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Sozialforscher warnt

Schuldenerlass statt Sanktionen für EU-Krisenländer

Foto: www.kibac.de

Foto: www.kibac.de

Immer neue Sparvorgaben und Sanktionen für kriselnde Euro-Länder sind nach Einschätzung des Aachener Sozialwissenschaftlers Ralf Welter der falsche Weg.

Nötig seien stattdessen Schuldenerlasse und Investitionskredite zur Wiederbelebung der Wirtschaft in diesen Staaten, sagte der Dozent für Sozialpolitik an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen dem epd. Die europäische Wirtschafts- und Finanzzone ist nach Welters Einschätzung in ihrer jetzigen Form nicht mehr zu retten.

»Und Deutschland mit seiner überragenden Exportwirtschaft trägt daran maßgeblich die Schuld.«

Durch konkurrenzlos niedrige Lohnstückkosten in Deutschland seien Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien in die Überschuldung geraten.

Die Bundesrepublik betreibe seit mehr als 25 Jahren eine streng neoliberale Wirtschaftspolitik, kritisiert der Experte für christliche Soziallehre.

Lohnsteigerungen seien unter dem Produktivitätszuwachs und teilweise sogar unter dem Inflationsausgleich geblieben.

Als Folge seien die realen Einkommen der Arbeitnehmer in den letzten zehn Jahren um vier Prozent gesunken, jeder vierte deutsche Gehaltsempfänger arbeite im Niedriglohnsektor.

Reale Lohnsteigerungen würden dem Forscher zufolge auch deutsche Exporte verteuern und so dazu beitragen, die innereuropäischen Handelsbilanzen auszugleichen.

Derzeit müssten die anderen EU-Staaten ihre Importüberschüsse mit immer neuen Verschuldungen finanzieren, weil sie nach Einführung des Euro keine nationale Währung mehr haben, die sie abwerten könnten.

Mit Einführung des Euro 2002 sei der deutsche Exportüberschuss gegenüber den anderen EU-Staaten stark angewachsen.

»Drei Viertel unserer Ausfuhrgüter verkaufen wir in andere EU-Länder.« Die Leistungsbilanzdefizite der überschuldeten Staaten und die noch immer fehlenden Regulierungen des Finanzsektors führten zu einer beispiellosen Gemengelage, die bald nicht mehr beherrschbar sei.

Die Zukunft der Euro-Zone beurteilt Welter pessimistisch.

Es sei kaum möglich, das bestehende System zurückzufahren: »Vermutlich müssen wir den Karren erst vor die Wand fahren, damit eine neue Wirtschafts- und Finanzordnung geschaffen werden kann.« epd

Dieser Beitrag wurde am 21.2.2012 um 10.37 Uhr veröffentlicht.

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