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Krise? Welche Krise?

Wolfgang Riewe

Wolfgang Riewe

Die Welt ist aus den Fugen, doch die Leute feiern Karneval. Echte Jecken lassen sich nun mal nicht, von welchen Krisen auch immer, von ihrem Vergnügen abhalten.

„Und geht’s der Wirtschaft noch so schlecht, mir feire Fastnacht, jetzt erst recht“, lautete ein Rosenmontags-Motto. Krise? Welche Krise?

Ja, alles scheint wie immer. Die Straßenbahnen fahren regelmäßig, die Cafés sind rappelvoll, und vor Ikea staut sich schon morgens um zehn der Verkehr. Alles wie immer. Doch ist nichts mehr wie sonst.

Bisher verfolgten die meisten Deutschen die globale Wirtschaftskrise nur aus der Zeitung oder im Fernsehen. Doch inzwischen rückt die Krise den Einzelnen auf den Leib. Von Kurzarbeit und Kündigungen ist die Rede. Und bald schon kann man selbst betroffen sein.

Die globale Wirtschaftskrise ist zu einer ernsten Bedrohung geworden. Es rächt sich nun, dass die Regierungen der Industrieländer die Gestaltung der Globalisierung ausschließlich an den Interessen der Investoren und Manager in Konzernen und Banken ausgerichtet haben.

Also war es höchste Zeit, dass sich die Regierungschefs von 20 Staaten am vergangenen Sonntag in Berlin auf neue Regeln für die Finanzmärkte geeinigt haben. Es ist richtig, dass Steueroasen künftig trockengelegt und der Gier von Managern Einhalt geboten werden soll. Auch müssen so schnell wie möglich internationale Grundsätze über Vergütungssysteme geschaffen werden, die zu exzessiven Risiken verleitende Bonuszahlungen verhindern.

Doch die neuen Regeln können wohl nicht verhindern, dass tausende von Menschen in den nächsten Monaten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Und all die Milliarden, die Politiker jetzt zur Rettung von Banken und Unternehmen einsetzen, beantworten noch nicht die Frage, was der Einzelne jetzt tun soll, um mühsam Erspartes zu retten. Soll man das Geld lieber sparen oder ausgeben? In Gold anlegen oder besser einen Ofen, einen Teppich oder eine Wohnung kaufen?

Vermutlich ist es richtig, jetzt zu investieren, statt allzu viel zu sparen. Investieren in Werte, die unabhängiger machen, von hohen Energiekosten etwa. Falsch ist sicher, einfach die Augen zu verschließen und nichts zu tun. Aber auch das Gegenteil ist gefährlich: in allzu große Panik zu verfallen. Denn auf jede Krise folgt auch wieder ein Aufschwung. Sich gut informieren und ruhig handeln ist derzeit das Einzige, was zu raten möglich ist.

Dieser Beitrag wurde am 1.3.2009 um 10.28 Uhr veröffentlicht.

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