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Aids, Kirche und Gesellschaft

Entdramatisierung der Kondomfrage gefordert

<b>Um das Aids-Thema</b> ist es in Deutschland still geworden - obwohl das Gefahrenpotenzial steigt. Foto: Arto

Um das Aids-Thema ist es in Deutschland still geworden - obwohl das Gefahrenpotenzial steigt. Foto: Arto

Die katholische Kirche sollte sich nach Ansicht des katholischen Moraltheologen Eberhard Schockenhoff in der Aids-Diskussion weniger auf den Streit um Kondome konzentrieren.

»Es ist mir unverständlich, wie man sich so auf die Kondomfrage fixieren kann«, kritisierte er am Wochenende bei einer Tagung über »Aids- Kirche-Gesellschaft« in der Katholischen Akademie »Die Wolfsburg« in Mühlheim. Der Freiburger Professor und stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates forderte eine »Entdramatisierung« der Diskussion.

Es gehe um ein Gesamtkonzept zur Aids-Prävention, bei dem viele andere Faktoren wie etwa die Verantwortung gegenüber dem Partner eine zentrale Rolle spielten.

Der Essener Weihbischof Franz Vorrath wies darauf hin, dass es trotz steigender Infektionsraten in Deutschland eher still um das Thema HIV/Aids geworden sei.

Angesichts einer verstärkten Zuwanderung aus Afrika und Osteuropa werde sich das Problem in den nächsten Jahren nach seiner Prognose jedoch verschärfen.

»Aids ist ein drängendes Thema und eine große Herausforderung nicht nur in Afrika, Asien und Osteuropa, sondern auch in Deutschland«, betonte er.

In einer ganzheitlichen Aidsarbeit gehe es darum, eine nach wie vor bestehende Diskriminierung und Stigmatisierung zu überwinden.

Das gelte auch für andere Lebensformen, sagte Vorrath: »Zentrale Werte wie Treue und gegenseitige Verantwortung können auch außerhalb der Ehe gelebt werden.«

Vorrath ist gemeinsam mit dem Bochumer Medizinprofessor Norbert Brockmeyer Initiator eines 2009 gegründeten Gesprächkreises Kirche und HIV/Aids im Bistum Essen, der im interdisziplinären Dialog nach medizinischen, ethischen und gesellschaftlichen Perspektiven sucht.

Bei der Akademie-Tagung in Mülheim plädierte der Moraltheologe Schockenhoff als Gastredner dafür, sich entsprechend dem Zweiten Vatikanischen Konzil endlich von der Lehre zu verabschieden, dass Sexualität nur zur Fortpflanzung diene.

Nach heutiger theologischer Ethik verdienten Treue, Freundschaft, Verantwortung und Liebe »eine moralische Wertschätzung unabhängig davon, unter welcher sexuellen Orientierung sie gelebt werden.«

Gleichzeitig bezeichnete er es als »Provokation von Seiten der Schwulenbewegung«, eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft als Ehe zu verstehen, nur um gesellschaftliche Akzeptanz zu gewinnen. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.5.2011 um 09.05 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
denkglaub schrieb am 09.05.2011 12:23:

Schön, dass sich auch auf Bischofsebene in dieser Hinsicht etwas tut.
Nur: Worin - bitteschön - liegt die Provokation der Schwulenbewegung? Viele Schwule wollen gar nicht in die "stinknormale Ehe", diese Schwulen können in dieser Hinsicht also gar nicht provozieren. Viele andere Schwule wollen ganz normal mit ihrem Partner in aller Treue zusammen leben, bis das der Tot sie scheidet, nehmen Verantwortung füreinander wahr in Freude und Leid. Gut, Kinder zeugen können sie zusammen nicht. Trotzdem können sie sehr liebevoll für Kinder sorgen, wenn die Gesellschaft sie ließe, würden sie auch Kinder adoptieren, an denen andere Heterosexuelle aus welchen Gründen auch gescheitert sind und sie zur Adoption freigeben mussten.
Wo also liegt bitte die Provokation, wenn Schwule mit genau den Gaben zusammen leben wollen, mit denen ihr Schöpfer sie nach ihrem Glauben ausgestattet hat?

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