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Großmoschee

Dialog heißt: Ängste zulassen

Gerd-Matthias Hoeffchen

Gerd-Matthias Hoeffchen

Sie nennen es das „Wunder von Marxloh“. Tatsächlich ist das einvernehmliche Zustandekommen der Eröffnung von Deutschlands größter Moschee im Duisburger Arbeiterstadtteil Marxloh eine erstaunliche Leistung.

Und zwar von beiden Seiten, türkischer Gemeinde und alteingesessenen Anwohnern: keine Krawalle. Keine Proteste – anders als etwa beim geplanten Bau der Groß-Moschee in Köln. Große Offenheit der türkischen Gemeinde. Große Beteiligung der nichttürkischen Nachbarschaft.

Es ist gut, wenn damit gezeigt wird, wie ernst und wichtig in Deutschland die Religionsfreiheit genommen wird. Und das Recht auf kulturelle Eigenständigkeit. Jeder darf seine Religion, seine Weltanschauung, seine Kultur leben. Solange dadurch nicht andere grundlegende Menschenrechte verletzt werden.

Und es ist gut, wenn eine türkische Gemeinde zeigt, dass sie beim Praktizieren von Religion und Kultur bereit ist, sich auf die Umgebung einzulassen. In Duisburg-Marxloh, so beteuern alle Beteiligten, ist dieser grundsätzliche Wille zum Miteinander vorhanden.

Man möchte ihnen glauben. Es wäre in der Tat ein Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft in Sachen „gelingende Integration“.

Umso mehr kommt es jetzt darauf an, weiter an diesem Miteinander zu arbeiten. Es hat keinen Zweck, sich die bessere Zukunft nur zu wünschen, zu erträumen – und dabei die Augen zu verschließen.

Nein, die Augen müssen hellwach geöffnet bleiben. Genau hinsehen, was dort in der Gemeinde und in der Moschee passiert. Und die türkische Gemeinde muss das weiterhin zulassen, ja sollte geradezu dazu einladen: Kommt her zu uns! Macht euch ein Bild davon, was hier geschieht! Sprecht mit uns.

Es gibt nach wie vor Misstrauen und Ängste. Nicht jeder wird sie so freimütig äußern wie der Schriftsteller Ralph Giordano, der im Blick auf Deutschland vor einer systematischen Eroberungspolitik des türkischen Staats warnt. Aber diese Ängste sind verbreitet. Und sie müssen ernst genommen werden, soll die Integration doch noch gelingen.

Denn das kann man von Marxloh lernen: Es geht gemeinsam nur dann weiter, wenn Offenheit zugelassen wird. Dialog jetzt! Das heißt: Man muss sich aneinander reiben dürfen. Ängste, Befürchtungen zu Wort kommen lassen. Geduldig zuhören. Nichts übers Knie brechen.

Marxloh ist noch nicht der Beweis, dass es klappt. Aber vielleicht der Startschuss auf dem Weg dorthin.

Dieser Beitrag wurde am 31.10.2008 um 08.34 Uhr veröffentlicht.

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