Bischöfe zu Pfingsten
»Die atemlose Raserei lässt Maßstäbe verlorengehen«

Zu Pfingsten haben Bischöfe auch die zunehmende Geschwindigkeit des modernen Lebens beklagt. Foto: Magica
Zu Pfingsten haben evangelische und katholische Bischöfe für mehr Mitmenschlichkeit und einen offensiven Umgang mit dem Missbrauchskandal geworben.
Die Pfingstbotschaft führt nach Ansicht des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, zu einem »unablässigen Einsatz für eine Kultur des Lebens«. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagte mit Blick auf die Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen: Endlich hätten die Opfer den Mut gefunden, von ihren Erfahrungen zu erzählen, und endlich hätten die Kirchen den Mut gefunden, die nötigen Konsequenzen zu ziehen.
»Dort, wo Missstände und Verbrechen mutig angesprochen werden, dort, wo Täter und Opfer beim Namen genannt werden, dort ist der Geist wie ein reinigendes Feuer«, sagte Friedrich in der Münchner Matthäuskirche.
Pfingsten ist das »Fest des Heiligen Geistes« und nach Weihnachten und Ostern das dritte Hauptfest des christlichen Kirchenjahres.
In Erinnerung an die in der Bibel geschilderte Ausgießung des Heiligen Geistes wird Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche und Beginn der weltweiten Mission verstanden.
Zollitsch schrieb am Sonntag in seiner Internet-Pfingstbotschaft, Gottes Geist motiviere, sich um das menschliche Leben zu sorgen in all seinen Phasen und ohne jede Einschränkung.
»Ich meine, das Pfingstfest zeigt uns klar und deutlich, was einen christlichen Menschen auszeichnet: Wir sind nicht - wie viele meinen - rückwärts orientiert, nein, wir leben in der Gegenwart, in der Gegenwart des Heiligen Geistes und schauen in seiner Kraft in die Zukunft«, so Zollitsch.
Der Paderborner Erzbischof Heinz-Josef Becker erinnerte vor diesem Hintergrund an die Pflicht der Kirche zur Verständigung. Die Kirche stehe nun vor der Aufgabe, sich im Sinne des Pfingstgeistes der Opfer, der Leidenden und Bedrängten anzunehmen.
Der Berliner evangelische Bischof Markus Dröge äußerte sich besorgt über die gesellschaftlichen Entwicklungen.
»Die atemlose Raserei treibt unsere Welt in ein Labyrinth der Ratlosigkeit, in dem die Maßstäbe verloren gehen, in dem Gier und Zynismus wachsen, in dem aber nicht gut zu leben ist«, erklärte der Geistliche in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.
Als Auswüchse solcher gesellschaftlicher Fehlentwicklungen nannte Dröge unter anderem sexuelle Gewalt an Kindern, von der so getan werde, als sei es ein Kavaliersdelikt.
Nach Auffassung des Hildesheimer Regionalbischofs Eckhard Gorka ist Pfingsten ein Fest der Gemeinschaft, Begegnung, Aufbruchstimmung und Begeisterung.
Im ARD-Gottesdienst aus der zum Weltkulturerbe zählenden St. Michaeliskirche in Hildesheim rief Gorka am Pfingstsonntag zu einer Erneuerung des Glaubens auf. Beim Ökumenischen Kirchentag in München seien einige Christen enttäuscht gewesen, weil die Einheit der Kirchen zwar beschworen, aber nicht gefeiert worden sei.
Andere seien dagegen froh gewesen, dass trotz fehlender Einheit gemeinsam gefeiert werden konnte, sagte Gorka. epd
Dieser Beitrag wurde am 24.5.2010 um 11.32 Uhr veröffentlicht.
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