Vollversammlung in Stuttgart
Sechs Deutsche im Rat des Lutherischen Weltbundes

Munib Younan, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land, ist neuer Präsident des Lutherischen Weltbunds. Fotos: LWB
Im neugewählten Rat des Lutherischen Weltbunds (LWB) sind künftig sechs Deutsche vertreten.
Auf der am Samstag in Stuttgart tagenden 11. Vollversammlung wurde unter anderen der württembergische Landesbischof Frank Otfried July in das Gremium gewählt, das den Dachverband zwischen den etwa alle sechs Jahre stattfindenden Vollversammlungen leitet. Der Rat wird künftig von dem palästinensischen Bischof Munib Younan als neuem LWB-Präsidenten geleitet. Er umfasst 22 Männer und 26 Frauen.
28 Personen sind den Angaben zufolge ordiniert, zwanzig sind Laien.
Der bisherige Weltbund-Präsident, Bischof Mark S. Hanson (USA), gehört ebenfalls dem Rat des Dachverbandes an, der rund 70 Millionen Christen weltweit vertritt.
Weitere deutsche Mitglieder sind der Theologieprofessor Bernd Oberdorfer (Augsburg), Pfarrer Rainer Kiefer von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Superintendentin Martina Berlich von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (Eisenach), Pröpstin Frauke Eiben von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (Ratzeburg) sowie die Jugenddelegierte Anna-Maria Tetzlaff (Greifswald).
Die Wahl Munib Younan zum neuen Präsidenten ist in den Kirchen in Deutschland auf Zustimmung gestoßen.

LWB-Generalsekretär Rev Dr Ishmael Noko und der bis Dienstag amtierende LWB-Präsident Bischof Mark S. Hanson gratulieren Bischop Dr Munib A. Younan zu seiner Wahl.
Als Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land komme Younan aus einer kleinen Kirche, die sich zudem in einer schwierigen Situation behaupten müsse, erklärte der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) , Nikolaus Schneider.
Schneider sicherte Younan die Unterstützung der EKD in seiner schwierigen Aufgabe als neue Spitze des lutherischen Kirchenbundes von 70 Millionen Christen zu.
Der 59-jährige Younan war der einzige Kandidat.
Die anwesenden 360 Delegierten gaben 300 Ja-Stimmen ab. Es gab 23 Nein-Stimmen und 37 Enthaltungen. Younan ist Nachfolger des US-amerikanischen Bischofs Mark S. Hanson (63), der bei der Vollversammlung 2003 im kanadischen Winnipeg das Präsidentenamt übernommen hatte. Younan tritt sein Amt mit Ablauf der Vollversammlung am kommenden Dienstag an.
Auf der Vollversammlung ist der Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern gefordert worden.
Kirchen, die keine Frauen ordinieren, sollten ihre Praxis überdenken, erklärten Delegierte in einer Resolution: »Der Schmerz dieses Ausschlusses und der Verlust ihrer Gaben bedeuten Leiden und Verlust für die ganze Kirche.«
Bis heute können nicht in allen evangelischen Kirchen Frauen Pfarrerinnen werden.

Jugendlicher Protest gegen die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern beispielsweise hinsichtlich der Bezahlung von Arbeit.
Von den 140 im Lutherischen Weltbund zusammengeschlossenen Kirchen lehnen rund 30 die Frauenordination ab. Überwiegend sind das Kirchen in Afrika, Asien und Osteuropa. Zudem lehnen auch einige lutherische Kirchen, die nicht dem LWB angehören, die Ordination von Frauen in das geistliche Amt ab.
Die Kirchen wurden auf der Vollversammlung zudem aufgerufen, »die Sünde, die der Menschenhandel darstellt, anzuprangern«.
Zudem müsse der »negativen Wertung des weiblichen Körpers« entgegengewirkt werden. Auch die Gerechtigkeit in der Ernährung müsse vor allem im Blick auf Frauen und Kinder gestärkt werden. »Armut hat ein weibliches Gesicht«, hieß es.
Von der Staatengemeinschaft forderte der Lutherische Weltbund konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz.
Der lutherische Bischof aus Costa Rica, Melvin Jimenez Marin, forderte die Christen zudem auf, stärker auf die Regierungen zuzugehen. »Wenn wir alle zusammenarbeiten, können wir Berge versetzen.«
Die Folgen der globalen Erwärmung würden immer bedrohlicher, sagte Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung auf der internationalen Kirchenkonferenz. Die Fälle von schweren Dürren hätten sich in den vergangenen drei Jahrzehnten verdoppelt.
75 Prozent der zusätzlichen Treibhausgase stammten von Industrienationen.
Am meisten betroffen seien jedoch die armen Länder, fügte Rahmstorf hinzu. Er forderte einen globalen Klimavertrag. Jeder Mensch sollte den gleichen Anteil an den klimaschädlichen Emissionen bekommen.
Zum Thema »Tägliches Brot, Ernährungssicherheit und Klimawandel« informierten Wissenschaftler und Delegierte die Mitglieder der Vollversammlung über die Folgen der globalen Erwärmung und der steigenden Zahl von Hungernden weltweit.
»Als US-Amerikanerin schäme ich mich, dass der Senat gerade entschieden hat, in diesem Jahr kein Gesetz zum Klimaschutz zu unterstützen«, erklärte Barbara Rossing, Vorsitzende des Programmausschusses für Theologie und Studien beim LWB in Genf.
Sie rief die LWB-Delegierten dazu auf, mit mehr Nachdruck für das wichtige Ziel der Kohlendioxid-Emission einzutreten und den Klimaschutz zum zentralen Thema zu machen.
Bischof Marin forderte die lutherischen Kirchen auf, weltweit beim Klimaschutz stärker zu kooperieren. »Wir wollen Einfluss nehmen«, sagte er. »Wir haben die Aufgabe, ein globales Problem zu bewältigen.«
epd
Dieser Beitrag wurde am 25.7.2010 um 09.49 Uhr veröffentlicht.
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| Schallblech schrieb am 25.07.2010 15:54: Ich freue mich sehr über die Wahl von Bischof Younan, bedeutet es doch auch Wertschätzung und Stärkung des Selbstbewußtseins der christlichen Palästinenser. Viel zu viele von ihnen haben schon ihr Land verlassen, weil sie dort keine Lebensperspektive sehen. |
| Ruckzuck schrieb am 26.07.2010 16:35: Mal sehen, wie oft der Lutherische Weltbund demnächst ohne seine Präsidenten tagen muss ... |
| Schallblech schrieb am 26.07.2010 16:41: Mit den Kirchen bzw. hochrangigen Kirchenvertretern gehen sie etwas vorsichtiger um. Sumaya Farhad-Naser durfte sogar Jerusalem besuchen, als sie von der Kirche eine offizielle Einladung vorlegen konnte - für Bewohner der Westbank sonst undenkbar. |
| Ruckzuck schrieb am 26.07.2010 16:54: Bleibt die Frage, wie dem deutschen Propst von Jerusalem die neue Autorität seines Dauer-Rivalen ums Alpha-Plätzchen bekommt. Trotzdem: Der Sache der Palästinenser, vor allem der Lage des christlichen Teils, dürfte die Wahl natürlich enorme Aufmerksamkeit bescheren. |
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