Wege aus der Krise
Staatliche Bankenrettung ist »unerträglich«

Friedhelm Hengsbach
Der katholische Sozialethiker Friedhelm Hengsbach hat die staatlichen Rettungsmaßnahmen für Banken als »unerträglich« kritisiert.
Zugleich formulierte er auf dem mitteldeutschen Kirchentag am Sonntag in Weimar Schwerpunkte für einen Ausweg aus der Finanzkrise. Der gegenwärtige »patriarchalische Kapitalismus« müsse überwunden werden durch eine »demokratische Aneignung des Finanzkapitalismus«, forderte der Wissenschaftler.
Banken kann auch die Insolvenz zugemutet werden
Banken könne durchaus auch ein Insolvenzverfahren zugemutet werden, sagte Hengsbach. Wenn eine Bank »systemrelevant« sei, »ist sie zu groß«. Dann dürfe jedoch nicht die Fusion mit einer anderen Großbank der Ausweg sein, sondern ihre Zerschlagung.
Die gegenwärtige Finanzkrise habe neben einer finanziellen und einer ökologischen auch eine soziale Dimension, stellte der Ethiker weiter fest. Der Staat habe die solidarischen Sicherungssysteme »durchlöchert« und damit gesellschaftliche Risiken »tendenziell individualisiert«.
Mehrheit der Menschen lebt unter ihren Verhältnissen
Die »Entregelung« der Beschäftigungsverhältnisse habe zu prekären Arbeitsverhältnissen mit befristeten Zeitverträgen, Leih- und Zeitarbeit sowie Mini- und Ein-Euro-Jobs geführt. Im Ergebnis lebe die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland unter ihren Verhältnissen. Das Arbeitsvermögen insbesondere junger Menschen werde verschlissen.
Vor diesem Hintergrund plädierte Hengsbach für »eine demokratische Aneignung des Finanzkapitalismus«. Wichtig sei dabei die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze durch einen ökologischen Umbau der Wirtschaft.
Nicht allein auf die Erwerbsarbeit konzentrieren
Überwunden werden müsse auch die Fixierung der Gesellschaft auf die Erwerbsarbeit. Ebenso wichtig und gleichrangig sei die »private Beziehungsarbeit« und das zivilgesellschaftliche Engagement.
Diese drei Arbeitsformen müssten »fair auf beide Geschlechter verteilt« und aus Arbeits- und Kapitaleinkommen sowie auch durch Transferleistungen finanziert werden. epd
Dieser Beitrag wurde am 21.9.2009 um 09.09 Uhr veröffentlicht.
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