Beitrag wurde am 31.10.2008 um 12.06 Uhr veröffentlicht.
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| Dieter Hunke schrieb am 01.11.2008 11:37: Gottesdienst zum Hubertustag Alle Jahre widerlich: Am Gedenktag des heiligen Hubertus am 3. November geben kirchliche Würdenträger jedes Jahr der Jagd traditionell ihren Segen. Dieses antiquitierte Ritual ist seit Jahrzehnten zu Gunsten unserer Tierwelt ausdiskutiert. Trotz Kritik aus allen Gesellschaftsebenen weigern sich die Kirchen beider Konfessionen das „Märchen vom Heiligen Schutzpatron Hubertus“ einzustellen. Warum die Jägerschaft das „Märchen vom Heiligen Schutzpatron Hubertus“ erfunden und geschickt die Kirche mit einbezogen hat, damit das Tun der Jäger sich auf höhere Kräfte und Mächte berufen darf, können Sie ausführlich nachlesen im neuen Buch von Dr. Karl-Heinz Loske: Von der Jagd und den Jägern Diese Gottesdienste mit jagdfreundlichen Predigten für Jäger in roten und grünen Röcken, denen oft noch Dieter Hunke, Bad Salzuflen |
| Schallblech schrieb am 01.11.2008 17:05: Ohne Bejagung wären unsere Wälder längst kahlgefressen. Reh-, Rot- und Schwarzwild hätten sich, da das natürliche Gleichgewicht mit Ausrottung von Bär, Wolf und Luchs ausgestorben ist, zwischenzeitlich so stark vermehrt, daß es sich seiner eigenen Lebensgrundlage beraubt hätte. Ohne Jäger gäbe es keinen Wald und damit auch keine Rehe und Hirsche mehr. Die Wildschweine würden wohl auch ohne Wald durchkommen - aber dafür in Feldern und Gärten noch mehr Verwüstung anrichten, als sie es jetzt schon tun. Also bitte sachlich bleiben! Ohne Jäger geht es nicht, und das hat nichts mit Christentum zu tun sondern nur mit Biologie. |
| Barnius schrieb am 04.11.2008 10:02: Aber aber, Herr Hunke - haben Sie mit jemandem aus der Jägerzunft noch ein Hühnchen zu rupfen? (Pardon...) Ich denke, dass es sicher "Ballerköppe" gibt (und nicht mal wenige), die aus Spaß an der Freud Tiere abknallen und sie als Trophäen an die Wand hängen oder zum Bettvorleger machen. Eine Einladung zur Jagd gilt in den gewissen Kreisen ja immer noch als ungemein schick - selbst der gute DDR-Erich hatte sein eigenes Jagdrevier. Dass ihm zur Not die Viecher vor die Flinte getragen wurden, - na, das ist noch eine andere Geschichte. |
| gerhard schrieb am 19.12.2008 17:21: Ich stimme Herrn Hunke voll und ganz zu.Wenn SCHALLBLECH |
| Ruckzuck schrieb am 20.12.2008 17:24: Da ist was dran. Ich war als Jugendlicher sehr von Natur, Draußenleben (heute würde man sagen: outdoor), Abenteuer etc. begeistert. Ich wollte unbedingt auch Angelschein und Jagdschein haben. Die Prüfung für den Bundesfischereischein habe ich noch gemacht; aber das ganze künstliche Fischeaussetzen, -füttern und dann fangen, töten, naja, irgendwie dann auch wohl oder übel essen - das war schon ernüchternd. In der Wildnis von Alaska mag das ja noch "natürlich" sein. Aber in Dortmund oder Bielefeld? |
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