Wegen Missbrauchs
Strafgerichtshof soll gegen Papst ermitteln

Papst und Vatikan sollen sich nach Ansicht des Betroffenennetzwerkes wegen systematischen Missbrauchs vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten. Foto: UK-Archiv
Nach dem Willen eines weltweiten Betroffenen-Netzwerkes soll der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wegen des systematischen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen Ermittlungen gegen Papst und Vatikan aufnehmen.
Wie das Netzwerk »Survivors Network of those Abused by Priests« in Berlin mitteilte, ist dem Strafgerichtshof am Dienstag eine rund 20.000-seitige detaillierte Klageschrift überreicht worden. Darin seien etwa 1.000 Missbrauchsfälle aus aller Welt aufgelistet.
In der Klageschrift werden Papst Benedikt XVI. und drei weitere Vatikan-Verantwortliche der Tolerierung und Ermöglichung der systematischen und weit verbreiteten Vertuschung von Vergewaltigung und Sexualverbrechen an Kindern durch Bischöfe, Priester, Diakone und Nonnen beschuldigt.
Die Beschuldigten seien als Vorgesetzte verantwortlich, sagte Anwältin Pamela Spees von dem in New York ansässigen Zentrum für Verfassungsrechte, das die Klage unterstützt.
Zudem hätten sie die Missbrauchsfälle jahrelang vertuscht.
»Sie sollten deshalb wie jeder andere Verantwortliche für Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht gebracht werden«, ergänzte die Anwältin. Nach Schätzungen der Betroffenen-Organisation wurden allein in den USA bis zu 100.000 Menschen durch Kleriker missbraucht.
Netzwerk-Präsidentin Barbara Plaine sagte, mit der Anrufung des Internationalen Strafgerichtshofes solle auch verhindert werden, dass noch ein einziges Kind weltweit einer Vergewaltigung oder einem sexuellem Übergriff durch einen Priester zum Opfer falle.
Zur Unterstützung ihres Anliegens reist die Initiative derzeit durch europäischen Hauptstädte, um von den Diözesen weitere Unterlagen und Dokumente einzufordern.
Am 20. September soll die Klageschrift dann in Rom dem Vatikan übergeben werden.
Zudem sei geplant, Papst Benedikt XVI. auf seiner Deutschlandreise »zu begleiten«, sagte das deutsche Netzwerk-Mitglied Wilfried Fesselmann. Der Gelsenkirchener ist selbst ein Missbrauchsopfer. Papst Benedikt besucht vom 22. bis 25. September Deutschland.
Bisher ist unklar, ob er dabei auch mit Missbrauchsopfern zusammentreffen wird. epd
Dieser Beitrag wurde am 14.9.2011 um 16.07 Uhr veröffentlicht.
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