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Endzeit-Glaube in den USA

Evangelikale erwarten Schlacht Gut gegen Böse

Weltuntergang und Apokalypse: Viele US-Amerikaner glauben an eine noch zu ihren Lebzeiten hereinbrechende Schlacht zwischen Gut und Böse. Selbst die Politik muss darauf Rücksicht nehmen. Foto: James Thew

Weltuntergang und Apokalypse: Viele US-Amerikaner glauben an eine noch zu ihren Lebzeiten hereinbrechende Schlacht zwischen Gut und Böse. Selbst die Politik muss darauf Rücksicht nehmen. Foto: James Thew

Nicht die kuriosen Prophezeiungen zum 21. Dezember 2012, sondern der Endzeit-Glaube evangelikaler Strömungen in den USA gibt nach Ansicht des Sachbuchautors Thomas Grüter Anlass zur Sorge.

Viele der Freikirchen in den USA stünden auf dem Standpunkt, dass die Welt in einer Schlacht zwischen Gut und Böse enden werde und dieser Endkampf bald bevorstehe, sagte der in Münster lebende Wissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Christen seien aufgerufen, diesen Kampf auf der Seite der Guten zu führen.

Diese apokalyptische Weltsicht sei viel gefährlicher als alle Untergangsprophezeiungen, die sich auf den Maya-Kalender oder Hopi-Indianer beriefen, urteilte der Mediziner, Autor populärwissenschaftlicher Bücher und Psychologie-Dozent.

Zu den Prophezeiungen zum 21. Dezember sagte Grüter, im Internet gebe es Listen von Weltuntergangsdaten, nach denen es in den vergangenen 50 Jahren für fast jedes Jahr eine Untergangsprophezeiung gegeben habe, das werde sich in den kommenden Jahren sicher nicht ändern: »Es findet sich bestimmt auch ein passendes astronomisches Ereignis oder eine alte Vorhersage. Natürlich muss man das genauso wenig ernst nehmen wie die Spekulationen rund um den 21. Dezember 2012.«

Das Gespräch im Wortlaut:

Der Maya-Kalender, Prophezeiungen des Nostradamus, ungewöhnliche kosmische Konstellationen, Weissagungen der Hopi-Indianer oder ein sich der Erde angeblich nähernder Unheilplanet - all dies soll auf ein großes Ereignis um den 21. Dezember 2012 herum hinweisen. Einige warnen vor einem großen Unglück, Weltuntergang oder zumindest einer globalen Krise. Was ist davon zu halten?

Thomas Grüter: Wenn ein Thema aktuell ist und ein großes Publikum anspricht, möchten alle dabei sein. In der Esoterikszene leben viele vom Verkauf ihrer Bücher und Seminare. Doch aus wissenschaftlicher Sicht sind solche Prophezeiungen Unfug: Der Maya-Kalender endet nicht, sondern springt lediglich in eine neue Epoche um - vergleichbar mit dem Sprung 1999 auf 2000.

Wir wissen auch nicht genau, ob der Beginn der neuen Maya-Epoche wirklich genau auf den 21.12.2012 fällt, die Berechnungen sind nicht ganz sicher. Selbst heutige Maya-Indianer haben klargestellt, dass die Prophezeiungen aus ihrer Sicht völliger Blödsinn sind.

Was passiert, wenn der Weltuntergang ausfällt?

Grüter: Dann wären Teile der Esoterik-Szene bloßgestellt und die Buchautoren als falsche Propheten entlarvt. Daher sagen die meisten inzwischen keinen Weltuntergang vorher, sondern einen spirituellen Bewusstseinswandel. Das wäre dann ein guter Anlass, weitere Bücher zu schreiben und Seminare anzubieten, um diesen Wandel zu erklären und zu begleiten. Für einen vorausdenkenden Esoteriker ist es also sicherer, einen Bewusstseinswandel vorherzusagen als einen Weltuntergang.

Warum lassen sich so viele Menschen von diesen Esoterik-Theorien faszinieren?

Grüter: Bei genauem Hinsehen haben in Deutschland nur sehr wenige Menschen Angst vor einem baldigen Weltende. Einer internationalen Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters zufolge glauben bei uns nur vier Prozent daran. Das sind ungefähr so viele, wie auch daran glauben, dass die Welt in Wirklichkeit von Geheimorganisationen wie den Illuminaten beherrscht wird. Für die große Mehrheit sind diese Prophezeiungen eine abwegige Idee, über die man gute Witze reißen kann.

Wurde die Weltuntergangsstory von den Medien aufgebauscht?

Grüter: Die Medien in Deutschland haben das schrille Thema natürlich gerne aufgegriffen, haben aber zugleich immer wieder darauf hingewiesen, dass das Ganze weder Hand noch Fuß hat, dass es keine Maya-Prophezeiungen gibt, dass der Kalender lediglich umspringt und es keinen riesigen, durchs Weltall irrenden Planeten gibt, der bald mit der Erde zusammenstoßen wird. Insgesamt verhalten sie sich also sehr verantwortungsvoll.

Wenn die ganze Aufregung - sofern es überhaupt eine gibt - Ende Dezember vorbei ist, stehen bereits ähnliche Events in Aussicht?

Grüter: In der englischen Wikipedia findet sich unter »List of dates predicted for apocalyptic events« eine Liste von Weltuntergangsdaten. In den letzten 50 Jahren hat es für fast jedes Jahr eine Untergangsprophezeiung gegeben. Das wird sich in den nächsten Jahren sicher nicht ändern. Es findet sich bestimmt auch ein passendes astronomisches Ereignis oder eine alte Vorhersage.

Natürlich muss man das genauso wenig ernst nehmen wie die Spekulationen rund um den 21. Dezember 2012.

Gibt es eine konkrete Vorhersage?

Grüter: Die nächste große Vorhersage zielt auf das Jahr 2060. Anhänger dieser Theorie berufen sich auf den großen britischen Naturforscher Isaac Newton (1643-1726). Dieser soll ausgerechnet haben, dass 1.260 Jahre nach der Gründung des Abendlandes durch die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 jederzeit die Welt untergehen könne.

1.260 Jahre entsprechen nach Ansicht Newtons einem Weltzeitalter, er zählte also 800 plus 1.260 und kam auf das Jahr 2060 - ein bisschen Zeit haben wir also noch.

Abgesehen von skurrilen Vorhersagen, die eher Anlass zu Weltuntergangspartys sein werden: Gibt es Prophezeiungen, die sie für wirklich gefährlich halten?

Grüter: Allerdings! Nicht etwa, weil ich an diese Prophezeiungen glaube, sondern wegen der möglichen Folgen. Eine sehr unangenehme Form tritt in den Vereinigten Staaten auf. Viele der dortigen Freikirchen stehen auf dem Standpunkt, dass die Schrecken der Apokalypse unmittelbar bevorstehen und noch zu Lebzeiten der meisten Menschen beginnen werden.

Wie ist das zu verstehen?

Grüter: Immer noch aktuell ist der von dem britischen Geistlichen John Nelson Darby (1800-1882) begründete sogenannte Dispensationalismus, eine besondere Form des religiös begründeten Endzeitglaubens. Darby lehrte, dass das gegenwärtige Zeitalter mit dem Kommen des Antichrist zu Ende geht und am Ort Armaggedon eine Endschlacht von Gut und Böse stattfindet, in der Christus den Antichrist besiegt. Schließlich soll ein tausendjähriges Reich begründet werden, an dessen Ende das Jüngste Gericht steht.

Daran glauben heute noch viele Amerikaner?

Grüter: Ja, dieser Dispensationalismus ist in den USA sehr verbreitet. In den USA haben die Freikirchen, denen ungefähr 25 Prozent der Bevölkerung angehören, eine ausgesprochen große Macht.

Hat das Einfluss auf die Politik?

Grüter: Der prophezeite Antichrist wird in den USA immer wieder mit aktuellen Politikern identifiziert. Freikirchliche Fanatiker stellten im ersten Wahlkampf von Barack Obama vor vier Jahren ernsthaft die Frage, ob der damalige Präsidentschaftskandidat der Antichrist sein könnte.

Einer »Newsweek«-Umfrage zufolge glauben 45 Prozent der Christen in den USA, dass die Welt in einer Schlacht zwischen Gut und Böse enden wird, dieser Endkampf unmittelbar bevorsteht und die Christen aufgerufen sind, diesen Kampf auf der Seite der Guten zu führen.

Noch ein Beispiel: Der US-Prediger Tim LaHaye hat eine ganze Serie von Endzeitbüchern (»Left Behind«) geschrieben, in denen er die biblische Johannes-Apokalypse ins moderne Amerika überträgt. Die Bücher haben eine Gesamtauflage von über 60 Millionen.

Was hat das für Konsequenzen?

Grüter: Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Harris Interactive aus dem Jahr 2010 glauben 29 Prozent der Republikaner, dass Barack Obama die USA an eine Weltregierung ausliefern will. Im evangelikalen Weltbild ist damit die Herrschaft des Antichristen zu Beginn der Apokalypse gemeint. Diese weit verbreitete gefährliche Überzeugung beeinflusst natürlich auch die praktische Politik.

Ihr Fazit?

Grüter: In den USA sehen viele Menschen die Welt in einen bedingungslosen Endkampf der Guten gegen die Bösen verstrickt. Wir Europäer müssen uns klarmachen, dass jeder, der in Amerika regiert, darauf Rücksicht nehmen muss.

Das erklärt auch einige der seltsamen Windungen in der US-amerikanischen Politik. Diese apokalyptische Weltsicht ist viel gefährlicher als alle Untergangsprophezeiungen, die sich auf irgendwelche Mayas oder Hopis berufen.

epd

Dieser Beitrag wurde am 29.11.2012 um 10.39 Uhr veröffentlicht.

Das Stichwort: Apokalypse

Am Ende der Bibel steht das Buch der Offenbarung des Johannes, auch »Apokalypse« genannt.

Das Wort Apokalypse kommt aus dem Griechischen und bedeutet Enthüllung. Die Apokalypse der Bibel enthält die Vision des Weltendes oder Weltuntergangs - allerdings nicht im Sinne eines endgültigen Endes und außerdem ohne Zeitangabe. Die Offenbarung des Johannes berichtet vielmehr von einer neuen oder verwandelten Welt.

Apokalyptisches Denken ist nach Ansicht von Historikern vor allem ein Phänomen von Krisenzeiten.

Besonders in Zeiten gesellschaftlicher oder politischer Umbrüche tauchen apokalyptische Szenarien auf, die zwar Schreckensvisionen verbreiten, den Menschen aber auch Hoffnung in ihrer Not vermitteln sollen. Die Welt wird danach von Gott von Grund auf verwandelt. Das Böse soll keine Macht mehr über die Menschen bekommen.

Auf Spekulationen will man sich wie beim Zeitpunkt des Jüngsten Gerichts freilich nicht einlassen: »Der Vater allein weiß den Tag und die Stunde«, heißt es in dem noch von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) autorisierten katholischen Weltkatechismus. epd

Kommentare lesen
oberschwester schrieb am 29.11.2012 19:18:

Einfach lächerlich, an solch einen Unfug zu glauben.
Zum Glück wissen wir, dass der gekreuzigte nach der Beerdigung widerauferstanden ist, dass es Meere zu teilen gibt, Wasser zu Wein zu verwandeln ist und schon so viele aus dem Paradies Postkarten gesendet haben.

Thomas 163 schrieb am 16.06.2013 14:33:

Die Bibel spricht klar von einer Endzeit ,mit schlimmen
Zeiten für die Menschen und die Erde . In der Offenbarung
12 wird die Ursache benannt, nämlich Satan und seine
Engel wurden auf die Erde geworfen. Auch Jesus sprach
klar davon , das die Zeiten vor seiner Ankunft immer
schlimmer werden . Nun ist die Bibel Gottes Wort und
nicht Theologengeschwätz. Mehrere hundert Millionen
Bibel-gläubige Christen glauben an eine baldige Ankunft
Jesus Christus, um sein Königreich auf der Erde aufzurichten.
Dies ist ein Ur-biblische Lehre. Wenn die deutschen Volkskirchen etwas anderes Lehren befinden diese sich
außerhalb der Heiligen Schrift und propagieren eine andere
Religion und deswegen sind die deutschen Volkskirchen auch leer.

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