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Christenverfolgung

Schindehütte besorgt über Lage im Irak

Immer mehr geraten Christen im Gebiet um Mossul zwischen die Fronten ganz unterschiedlicher Milizen. Jetzt hat eine Massenflucht eingesetzt. Foto: Wikipedia

Immer mehr geraten Christen im Gebiet um Mossul zwischen die Fronten ganz unterschiedlicher Milizen. Jetzt hat eine Massenflucht eingesetzt. Foto: Wikipedia

Die Morde an Christen im Irak und eine erneute Flüchtlingswelle von Christen aus der Region Mossul erfordern dringendes Handeln der Europäischen Union.

Die vor allem nach Jordanien und Syrien geflohenen Iraker benötigten dringend konkrete Hilfe, gerade weil ihr Leben in ihrem Ursprungsland aus religiösen Gründen weiter gefährdet sei, sagt Martin Schindehütte, Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), angesichts der aktuellen Lageberichte.
„Der Beschluss der EU-Innenminister, die Situation in Nahost zunächst zu prüfen, um nicht übereilt und unter Umständen falsch zu handeln, ist auf den ersten Blick verständlich, jedoch darf dies nicht in eine Verschleppung und Verzögerung von dringend nötigen Hilfsmaßnahmen auf Kosten von Menschen in äußerster Not umschlagen“.
Die Lage der Minderheiten und Flüchtlinge sei ausreichend dokumentiert, Hundertausende Flüchtlinge in den Nachbarstaaten des Irak leben unter erbärmlichen Bedingungen. Ihre hohe Zahl gefährde die Stabilität der Aufnahmeländer.


3000 Christen flüchten aus Mossul

„Es mag nachvollziehbar sein, dass der irakische Premierminister Maliki sich gegen ein so genanntes Resettlement der Flüchtlinge etwa in Mittel- und Nordeuropa ausspricht. Solange die irakische Regierung aber nicht die Sicherheit von Minderheiten gewährleisten kann, darf sein Wunsch nicht maßgebliches Entscheidungskriterium für die EU-Staaten sein,“ sagte Schindehütte.
Als Beleg für die lebensgefährliche Lage der Christen im Irak verweist der Auslandsbischof auf Meldungen vom Wochenende aus der Region Mossul. Dort seien in der Vorwoche mindestens sieben Christen ermordet worden. Dies führte zur Flucht von rund 3.000 weiteren Christen aus der Stadt.
Unter den bestehenden Verhältnissen sei eine Rückkehr der Flüchtlinge illusorisch, ein Weiterbestehen der prekären Flüchtlingssituation in den Nachbarländern zunehmend unverantwortlich.


Christen leben in unwürdigen Verhältnissen

In diesem Zusammenhang betonte Bischof Schindehütte erneut, dass sich die Kirchen für alle besonders schutzbedürftigen Menschen einsetzten: „Die EKD fordert Hilfe für alle Flüchtlinge ohne Beachtung der Religion. Tatsache ist aber auch, dass unter den besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen die religiösen Minderheiten, und darunter auch die Christen, besonders stark vertreten sind.“
Wenn die Kirche sich für die Aufnahme von Menschen aus den Erstaufnahmestaaten einsetze, rede sie von Menschen, die zumeist seit Monaten und Jahren unter oft unwürdigsten Verhältnissen leben.

Indes berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker (Göttingen) von erneuten gewaltätigen Übergriffen am 14. Oktober. Das Tor der chaldäischen Kirche Maskanta sei zerstört worden; verletzt oder getötet wurde niemand. Seit Anfang Oktober haben muslimische Extremisten mindestens 14 Christen im Nordirak ermordet. Für die Anschläge macht die Polizei unter anderem Mitglieder der Terrorgruppen El Kaida und „Islamischer Staat des Irak“ verantwortlich. Der Terror hat eine Fluchtwelle ausgelöst. Der Gesellschaft für bedrohte Völker zufolge sind mehr als 2.300 christliche Familien aus Mossul geflohen; andere Quellen sprechen von 1.300 Familien oder 8.000 Personen.


Respekt für Minderheiten

Nicht nur Kirchen, sondern auch eine Dachorganisation von 57 muslimisch geprägten Staaten hat die Gewalt gegen die christliche Minderheit im Irak verurteilt und die Regierung in Bagdad aufgefordert, sie zu schützen. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, so die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). Die OIC mit Sitz in Dschidda (Saudi-Arabien) verlange „Respekt für Minderheiten in der muslimischen Welt“. Die Regierung in Bagdad will nach Angaben ihres Sprechers Ali al-Dabbagh die Sicherheit im Nordirak durch den massiven Einsatz von Sicherheitskräften gewährleisten. Der christliche Parlamentsabgeordnete Yunadim Kanna sagte nach einer Unterredung mit Premierminister Nuri al-Maliki, man erwarte, dass die staatliche Kontrolle wiederhergestellt werde und die geflohenen Familien bald heimkehren könnten.

Christen sollen ihrem Glauben absagen

Auch der Mittelöstliche Kirchenrat (Beirut/Libanon) hat die irakische Regierung aufgefordert, die christliche Minderheit zu schützen. Wie die ökumenische Nachrichtenagentur ENI berichtet, drohen muslimische Extremisten Christen, sie würden umgebracht, wenn sie ihren Glauben nicht aufgäben und zum Islam überträten. EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) hat die Europäische Union (EU) zum Handeln aufgefordert. Die vor allem nach Jordanien und Syrien geflohenen Iraker benötigten dringend Hilfe, weil ihr Leben in ihrem Ursprungsland aus religiösen Gründen weiter gefährdet sei. Fast drei Viertel der irakischen Christen sind seit dem Einmarsch alliierter Truppen im März 2003 vor Entführungen, Plünderungen und Mord geflohen. Die meisten haben vorübergehende Aufnahme im Nordirak, in Syrien und Jordanien gefunden. Insgesamt leben noch rund 450.000 Christen im Irak. Von den 26,7 Millionen Einwohnern des Landes sind 95 Prozent Muslime.

EKD/idea

Dieser Beitrag wurde am 16.10.2008 um 14.51 Uhr veröffentlicht.

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