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Käßmann bleibt skeptisch

Debatte über Krieg und Frieden

Bischöfin Margot Käßmann. Archiv-Foto: gmh

Bischöfin Margot Käßmann. Archiv-Foto: gmh

Nach der internationalen Afghanistan-Konferenz in London debattieren Politiker und Spitzenvertreter der Kirchen weiter darüber, in welchem Ausmaß militärische Gewalt zur Befriedung des Landes gerechtfertigt ist.

Im Mittelpunkt einmal mehr: Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält die Kritik der Bischöfin am Afghanistan-Einsatz für akzeptabel. Käßmann selbst bewertete die Ergebnisse der Londoner Afghanistan-Konferenz positiv, hält es aber für problematisch, dass mehr Soldaten an den Hindukusch geschickt werden sollen.

Ob der auch von der EKD geforderte Strategiewechsel eingeleitet wird, werde sich noch zeigen müssen, sagte die Ratsvorsitzende: »Die Konferenz allein ist sicher noch nicht hinreichend.«

Käßmann hatte in Interviews und Predigten zum Jahreswechsel mehrfach das militärische Engagement Deutschlands kritisiert und war dafür teils scharf angegriffen worden. Insbesondere der Satz »Nichts ist gut in Afghanistan« aus ihrer Neujahrspredigt erntete Widerspruch.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) nahm in einem Interview nochmals Bezug: »Dieser Satz ignoriert, dass vieles besser geworden ist seit der Schreckensherrschaft der Taliban.«

Kanzlerin Merkel forderte zu Respekt auf: »Die Position von Bischöfin Käßmann ist die eines Teils meiner Kirche.«

Der Rat der EKD habe vor zwei Jahren eine interessante Denkschrift veröffentlicht, die militärische Gewalt zwar nicht ablehnt, »sie aber an sehr hohe Hürden knüpft«. »Diese Position erlegt uns eine besondere Begründungspflicht auf«, sagte die Kanzlerin. Und damit müsse die Demokratie leben können.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nahm die EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Landesbischöfin gegen Kritik in Schutz.

Er habe mit Käßmanns öffentlichem Zwischenruf keine Probleme. Er sehe die Rolle der Kirche nicht darin, sich auf das Spirituelle zu beschränken. »Die Kirchen sollen ihre Botschaft einbringen in die Geschäftigkeit der Gesellschaft. Das muss knirschen - nicht ständig, aber es muss knirschen«, sagte der CDU-Politiker.

Käßmann stellte fest, dass zwei der zentralen Anliegen der EKD bei der Londoner Konferenz berücksichtigt wurden: »Die deutsche Entwicklungshilfe wird verdoppelt. Das zeigt, dass der Vorrang des Zivilen wahrgenommen wird.«

Auch der Versuch, ein Aussteigerprogramm für Taliban-Kämpfer aufzulegen, zeige, »dass mehr Fantasie für den Frieden ins Spiel kommt«.

Die internationale Staatengemeinschaft hatte sich in London darauf verständigt, die Verantwortung für die Sicherheit im Land in den nächsten Jahren schrittweise an die afghanische Regierung zu übergeben.

Kurzfristig sollen die internationalen Truppen aufgestockt werden, ein Abzugsdatum wurde nicht vereinbart.

Die Bundesregierung will bis zu 850 deutsche Soldaten zusätzlich nach Afghanistan entsenden und die Entwicklungshilfe auf 430 Millionen Euro pro Jahr nahezu verdoppeln. Derzeit umfasst das deutsche Kontingent 4.500 Soldaten. epd

Dieser Beitrag wurde am 31.1.2010 um 11.55 Uhr veröffentlicht.

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