Pro-Reli
Jeder soll wählen können

Wolfgang Riewe
Es ist ein erfreulicher Erfolg, dass die Berliner Initiative „Pro Reli“ bereits vor Ablauf der Frist mehr als 195.000 Unterschriften für einen Volksentscheid beisammen hatte.
Notwendig waren 175.000 Unterschriften. Dieses Ergebnis zeigt, dass erstaunlich vielen Menschen in der oft als „religionslos“ titulierten Hauptstadt daran liegt, dass Religionsunterricht gleichberechtigt zum Ethikunterricht eingeführt wird. Offenbar ärgert es viele, dass Religion an Berliner Schulen bloß eine freiwillige Arbeitsgemeinschaft am Rand des Stundenplans ist.
Nach diesem klaren Bürgervotum sollten beide Seiten nun nach einer einvernehmlichen Lösung suchen. Sonst kommt es am 7. Juni zu einem Volksentscheid. Dies würde die Stimmung weiter hochputschen.
Doch die rot-rote Senatskoalition hat einem Gesprächsangebot eine Absage erteilt. Sie will vom Ethikunterricht nicht abrücken.
Diese Dialogverweigerung ist völlig unverständlich. Sie wirft ein Licht auf das Demokratieverständnis mancher Gruppierungen. Warum sollen junge Menschen nicht selbst wählen können, ob sie in den evangelischen, katholischen, jüdischen oder islamischen Unterricht gehen oder das Fach Ethik wählen?
Religion als ordentliches Unterrichtsfach im Rahmen einer Fächergruppe Ethik/Religion, so wie es die christlich-jüdisch-islamische Kooperation will, ist ein sinnvolles und sachgemäßes Angebot. Es hat sich bewährt, dass er in den meisten Bundesländern von Lehrern erteilt wird, die in Kooperation mit den Religionsgemeinschaften speziell dafür ausgebildet sind.
Ein allein vom Staat verantworteter Unterricht, bei dem nur allgemein über Religionen und Werte informiert wird, würde dagegen blass und unverbindlich bleiben, jedenfalls keine lebendige Vorstellung von Glaubensüberzeugungen und daraus sich ableitenden ethischen Haltungen vermitteln können.
Doch die Gegner eines gleichberechtigten Religionsunterrichts malen gern die Gefahr einer Indoktrination an die Wand. Hätten sie selbst einmal einen solchen Unterricht besucht, wüssten sie, wie unsinnig dieser Vorwurf ist.
Auch trifft es nicht zu, dass allein der Ethikunterricht neutral und integrativ ist. Im Gegenteil. In Berlin behindert er sogar den Weg zu einem eigenen jüdischen und muslimischen Unterricht.
Die weltanschauliche Neutralität des Staates gebietet es, nicht parteiisch zu sein, sondern den Schülern die freie Wahl zwischen gleichberechtigten Angeboten der Religionsgemeinschaften einzuräumen.
Dieser Beitrag wurde am 25.1.2009 um 11.38 Uhr veröffentlicht.
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