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Genitalverstümmelung

Toleranz ist fehl am Platz

Annemarie Heibrock

Annemarie Heibrock

Das ist und bleibt ein Skandal: Jahr für Jahr werden rund drei Millionen Mädchen und Frauen Opfer von Genitalverstümmelungen.

Was oftmals beschönigend als Beschneidung bezeichnet wird und damit an Rituale im Judentum und im Islam erinnert, ist ungleich schmerzhafter und ungleich folgenreicher als die Eingriffe, die männliche Angehörige dieser Religionen über sich ergehen lassen müssen.

Unter oft unvorstellbaren hygienischen und medizinischen Bedingungen werden jungen Mädchen ohne Betäubung die Schamlippen und die Klitoris entfernt. Oftmals werden zusätzlich Eingriffe in die Vagina vorgenommen, die anschließend zugenäht wird.

Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass die betroffenen Mädchen und Frauen von dieser Tortur meist lebenslang gezeichnet sind. Eine normale Sexualität bleibt ihnen verwehrt – von den seelischen Folgen ganz zu schweigen.

In mindestens 26 Ländern Afrikas und im Jemen, das jedenfalls sagt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), sind Genitalverstümmelungen verbreitet. Und zwar trotz zumeist gesetzlicher Verbote.

Die WHO schätzt, dass weltweit rund 140 Millionen Frauen an ihren Genitalien beschnitten sind. 140 Millionen. Opfer eines falschen männlichen Ehrbegriffs. Zu jung, um selbst auf ihr Schicksal aufmerksam machen zu können. Zu jung, um sich zu wehren. Und ihre Mütter? Oft ebenso Opfer wie ihre Töchter wagen sie es nicht, in ihren von Männern dominierten Gesellschaften gegen die vermeintlich unverrückbaren Traditionen aufzubegehren.

Leider sind diese Traditionen oftmals so tief verwurzelt, dass auch gesetzliche Verbote gegen sie nichts auszurichten vermögen.

Was aber hilft? Vermutlich nur eines: Aufklärung, Bewusstseinsbildung und Stärkung der Mädchen und Frauen in den Ländern, in denen Genitalverstümmelung praktiziert wird. Es sind die Mütter, die lernen müssen, nein zu sagen, damit ihren Kindern ihr eigenes Schicksal erspart bleibt. Nur ein steter Tropfen höhlt den Stein.

Dabei ist eines klar: Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Traditionen ist gut und wichtig für das Zusammenleben der Menschen und Völker. In der Frage der Genitalverstümmelung aber ist sie fehl am Platz. Körperliche Unversehrtheit ist Teil der Würde des Menschen. Darauf hat jeder Mann, jede Frau und selbstverständlich auch jedes Kind einen Anpruch.

Wer sich daran nicht hält, muss mit Bestrafungen rechnen. In Deutschland und überall in der Welt.

Dieser Beitrag wurde am 11.2.2009 um 09.48 Uhr veröffentlicht.

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