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Entwicklungsorganisationen bedauern Köhlers Rücktritt

»Mit dem Präsidenten von Ghana getanzt«

Horst Köhler

Horst Köhler

Mit Überraschung, Bedauern und Respekt haben Entwicklungsorganisationen auf den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler reagiert.

Die kirchlichen Hilfswerke Evangelischer Entwicklungsdienst und Misereor würdigten besonders Köhlers Einsatz für Afrika, Klimaschutz und weltweite Gerechtigkeit. »Köhler hat sogar mit dem Präsidenten von Ghana getanzt«, sagte der Vorsitzende des Verbandes Entwicklungspolitik (VENRO), Ulrich Post.

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer, würdigte Köhler als Persönlichkeit, die über den Parteien stehend das Weltgemeinwohl befördern wollte. Der Bundespräsident habe den Mut gehabt, Unbequemes zu sagen und den Finger in die Wunde zu legen, sagte Sayer. »Hier muss mehr Gerechtigkeit entstehen«, habe Köhler stets betont.

Köhler habe mit afrikanischen Bischöfen auf eine sehr beeindruckende Art über Afrikas Probleme, Korruption und Armutsbekämpfung gesprochen. Und er habe gesagt, dass sich die westlichen Unternehmen auf der Jagd nach Rohstoffen in Afrika nicht vom viel kritisierten China unterschieden.

Auch die Deutsche Welthungerhilfe, die mit Köhler einen Schirmherrn verliert, würdigte sein Engagement für die Armen in der Welt. »Er hat den Deutschen die Probleme aber auch die Chancen und Potenziale der Länder des Südens eindringlich nahe gebracht,« sagte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Jamann am Montag in Bonn.

Der Verband Entwicklungspolitik lobt besonders Köhlers Inititative »Partnerschaft mit Afrika«. Dies sei der Versuch gewesen, einen echten Dialog auf Augenhöhe zu führen, mit afrikanischen Politikern, aber auch mit kritischen Intellektuellen aus Afrika, sagte VENRO-Vorsitzender Post, der mehr als 100 private und kirchliche Hilfswerke vertritt.

»Köhler hat das Thema Entwicklungspolitik aus der Helfer-Ecke herausgebracht und ernst genommen.«

Im Umgang mit Afrika habe sich auch der Bundespräsident selbst verändert. »Er ist viel kritischer geworden«, sagte Post.

Rudolf Ficker, Vorstandsmitglied des Evangelischen Entwicklungsdienstes, bekundete, er werde Köhlers Engagement für die Entwicklungspolitik und Afrika vermissen. »Aber ich hoffe, dass Horst Köhler dieses Engagement in anderer Art und Weise fortführen wird«, sagte Ficker.

Auch die beiden großen Kirchen in Deutschland haben mit großem Bedauern auf den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler reagiert.

Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, sagte, Köhler sei im besten Sinne ein öffentlicher Protestant gewesen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte, er empfinde den Rücktritt persönlich als »herben Verlust«.

Köhler habe die politische Verantwortung für das Wohl aller Menschen aus seinem christlichen Glauben heraus wahrgenommen, erklärte Schneider.

Der Bundespräsident habe sich in seiner Amtszeit um Deutschland und um das an Nächstenliebe und Gerechtigkeit orientierte Zusammenleben der Völker verdient gemacht.

Schneider forderte zugleich eine gesellschaftliche Debatte, in der es um die Balance zwischen dem notwendigen Respekt vor dem höchsten Amt des Staates und der an Sachfragen orientierten Kritik gehen müsse.

Zollitsch sagte, Köhler habe viel für Deutschland geleistet. Er sei eine Persönlichkeit mit hohem Vorbildcharakter, allgemeiner Anerkennung in der Öffentlichkeit und einem besonderen Interesse für die christlichen Kirchen.

Auch der Bevollmächtigte der evangelischen Kirche bei der Bundesregierung, Prälat Bernhard Felmberg, betonte, die EKD habe in Köhler einen der Kirche zugewandten Ansprechpartner gehabt, der im ökumenischen Miteinander der Kirchen in Deutschland ein starkes Zukunfts- und Hoffnungspotential erkannt und gesehen habe.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, sagte, Köhler sei ein unabhängiger Anwalt der Menschen gewesen und habe deswegen auch große Zustimmung in der Bevölkerung erfahren.

»Horst Köhler wird Deutschland mit seiner unprätentiösen Art als glaubwürdiger und Gegensätze überbrückender Repräsentant fehlen.«

Mit Bedauern reagierten auch die baden-württembergischen evangelischen Landesbischöfe auf den Rücktritt.

Köhler habe mit seiner Integrität und Wahrhaftigkeit Maßstäbe gesetzt, erklärte Württembergs Bischof Frank Otfried July. Der badische Landesbischof Ulrich Fischer nannte Köhler einen Politiker mit hoher Integrität und Menschennähe.

Köhler habe auch wesentliche Impulse für die evangelische Kirche gegeben. Der katholische Hamburger Erzbischof Werner Thissen betonte, er sei Köhler vor allem dankbar dafür, dass er sich immer für die Menschen in den armen Ländern der Erde eingesetzt habe.

Bundespräsident Horst Köhler hatte am Nachmittag in Berlin seinen Rücktritt vom Präsidentenamt erklärt.

Seine Entscheidung begründete er mit der Kritik an seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Es ist das erste Mal, dass ein deutscher Bundespräsident während seiner Amtszeit zurücktritt. epd

Dieser Beitrag wurde am 1.6.2010 um 09.25 Uhr veröffentlicht.

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