Schuldenkrise und G20-Gipfel
Vatikan und Anglikaner für sozial gerechtere Finanzmärkte

Wohin steuer unsere Gesellschaft? Auch Papst und die Anglikanische Kirche haben jetzt eine umfassende Reform der weltweiten Finanzmärkte gefordert. Foto: Lee Torrens
Papst Benedikt XVI. hat die Staats- und Regierungschefs, die am Donnerstag in Cannes zum G-20-Gipfel zusammenkommen, zu verstärkten Bemühungen um eine Lösung der internationalen Schuldenkrise aufgerufen.
»Ich hoffe, dass die Begegnung dazu beitragen wird, die Hindernisse zu überwinden, die weltweit die Förderung einer wahrhaft menschlichen und umfassenden Entwicklung behindern«, sagte er bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.
Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, unterstützt die Reformvorschläge aus dem Vatikan für die Finanzmärkte.
Finanztransaktionssteuer und Rekapitalisierung der Banken seien kein »simpler Ruf nach einem Ende des Kapitalismus« und mehr als ein genereller Ausdruck von Unzufriedenheit, schreibt Williams in einem Beitrag für die britische »Financial Times«.
Die Kirche von England und die Kirche insgesamt hätten ein echtes Interesse an einer Ethik der Finanzwelt, schreibt das Oberhaupt der Anglikaner.
Mit Blick auf den G-20-Gipfel hatte der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden vor wenigen Tagen eine umfassende Reform der weltweiten Finanzmärkte gefordert.
In einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Dokument rief er die internationale Gemeinschaft zur Einrichtung einer »Weltnotenbank« auf.
In einer zunehmend globalisierten Welt sei allein eine Weltautorität kompatibel mit den »neuen Wirklichkeiten und den Bedürfnissen der Menschheit«, heißt es in der Note der Vatikanbehörde. Sie trägt den programmatischen Titel »Für eine Reform des internationalen Finanz- und Währungssystems im Hinblick auf eine öffentliche Autorität mit universalen Kompetenzen«.
Eine weltweite Wirtschaftsregierung müsse sich von »archaischen Kämpfen« zwischen Nationalstaaten verabschieden, um Frieden und Sicherheit, Entwicklung sowie freie, stabile und transparente Märkte zu garantieren.
Im Hinblick auf eine Regulierung und Stabilisierung der internationalen Märkte fordert der Vatikan die Einführung einer Finanztransaktionssteuer sowie eine Kapitalerhöhung der Banken.
Auch Williams spricht sich ausdrücklich für eine Steuer auf Finanzmarktgeschäfte aus.
Das Steueraufkommen sollte für Investitionen in die »reale Wirtschaft« eingesetzt werden. Dieser Vorstoß werde von namhaften Experten unterstützt, die nicht als »naive Anti-Kapitalisten« abgeschrieben werden könnten. Der Erzbischof von Canterbury bekundete Sympathie für die Occupy-Proteste gegen die Banken in London. epd
Dieser Beitrag wurde am 3.11.2011 um 10.02 Uhr veröffentlicht.
| Kommentare lesen |
|---|
| Eigenen Kommentar schreiben |
|---|
| Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können. Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben Melden Sie sich hier kostenlos an |
| Evangelisch in Westfalen und Lippe |
|---|
| Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich). |
|










