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Lutheraner kritisieren System als unfair und ungerecht

Wirtschaftsordnung ist »tiefer Ausdruck von Sünde«

<b>LWB-Generalsekretär</b> Pfr. Dr. Ishmael Noko (links) gratuliert Pfarrer Martin Junge zu seiner Wahl zum zukünftigen LWB-Generalsekretär. Foto: LWB

LWB-Generalsekretär Pfr. Dr. Ishmael Noko (links) gratuliert Pfarrer Martin Junge zu seiner Wahl zum zukünftigen LWB-Generalsekretär. Foto: LWB

Der designierte Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), der chilenische Theologe Martin Junge, hat die Weltwirtschaftsordnung als unfair, ungerecht und als »tiefen Ausdruck von Sünde« bezeichnet.

Zur Rettung der Banken hätten die G-20-Staaten mehr als 800 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt - Geld, das man für die Bekämpfung von Aids oder die Entschuldung von Staaten nie freigegeben hätte, beklagte Junge vor der 11. LWB-Vollversammlung in Stuttgart.

Der kirchliche Dachverband vertritt 70 Millionen lutherische Christen weltweit.

Zugleich würdigte Junge, der sein Amt im Oktober antritt, den Dienst der Lutheraner für bedürftige Menschen: »Wir sind bekannt als Leute, die eine tiefgründige Leidenschaft für den Nächsten haben.«

So setzten sich Lutheraner für Flüchtlinge und für bedrohte Menschen in Bürgerkriegsgebieten ein. Diesen Kurs gegen Hunger, den Missbrauch von Kindern als Soldaten und gegen Aids solle der LWB fortsetzen, forderte Junge.

Der künftige Generalsekretär, der in diesem Amt dem Theologen Ishmael Noko aus Simbabwe folgt, warb für eine positive Sicht der Unterschiede, die es zwischen den lutherischen Kirchen gebe.

Dissonanzen seien zwar manchmal schwer zu ertragen, trügen aber die Verheißung einer verändernden Kraft in sich. Gleichzeitig warnte Junge die LWB-Mitgliedskirchen davor, ihr kulturelles Umfeld als Entschuldigung dafür zu gebrauchen, Menschen auszuschließen.

Lutheraner müssten sich als weltweite Gemeinschaft insbesondere durch die Kraft von Frauen und jungen Menschen verändern lassen, empfahl der Theologe.

Er selbst gehöre in Chile einer Kirche an, in der es bald mehr Pastorinnen als Pastoren geben werde. »Das macht mich weder nervös noch besorgt, ich bin für diese Entwicklung einfach dankbar«, sagte Junge. epd

Dieser Beitrag wurde am 27.7.2010 um 07.15 Uhr veröffentlicht.

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