Kommentar: Kirchliche Appelle
»Avanti!« Kirche muss schneller Stellung beziehen

»Avanti, per favore!«, meint unsere Kommentatorin Katrin Zehetgruber. Foto: gmh
»Ethisch hinnehmbar«. »Begrenzt zulässig«. »Ethisch nicht geboten«. »Geboten, wenn vom Patienten verfügt.«
So lassen sich die Antworten des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider auf den Krieg in Afghanistan, die PID, aktive und passive Sterbehilfe zusammenfassen. Wer es etwas ausführlicher mag, dem seien die EKD Denkschriften empfohlen, die sich auf solche und ähnliche Themenkomplexe spezialisiert haben und sich mit ihnen aus theologisch-ethischer Sicht befassen.
Der EKD vorzuwerfen, sie würde keine klare Stellung in ethischen Fragestellungen beziehen und Menschen mit diesen schwierigen Entscheidungen alleine lassen, trifft also nicht zu.
Oder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Der Inhalt der Aussagen ist nicht das Problem. Vielmehr geht es um die Zeit, die teilweise bis es zu einer deutlichen Stellungnahme verstreicht. In dieser Zeit müssen Soldaten kämpfen und töten, Paare verzweifelte Entscheidungen treffen, Patienten sich zusammen mit dem medizinischen Fachpersonal und Verwandten durch Grauzonen tasten. In dieser Zeit waren sie alleine mit der Frage: »Ist das eigentlich richtig, was ich hier tue?“«
Natürlich gibt es als Ansprechpartner auch noch den Pfarrer und die Pfarrerin vor Ort. Selbst in Afghanistan. Nur bin ich mir sicher, dass diese sich ebenfalls über fundierte und zeitnahe Handreichungen der EKD freuen.
Orientierungshilfe braucht jeder. Das gilt natürlich auch für die Gremien innerhalb der EKD. Mir ist bewusst, dass eine fundierte Antwort Zeit benötigt und die sich verändernden Rahmenbedingungen berücksichtigen muss. Dennoch hoffe ich, einen Appell formulieren zu dürfen: Ein Berater in Zeit- und Ewigkeitsfragen zeichnet sich nicht nur durch einen scharfen Verstand und ein weites Herz aus, sondern gerade dadurch, dass er in Zeiten der Ratlosigkeit beides in den Dienst einer kompetenten Orientierungshilfe stellt.
Von daher: »Avanti per favore!«
Dieser Beitrag wurde am 11.3.2011 um 17.24 Uhr veröffentlicht.
| Die Autorin des Kommentars |
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Katrin Zehetgruber, 25 Jahre alt, studiert Evangelische Theologie, und leistet zurzeit ein Praktikum in der Pressestelle der Evangelischen Kirche von Westfalen. Einen Tag lang hat sie dabei auch in der UK-Redaktion vorbeigeschaut. |
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