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»Enormes manipulatives Potenzial«.

Christlicher Fanatiker als religiöser Brandstifter

Terry Jones

Terry Jones

Der radikale US-Pastor Terry Jones, der als Oberhaupt einer evangelikalen Gruppe in Florida zur Koranverbrennung aufruft, ist nach Einschätzung des evangelischen Sektenbeauftragten Andrew Schäfer ein Mensch mit »enormem manipulativen Potenzial«.

Der heute 58-jährige ehemalige Hotelmanager Jones, der in den 1980er Jahren die »Christliche Gemeinde Köln« gründete, werde vom Bedürfnis nach Macht und Bedeutung angetrieben, sagte der Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland in einem epd-Gespräch in Düsseldorf.

Schäfer bestätigte, dass Jones vom Amtsgericht Köln im Jahr 2002 wegen Führens eines falschen Doktortitels zu einer Geldbuße von 3.000 Euro verurteilt wurde.

Der evangelikale Pastor Jones sieht in der Verbrennung des Korans ein Zeichen der Ablehnung des Islam. »Jones glaubt den Unsinn, den er sagt«, meint der Sektenexperte.

Der evangelikale Pastor habe ein schlichtes Weltbild und sei geschickt darin, Themen zu besetzen und Medien zu instrumentalisieren.

»Die wahre Tragödie besteht darin, dass eine solche Persönlichkeit mit ihrer geplanten Aktion weltweiten Schaden anrichten und Menschenleben gefährden kann«, sagte Schäfer.

In den 1990er Jahren erregte der Pastor schon einmal weltweite Beachtung, als er gemeinam mit den Scientologen vor dem US-Kongress über die angebliche Verfolgung christlicher Minderheiten in Europa berichtete. Nun suche er erneut internationale Aufmerksamkeit, sagte Schäfer.

In von Jones in Köln ins Leben gerufene Gemeinde distanziert sich inzwischen von ihrem ehemaligen Pastor.

Nach seinem »Rauswurf und fluchtartigen Abgang« sei es um die Gemeinschaft von Bibelfundamentalisten ruhig geworden, stellte der Sektenbeauftragte der rheinischen Kirche fest.

Die freikirchliche Glaubensgemeinschaft, die von einst 1.000 Mitglieder auf inzwischen rund 60 geschrumpft ist, wolle mit ihrem früheren Seelsorger nichts mehr zu tun haben. Grund für den Bruch seien Anfang 2008 finanzielle Unregelmäßigkeiten gewesen.

Die heutige Gruppierung dürfe aber in keiner Weise für Jones' Fehler in Haftung genommen werden, mahnte Schäfer.

Zu Jones' Zeiten sei die Gemeinde jedoch als eine der »konfliktträchtigsten Gemeinschaften« bekannt gewesen.

»Geistlicher Missbrauch sowie ökonomische und psychische Abhängigkeiten waren gang und gäbe«, sagte Schäfer. Jones habe es verstanden, gottähnlich über die Wahrheit zu bestimmen, Abhängigkeiten herzustellen und das Vertrauen der Menschen auszunutzen.

So hätten zur Gemeinschaft gehörende Eltern ihre Kinder verprügelt, weil ihnen Jones suggiert habe, dass dies Gottes Wille sei. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.9.2010 um 10.50 Uhr veröffentlicht.

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