Koranverbrennung
Alle in einen Topf
Zur Koranverbrennung und den darauf folgenden gewalttätigen Protest-Exzessen in Afghanistan ein Kommentar von Harald Rohr.
Was geht mich dieser monströse Prediger an? Es würde mich sehr erleichtern, ich könnte sagen: »Nichts!« Die USA sind bekanntermaßen auch im Blick auf Mutationen des Christentums ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Jeder darf eine Kirche aufmachen, sich Pastor nennen und gegebenenfalls auch Unheil verkünden – bis der Staatsanwalt kommt.
Was geht mich dies theologische Monster an, das da auf unheiligem Ego-Trip das Heilige Buch der Muslime verbrennen musste – um den Preis nicht weniger Menschenleben bei den anschließenden Protest-Exzessen in Afghanistan?
Hätte ich mir vor zehn Jahren darüber Rechenschaft geben müssen, ich hätte mich wohl irgendwie heraus argumentiert. Damals lebte ich noch im Ruhrgebiet, im Revier von Großkirchen, die eine klare Mehrheit der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählen. Sekten waren da Sekten, einige mit schlechtem Ruf. Sich nötigenfalls zu distanzieren, fiel nicht allzu schwer.
Heute, in Magdeburg, gehöre ich als aktiver evangelischer Christ zu einer kleinen Minderheit im FDP-Format - »Kernland der Reformation« hin oder her. Menschen und Medien um uns herum schmeißen uns alle in einen Topf: Kirchen aller Konfessionen, Sekten, auch alle, deren Herz an anderen Offenbarungen hängt, wie z.B. dem Koran. Meine Mitbürger, auch die überaus Liebenswerten, sind je auf ihre Art Gott los geworden und schauen verwirrt oder aus gegebenem Anlass auch verärgert auf die Religiösen – auf den Unfrieden, der von ihnen ausgeht.
Mangelnde Erfahrung, fehlende Grundkenntnisse machen dann auch den Koran-Verbrenner zu einem der Unseren und vertiefen den Graben zwischen der Mehrheits-Gesellschaft und uns Christinnen und Christen.
Nein, der Brandstifter aus Florida, mit Deutschland-Vergangenheit übrigens, geht mich an, ob ich will oder nicht. Auf den Zorn Jesu kann der sich natürlich nicht berufen. Jesus konnte außer Fassung geraten, wenn es um Unrecht an den Kindern ging, oder um den Mammon. Zwischen verschiedenen Gotteserfahrungen aber hat er Brücken gebaut und nicht Hass gesät.
Und die weltliche Rechtsordnung? Gotteslästerung ist ein Straftatbestand, mit dem ich wenig anfangen kann. Aber Menschen vorsätzlich aufeinander zu hetzen, das darf keine Rechtsordnung dulden.
Dieser Beitrag wurde am 5.4.2011 um 13.20 Uhr veröffentlicht.
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