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Afghanistan

Bestürzung über Mordanschlag auf Helfer

<b>Website</b> des christlichen Hilfswerks »International Assistance Mission« (IAM).

Website des christlichen Hilfswerks »International Assistance Mission« (IAM).

Der Mord an christlichen Ärzten in Afghanistan hat in Deutschland Bestürzung ausgelöst.

Politiker aller Parteien äußerten sich am Wochenende empört und erschüttert. Eine Sprecherin der Bundesregierung sprach von einem feigen Mord, der sofort aufgeklärt werden müsse. Unter den zehn Toten ist eine Deutsche. Mit ihr wurden in Badachschan sechs Amerikaner, eine Britin und zwei afghanische Dolmetscher getötet.

Die Mediziner waren für das christliche Hilfswerk »International Assistance Mission« (IAM) mit Sitz in Genf tätig, das seit vier Jahrzehnten in Afghanistan tätig ist und Augenkliniken betreibt.

Nach Angaben der US-Botschaft in Kabul wurden die Leichen in die Hauptstadt überführt. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte dem epd, deutsche Stellen wirkten bei der Identifizierung mit.

Die Ärzte war auf dem Heimweg aus der Provinz Nuristan nach Kabul, wie der Leiter des Kabuler IAM-Büros, Dirk Frans, erklärte. Es wird vermutet, dass auch der Leiter einer Augenklinik, der Amerikaner Tom Little, unter den Toten ist.

Ein anderes Opfer, die Britin Karen Woo, arbeitete für die Organisation »Bridge Afghanistan«. Afghanische Medien berichteten am Sonntag, einer der Fahrer der Gruppe sei festgenommen worden.

Zu der Tat bekannten sich islamische Extremisten.

Dennoch wird auch die Möglichkeit eines Raubüberfalls durch Kriminelle nicht ausgeschlossen. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahed sagte nach Angaben des britischen Senders Sky News: »Es waren christliche Missionare, und wir töteten sie alle.«

Der IAM-Büroleiter in Kabul bestritt jedoch, dass die Organisation missioniere.

»Das ist eine Lüge. Das ist überhaupt nicht wahr. IAM ist eine christliche Organisation und ist es immer gewesen«, sagte er dem britischen Sender BBC.

Die Afghanistan-Expertin Citha Maass sagte im Deutschlandfunk, wer Afghanen zum Christentum zu bekehren versuche, erhöhe die Gefahr, zur Zielscheibe von Aufständischen zu werden. Nach ihren Worten stand IAM 2001/2002 im Verdacht, christliche Mission zu betreiben. »Das ist hochriskant«, warnte Maass. »Wenn man in dem Verdacht steht, setzt man sich einem zusätzlichen Risiko aus.«

Die auf Augenmedizin spezialisierte Christoffel-Blindenmission mit Sitz im südhessischen Bensheim arbeitet seit den 70er Jahren mit IAM zusammen.

Deutsche Mediziner habe man aber nicht nach Afghanistan entsandt, sagte der Sprecher der Blindenmission, Wolfgang Jochum, dem epd. Über christliche Missionstätigkeit bei IAM sei ihm nichts bekannt. »Das würden wir auch nicht unterstützen.«

Auch die Deutsche Evangelische Allianz, ein Netzwerk evangelikaler Christen, zeigte sich überzeugt, dass die IAM ihre Hilfe nicht dazu eingesetzt habe, eine politische oder religiöse Haltung zu propagieren.

Die Bundesregierung drängt darauf, die Verbrechen aufzuklären und die Urheber gemeinsam mit den afghanischen Behörden zu bestrafen.

Nach dem Anschlag wurden in Deutschland erneut Forderungen laut, die Sicherheitslage in Afghanistan zu verbessern. Die unabhängige afghanische Menschenrechtskommission teilte am Sonntag mit, seit Jahresanfang seien bereits 1.325 Zivilisten im Land getötet worden, ein Anstieg um fünf Prozent gegenüber 2009. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.8.2010 um 07.07 Uhr veröffentlicht.

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