Vollversammlung in Stuttgart
Lutherischer Weltbund stellt Weichen für Arbeit neu

Gottesdienst zum Auftakt der Vollversammlung: Unter den Teilnehmern auch Brenda Akpan, Vorsitzende des Programmkomitees für Weltdienst. Foto: LWB
Der Lutherische Weltbund (LWB) hat auf seiner am Dienstag zu Ende gegangenen 11. Vollversammlung in Stuttgart die Weichen für die Zukunft gestellt.
Neben einem Wechsel an der Spitze standen die Themen Klimaschutz, Umgang mit Homosexualität und soziale Gerechtigkeit im Mittelpunkt der achttägigen Konferenz der Dachorganisation von rund 70 Millionen lutherischen Christen weltweit. Als kirchenhistorisch bedeutsam gilt die Vergebungsbitte der Lutheraner gegenüber der christlichen Täuferbewegung wegen Verfolgungen im 16. Jahrhundert.
Zentrale Punkte der Vollversammlung waren:
- Leitungswechsel: Der palästinensische Theologe Munib A. Younan steht künftig an der Spitze des LWB. Der 59-jährige Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land folgt dem US-amerikanischen Bischof Mark Hanson (63). Der in Jerusalem geborene Younan gilt als streitbarer Kämpfer für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und Förderer des interreligiösen Dialogs. Seine Wahl stieß in der weltweiten Ökumene überwiegend auf Zustimmung.
- Neuer Generalsekretär: Die rund 400 Delegierten der Vollversammlung verabschiedeten in Stuttgart den langjährigen LWB-Generalsekretär Ishmael Noko (66). Der Mann aus Simbabwe war 1994 als erster Afrikaner in dieses Amt gewählt worden. Ihm folgt ab Herbst der chilenische Theologe Martin Junge (49). Von 1996 bis 2000 war Junge Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile. Damit kommen sowohl der neue LWB-Generalsekretär Junge als auch der neue LWB-Präsident Younan aus den mit jeweils rund 3.000 Mitgliedern zahlenmäßig kleinsten Mitgliedskirchen des LWB.
- Historische Vergebungsbitte: In einer bewegenden Zeremonie baten die Lutheraner die Mennoniten um Vergebung für die grausame und blutige Verfolgung im 16. Jahrhundert. Die kleine Freikirche der Mennoniten ist der Hauptzweig der Nachfahren der christlichen Täuferbewegung. Gestützt auf theologische Positionen der Reformatoren waren die Mennoniten von Lutheranern verfolgt und getötet worden. Dafür empfinde man nun »tiefes Bedauern und Schmerz«, stellte die LWB-Vollversammlung einstimmig fest. Der mennonitische Weltverband nahm das Versöhnungsangebot an.
- Homosexualität: In der Debatte der lutherischen Kirchen über den Umgang mit Homosexualität kam es nicht zu einer offenen Kontroverse. Die Beratungen über die Haltung zur Homosexualität soll bis 2012 abgeschlossen werden. Vor allem viele lutherische Christen aus Afrika und Osteuropa lehnen etwa eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder bekennende homosexuelle Pfarrer ab. Hingegen gibt es seit einigen Monaten etwa in Schweden die weltweit erste offen lesbische lutherische Bischöfin.
- Frauenordination: Auch die Diskussionen über Frauen im Pfarramt sorgt in einigen lutherischen Kirchen für Besorgnisse und Unruhe. Die Vollversammlung forderte die 145 Mitgliedskirchen auf, überall Frauen in geistliche Ämter und Leitungspositionen zuzulassen. Rund 30 lutherische Kirchen lehnen die Frauenordination ab. »Der Schmerz dieses Ausschlusses und der Verlust ihrer Gaben bedeuten Leiden und Verlust für die ganze Kirche«, heißt es in einer Resolution.
- Klimaschutz: Die Delegierten rufen zur Förderung nachhaltiger Praktiken auf. Die Mitgliedskirchen sollen zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstosses beitragen, etwa durch weniger gedruckte Dokumente. Weiter wird angeregt, Erfahrungen des Deutschen Evangelischen Kirchentages bei der umweltfreundlichen Planung von Konferenzen aufzugreifen.
epd
Dieser Beitrag wurde am 28.7.2010 um 10.05 Uhr veröffentlicht.
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