Bedrohung für Mensch und Umwelt
Die Welt isst immer mehr Fleisch

Die rasant wachsende Viehtzucht bedroht durch zunehmenden Verbrauch an Wasser und Boden sowie durch schädliche Klimagase die Umwelt. Foto: Yannick Vincent
Wachsende Einkommen in Entwicklungsländern haben den Fleischverzehr in die Höhe getrieben.
Gleichzeitig breitet sich dank technologischer Fortschritte die Massenviehhaltung weltweit aus. Rund um den Globus werden Fleischprodukte und Tierfutter gehandelt. Doch vor allem Kleinbauern können oft nicht mithalten, warnt die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO). Weltweit hungern mehr als eine Milliarde Menschen. Ein Großteil von ihnen lebt als Kleinbauern auf dem Land.
Das rasante Wachstum der Viehwirtschaft belastet durch den Verbrauch natürlicher Ressourcen wie Wasser und Boden die Umwelt.
Gleichzeitig sehen sich Kleinbauern durch immer schärfer werdende Konkurrenz global agierender Fleischproduzenten in ihrer Existenz bedroht. Sie können sich aber weder die dringend erforderliche Vorsorge gegen Tierkrankheiten leisten, die auch Menschen bedrohen.
Noch gelingt es den Kleinbauern, den Ausstoß des klimaschädlichen Methan aus den Mägen von Rindern und Schafen durch eine Änderung des Futters zu verringern.
Fleischkonsum teils vervierfacht
Hat sich der Fleischkonsum in Entwicklungsländern zwischen 1980 und 2005 auf 30,9 Kilo pro Person im Jahr mehr als verdoppelt, so vervierfachte er sich im gleichen Zeitraum in China und Südostasien gar auf je knapp 60 und knapp 25 Kilo.
Zum Vergleich: In Deutschland isst jeder Bürger im Jahr 83,3 Kilo Fleisch. Dennoch mangelt es bis zu fünf Milliarden Menschen weltweit an Eisen, das in Fleisch enthalten ist. Gleichzeitig führt übermäßiger Fleischkonsum in Industriestaaten häufig zu Übergewicht und Krankheiten.
Der Markt ist häufig verzerrt - zulasten der Umwelt, konstatieren die Experten. So fördern einige Länder, etwa in Lateinamerika, mit Anreizen für Rinderfarmen geradezu die Abholzung von Regenwaldes, um Weideland zu gewinnen.
Viehhalter müssten stattdessen durch Umweltabgaben zu einem sparsamen Umgang mit Ressourcen bewogen werden, fordert die FAO.
Die UN-Organisation verurteilt die mehr als alle andere Agrarsektoren wachsende Viehwirtschaft nicht.
Sie ist schließlich auf den Konsens ihrer 191 Mitgliedsstaaten angewiesen. Auch der Kritik, dass bei der Fleischproduktion sehr viel Getreide an Tiere verfüttert wird und Kalorien verloren gehen, während Menschen hungern, schließt sich die FAO nicht an.
Anstatt die Fleischindustrie wegen ihrer Treibhausgasemissionen an den Pranger zu stellen, betont sie lieber deren Potenzial, die Emissionen zu verringern, und beklagt die Folgen des Klimawandels für die Rinder- und Schafsfarmer.
FAO-Generaldirektor Jacques Diouf stellte bei der Vorlage des Berichts am Donnerstag in Rom trocken fest, das exponentielle Wachstum der Viehwirtschaft habe sich in einem »institutionellen Vakuum« abgespielt.
»Konkretes Handeln« für eine »Steuerung« des Wachstums sei dringend erforderlich.
Wer die geforderte internationale Koordinierung der Bemühungen übernehmen sollte, blieb dabei offen. Wie dringend die Warnungen vor Umweltzerstörung infolge übermäßigen Wachstums der Branche sind, demonstriert allein die Tatsache, dass Viehhaltung 40 Prozent der gesamten Agrarwirtschaft ausmacht.
Auch in Entwicklungsländern gibt es Überfluss und Mangel.
Entgegen dem Trend sank in Afrika infolge von Krieg, Dürre und Armut vielerorts der Fleischverbrauch in den vergangenen Jahren. Im großen Fleischexportland Brasilien wächst die Produktion dagegen seit den 90er Jahren um durchschnittlich 20 Prozent.
Die FAO fordert im Umgang mit Tierhaltung einen Ausgleich zwischen Umweltschutz, Armutsbekämpfung, Ernährungssicherheit und Gesundheit. epd
Dieser Beitrag wurde am 19.2.2010 um 08.22 Uhr veröffentlicht.
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