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Viele Zweifel an Schuld Troy Davis'

Scharfe Kritik an umstrittener Hinrichtung

<b>Auch in den USA nicht unumstritten:</b> Die Hinrichtung von Troy Davis trotz aufgekommener Zweifel an seiner Schuld beherrschte geraume Zeit auch die Spitzenmedien. Foto: www.cnn.com

Auch in den USA nicht unumstritten: Die Hinrichtung von Troy Davis trotz aufgekommener Zweifel an seiner Schuld beherrschte geraume Zeit auch die Spitzenmedien. Foto: www.cnn.com

Menschenrechtler haben die Hinrichtung des wegen Polizistenmordes zum Tode verurteilten Amerikaners Troy Davis scharf kritisiert.

Der Fall zeige das Versagen des US-Justizsystems, erklärte Amnesty International am Donnerstag. An Davis' Schuld gebe es erhebliche Zweifel. Auch in Deutschland stieß die Vollstreckung des umstrittenen Todesurteils auf heftigen Protest. Der 42-jährige Afro-Amerikaner war in der Nacht zum Donnerstag im Staatsgefängnis von Jackson im Bundesstaat Georgia mit einer Giftspritze hingerichtet worden.

Seine Verteidiger hatten bis zuletzt versucht, die Exekution zu stoppen.

Diese war ursprünglich für 19 Uhr Ortszeit geplant, hatte sich jedoch wegen unerwartet langer Beratungen des Obersten Gerichtshofs der USA bis kurz nach 23 Uhr verzögert.

Die Richter beschlossen ohne Angabe von Gründen, die Hinrichtung nicht zu stoppen.

Davis soll 1989 in Savannah (Georgia) den 27-jährigen weißen Polizeibeamten Mark MacPhail erschossen haben, als dieser einen Obdachlosen vor Schlägern schützen wollte. Nach Angaben von Journalisten, die Augenzeugen der Hinrichtung waren, beteuerte Davis bis zum Schluss seine Unschuld.

An die bei der Exekution anwesenden Angehörigen des ermordeten Polizisten gewandt, habe er betont, er habe MacPhail nicht umgebracht.

Der US-Direktor von Amnesty International, Harry Cox, kritisierte das »hässliche« und »groteske Schauspiel« des Hinrichtungsabends.

Er habe in seinen 30 Jahren Arbeit gegen die Todesstrafe noch nie so gravierende Zweifel an der Schuld eines Verurteilten gesehen, sagte er dem Rundfunksender »Democracy Now«.

Nach Angaben von Davis' Berufungsanwälten haben sieben der neun Belastungszeugen in dem Prozess von 1991 hätten ihre Aussagen inzwischen zurückgezogen.

Mehrere Zeugen hätten erklärt, sie seien von der Polizei unter Druck gesetzt worden.

Vertreter der Staatsanwaltschaft von Georgia erklärten dagegen, Davis' Schuld sei bewiesen. Im Fernsehsender CNN kritisierte der Staatsanwalt Spencer Lawton, Gegner der Todesstrafe stützten sich auf Emotionen. Die Widerrufung der Zeugenaussagen habe nur begrenzten Wert. Die Zeugen hätten nur in den Medien und nicht unter Eid widerrufen.

Der USA-Experte der deutschen Amnesty-Sektion, Sumit Bhattacharyya, erklärte, Davis sei hingerichtet worden, obwohl es große und gut begründete Zweifel an seiner Schuld gebe.

Damit versage ein Justizsystem, das seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth bezeichnete die Hinrichtung von Davis als »zynisches und unmenschliches Schauspiel«, das Trauer und Entsetzen hervorrufe. Sie forderte die Abschaffung der Todesstrafe in den USA. Auch die stellvertretende Vorsitzende der Linken, Katja Kipping, wertete die Exekution als Unrecht.

Die Bundesregierung dürfe zu diesem »Akt der Barbarei« nicht schweigen. epd

Dieser Beitrag wurde am 22.9.2011 um 15.16 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 22.09.2011 16:12:

Mein Sohn heute Morgen mit Blick auf die Zeitung: "Wenns ein Weißer wäre, dann wäre er längst frei". Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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