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Afghanistan

Militärbischof warnt vor sofortigem Truppenabzug

<b>Militärbischof</b> und Landessuperintendent Martin Dutzmann. Foto: Uwe Rottkamp

Militärbischof und Landessuperintendent Martin Dutzmann. Foto: Uwe Rottkamp

Der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, hat erneut vor einem sofortigen Abzug der internationalen Streitkräfte aus Afghanistan gewarnt.

»Wer meint, dass dann in Afghanistan unverzüglich Frieden ist, der dürfte sich irren«, sagte Dutzmann laut Redetext auf dem Männersonntag der evangelischen Kirche in Essen. Ein sofortiger Abzug dürfte auch all jene Afghanen massiv gefährden, die der internationalen Gemeinschaft vertrauten und mit ihr zusammenarbeiteten.

»Wer für sich in Anspruch nimmt, eine ethisch begründete Entscheidung zu treffen, müsste auch das sehen und verantworten«, sagte der Theologe.

Dutzmann bekräftigte die gemeinsam mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider und dem Friedensbeauftragten Renke Brahms vorgetragene Anregung, dass der Bundestag neben militärischen Einsätzen der Bundeswehr auch zivile Einsätze in Krisengebieten mandatieren sollte.

So würde von vornherein deutlich, dass die unterschiedlichen Maßnahmen nur im Zusammenhang sinnvoll sind.

Ein Einsatz könnte umfassend als Ganzes evaluiert werden, sagte Dutzmann, der auch Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche ist.

Der Theologe räumte ein, dass eine friedensethische Bewertung des Militäreinsatzes in Afghanistan schwierig sei. 2007 habe die EKD in einer Friedensdenkschrift Voraussetzungen formuliert, unter denen sie den Gebrauch von »rechtserhaltender Gewalt« für ethisch vertretbar hält.

Diese Voraussetzungen, die die Anwendung von Gegengewalt erlaubten, seien in Afghanistan zum Teil eindeutig gegeben.

Dazu zählten seiner Ansicht nach die massiven Menschenrechtsverletzungen durch Aufständische und Al Kaida und das schwere Leiden der afghanischen Bevölkerung, sagte Dutzmann.

Zudem sei der internationale Militäreinsatz durch die UN-Resolutionen ab 2001 und die Bundestagsmandate für die Bundeswehr ab 2002 autorisiert.

Allerdings bestehe die Gefahr eines schleichenden Übergangs von der Friedenssicherung zu eigener militärischer Aggression, mahnte Dutzmann.

Auch bestehe die Gefahr, dass das angestrebte Ziel der Verbesserung der Lage für die Bevölkerung zu einem allein taktischen Ziel des Sieges über die Aufständischen herabgestuft werde.

Dutzmann räumte ein, dass zehn Jahre nach dem Beginn des Nato-Einsatzes durch die offensivere Strategie der Einsatz für Soldaten wesentlich gefährlicher geworden sei.

Andererseits gebe es erste Erfolge beim zivilen Aufbau, sagte er. Es gebe Hoffnung für Afghanistan, aber Hoffnung auf dünnem Eis. epd

Dieser Beitrag wurde am 17.10.2011 um 08.29 Uhr veröffentlicht.

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