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Ex-Fernsehpfarrer wehrt sich

»Flieges Segen kostet nichts«

<b>Weist Kritik an Heilwasser-Geschäften zurück:</b> der vor gut einem Jahr mit 63 Jahren in den Ruhestand gewechselte Ex-Fernsehpfarrer Jürgen Fliege. Foto: UK-Archiv

Weist Kritik an Heilwasser-Geschäften zurück: der vor gut einem Jahr mit 63 Jahren in den Ruhestand gewechselte Ex-Fernsehpfarrer Jürgen Fliege. Foto: UK-Archiv

Der frühere TV-Pfarrer Jürgen Fliege hat die Esoterik-Vorwürfe der Hamburger Sektenexpertin Ursula Caberta zurückgewiesen.

»Wir waren und sind in Sachen Religion bekanntlich nicht sehr tolerant«, sagte er in einem vorab veröffentlichten Interview der »Evangelischen Zeitung« in Hamburg. Ihm gehe es wesentlich »um das Ernstnehmen spiritueller Traditionen«. Trotz der »vernichtenden Anschuldigungen« wolle er »nicht ausgrenzen«, sondern »im Dialog« bleiben.

»Flieges Segen kostet nichts«, konterte er den Vorwurf, ein schlichtes Heilwasser auf seiner Internetseite unter dem Namen »Fliege Essenz« für 39,95 Euro anzubieten.

Es handele sich um ein auf dem Markt längst erhältliches Produkt in homöopathischer Tradition, sagte Fliege. »Wenn ich darauf Segensgebete spreche, klingt das nur für evangelische Ohren fremd.«

Auch Weihwasser unterscheide sich von Leitungswasser »nur über die darüber gesprochenen Gebete«.

Überdies sei auch Weihwasser nicht kostenlos. Nur würden diese Kosten »indirekt und an anderer Stelle kassiert, nämlich bei der Kirchensteuer«. Die »Fliege-Essenz« sei nicht teurer als das Originalprodukt des Herstellers »Dr. Niedermaier Pharma«. Er habe bislang 136 Flaschen verkauft, von denen er »irgendwas unter fünf Euro« erhalte: »Wirtschaftlich war es also ein Griff ins Klo.«

Als Beispiel für spirituelle Traditionen im Christentum nannte Fliege die Taufe und das Abendmahl.

Dabei würden Wasser, Brot und Wein durch das gesprochene Wort zum Sakrament verändert. Offensichtlich hätten Worte die Kraft, aus einem Element wie Wasser etwas Heilendes zu machen, sagte Fliege.

Dass Ursula Caberta ihr »Schwarzbuch Esoterik« nun »auf seinem Rücken« verkaufe, habe er sich bereits am vergangenen Wochenende in einem Gottesdienst in Keitum/Sylt »von der Seele gesungen«.

Zum Glauben gehöre auch das Verspotten, habe es im Lied geheißen. Fliege: »Da ward ich getröstet.«

Den Artikel einer großen Sonntagszeitung (Überschrift: »Hat Fliege einen an der Klatsche?«) habe er gar nicht gelesen: »Ich bade nicht im erkennbaren Dreck.« epd

Theologe fordert mehr Sachlichlichkeit

Dieser Beitrag wurde am 10.8.2011 um 10.56 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 10.08.2011 12:41:

Zu Fliege kann man stehen wie man will, ich finde es jedenfalls nicht richtig, wenn ein Pfarrer seine Popularität ausnutzt, um Geschäfte zu machen, auch wenns nicht geklappt hat wie gewünscht.

Ignatius schrieb am 10.08.2011 19:10:

Wer um alles in der Welt ist auf den Segen von Jürgen Fliege angwiesen? Empfangen wir nicht den Segen Gottes?

Matthäus53 schrieb am 10.08.2011 22:46:

Der pensionierte Pfr. Fliege muß uns als Mensch eigentlich leid tun, dass er sich theologisch so arg verlaufen hat, obwohl eigentlich selten Irrwege um Kirchen gebaut wurden. Der Titel Pfarrer sollte dem Bürger Fliege kirchenamtlich entzogen werden, weil seine Handlungen mit christlichen Lehren nicht vereinbar sind und sogar biblisch angemahnt werden ( Ap 8, 20; Jak 4, 13-17;Off 18 ). Wenn die Kirche Hr. Fliege auch nicht los wird, liegt es sicherlich oft daran, dass sogar die christliche Presse Herrn Fliege immer wieder ein Forum bietet. Viele Hausfrauen könnten in Sachen Fliegen bestimmt einen Tip geben, es gibt nämlich nicht nur Backspray, Sonnen - und Mückensprays sondern sogar Fliegen- Sprays !

denkglaub schrieb am 10.08.2011 23:57:

Merke: In der Kirche darf man alles sein, nur nicht populär.
Nirgendwo wird man so sehr gemobbt wie in der Kirche - sobald man nur ein wenig populär ist. Und viele mobben mit... Ob das alles so christlich ist?

---

Wie stehen die hier Leserbrief Schreibenden eigentlich zum "Biblischen Salböl" nach original biblischem Rezept, verkauft von der Nordelbischen Kirche?

Das Rezept findet sich in 2. Mose 30,22-25 und wird mit ebendiesen Versen und einer Abhandlung zur Salbung für gutes Geld verkauft.
Leider vergisst die Kirche, auch auf die folgenden Verse 31-33 zu zitieren: "Auf keines andern Menschen Leib soll es gegossen werden; ... Wer solche Salbe macht oder einem Unberufenen davon gibt, der soll aus seinem Volk ausgerottet werden."

Sowas hat Fliege jedenfalls noch nicht geschafft.

Schallblech schrieb am 11.08.2011 08:02:

Da ist immer noch die Frage, wer davon profitiert. Wenn die Nordelbische Kirche Salböl verkauft, dann fließt das Geld nicht in private Hände!
Ob es "erlaubt" ist, Salböl herzustellen, vermag ich nicht zu beurteilen. Historisch meine ich aber zu wissen, daß Öle (nach welchem Rezept auch immer) z.B. bei der Vorbereitung der Leichen zum Begräbnis benutzt wurden, also für jedermann frei zugänglich waren.

denkglaub schrieb am 12.08.2011 14:59:

Hallo Schallblech, die Pfarrer leben aber auch nicht nur von Luft und Liebe, sondern von A13 oder A14 (ein großer Teil des Geldes landes also auch in privaten Händen), und "biblisches Salböl" wird sicher nicht nur zum Selbstkostenpreis verkauft.
Salböl an sich gibt es als Massageöl im Drogeriemarkt, ich selbst nehme gerne eines mit Rosenduft - das ist doch nicht das Problem.

Beim "Biblischen Sälböl" (bitte noch mal genau lesen, auch Ex 30 ab Vers 22!) besteht das Problem darin, dass mit einer atl. Rezeptur Werbung gemacht wird, die laut 2. Mose 30 nur und ausschließlich für bestimmte Personen am Tempel und für bestimmte Tempelgerätschaften bestimmt ist.

Über das Öl, das nach dem Rezept aus 2. Mose 30,22-25 zubereitet wird, heißt es in 2. Mose 30,31-33, es solle aus seinem Volk ausgerottet werden, wer dies Öl zu einem anderen Zweck oder für anderen Personen zubereitet.

Das finde ich spannend: Eine Kirche vermarktet ein biblisches Salböl, obwohl sie genau weiß, dass sie es in einem unbiblischen Sinne verwendet, der in der Bibel mit "Ausrotten" strafbewehrt ist.

Noch mal zurück zu Fliege: Auf seinen m.E. an sich lohnenswerten "Entdeckungsreisen" nach lohnenswerter Spiritualität schießt er immer wieder auch über das Ziel hinaus. Auf der anderen Seite wird innerhalb der Kirchen manchmal viel zu wenig spirituell gesucht, dafür aber recht schnell verteufelt, wenn mal jemand die mehr als ausgefahrenen Gleise verlässt. Fliege sachlich kritisieren ist das eine, wegen berechtigter Kritik gleich auf Aberkennung der Ordinationsrechte bestehen ist das andere. Und letzteres geht mir zu weit.

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