UK - Unsere Kirche > Startseite
Samstag, 11.02.2012
Sie sind hier: UK  > Gesellschaft > Standpunkt > Verdrängung hilft nicht

Die UK-Weblogs

Chefsache

Viele Wahlurnen bleiben leer

4. Stock, links

Die Wolken und Berlin

Werbung

Werbung

Deutsche und Polen

Verdrängung hilft nicht

Annemarie Heibrock

Annemarie Heibrock

Die Kuh ist vom Eis. Vorerst jedenfalls. Mit dem Verzicht von Erika Steinbach auf einen Sitz im Stiftungsrat des geplanten Vertriebenen-Zentrums in Berlin scheint das Problem aus der Welt zu sein, das das deutsch-polnische Verhältnis in den vergangenen Wochen so massiv belastet hat.

Aber ist es das wirklich? Offenbart die Diskussion um die Personalie Steinbach nicht vielmehr ein viel grundsätzlicheres Problem zwischen uns und unserem östlichen Nachbarn? Ein Problem, das über den Konflikt zwischen den Vertriebenenverbänden hier und den national-konservativ gesinnten Kräften dort hinausgeht? Ein Problem, das weit in beide Gesellschaften hineinreicht?

Eine solche Vermutung jedenfalls drängt sich auf, denn der Fall Steinbach lässt ahnen, wie tief bei vielen Polinnen und Polen noch immer die Verletzungen sitzen, die ihnen in deutschem Namen angetan wurden.

Die Geschichte, vor allem die der Jahre 1939 bis 1945, ist noch nicht abgeschlossen. Sie hat Folgen, sie wirkt nach. Bis heute. Und selbst wenn wir, wenn Deutschland, die aktuellen polnischen Reaktionen auf die Nominierung Erika Steinbachs nur schwer verstehen können und sie als unbegründet und überzogen zurückweisen, müssen wir sie ernst nehmen – ebenso wie wir inzwischen das Schicksal der deutschen Vertriebenen anerkennen und ernst nehmen.

Verdrängung hat noch niemandem geholfen. Deshalb müssen gegenseitige Vorbehalte und Vorhaltungen, neue Ressentiments und alte Ängste aufgearbeitet werden.

„Erinnerung und Versöhnung gehören zusammen. Verschwiegenes Unrecht vergiftet über kurz oder lang.“ Das sagte die EKD-Kulturbeauftragte Petra Bahr im Zusammenhang mit dem Streit um Erika Steinbach.

Die einzige Konsequenz, die man aus dieser richtigen Erkenntnis ziehen kann, heißt: Deutsche und Polen, Poliker und Bürger, Junge und Alte, Vertriebene und Nicht-Vertriebene – redet miteinander! Lernt Euch kennen, tauscht Euch aus über Eure Erfahrungen, über Eure Sicht der Geschichte.

Einen anderen Weg gibt es nicht, wenn Deutsche und Polen innerhalb eines vereinten Europa als Nachbarn auf Dauer friedlich neben- und miteinander leben wollen.

Ebenso wie es nach 1945 einen Neuanfang im deutsch-französischen Verhältnis gegeben hat, muss es auch einen Neuanfang im deutsch-polnischen Verhältnis geben.

Es ist spät. Aber nicht zu spät.

Dieser Beitrag wurde am 15.3.2009 um 12.39 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Eigenen Kommentar schreiben
Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können.
Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben
Melden Sie sich hier kostenlos an
Evangelisch in Westfalen und Lippe
Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich).
Karte