Holocaust
Unselige Debatte

Annemarie Heibrock
Manchmal tut Streit richtig gut. Er reinigt die Luft, klärt Standpunkte und hilft, dass man sich hinterher besser versteht.
Das ist in der Familie nicht anders als in der Politik. Ohne Streit keine Demokratie, ohne Streit kein Parlamentarismus. Dennoch gibt es Themen, die sich nicht zum Streiten eignen, auch nicht zum parlamentarischen. Antisemitismus zum Beispiel.
Dass das einige Volksvertreter offenbar nicht begriffen haben, zeigte die unselige Debatte um eine gemeinsame Bundestagserklärung zur Bekämpfung des Antisemitismus vor einigen Tagen. Unselig auch mit Blick auf das bevorstehende Datum.
Am 9. November ist es 70 Jahre her, dass in Deutschland die Syngagogen und jüdischen Geschäfte brannten. Dass Nazi-Schergen ihre eigenen Landsleute überfielen, zusammenschlugen und vertrieben. Dass sich Nachbarn an Nachbarn bereicherten.
Weil wir wissen, dass das nur ein Schritt war auf dem Weg nach Auschwitz, ist parteipolitisches Gezänk bei diesem Thema ganz und gar fehl am Platz. Wenn es um Antisemitismus und Rassismus geht, muss das Signal aller demokratischen Kräfte an die Adresse aller alten und jungen Nazis unmissverständlich lauten: In diesem Land habt ihr mit euren verbrecherischen Ideen keine Chance.
Das sind wir den Opfern des Holocaust schuldig. Und den Jüdinnen und Juden, die heute wieder in unserem Land leben. Wir sind erst auf dem Weg dahin, mit ihnen ein neues Verhältnis aufzubauen, ein friedliches, ein konstruktives Miteinander. Aber die Zeichen stehen gut.
Die drei evangelischen Landeskirchen in NRW jedenfalls ziehen in dieser Sache an einem Strang. Gemeinsam erinnern sie in Gelsenkirchen in einem Gottesdienst an die Opfer der Reichspogromnacht vor 70 Jahren. Und gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden in Westfalen und Lippe wird an zwei Orten eine Ausstellung eröffnet.
Sie heißt: „Du gehst mich an. Juden und Christen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis“.
Dieser Beitrag wurde am 9.11.2008 um 09.34 Uhr veröffentlicht.
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