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Afghanistan

Militärbischof betont Vorrang zivilen Engagements

Militärbischof Martin Dutzmann

Militärbischof Martin Dutzmann

In der anhaltenden Debatte um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan hat der evangelische Militärbischof Martin Dutzmann erneut den Vorrang eines zivilen vor einem militärischen Engagement betont.

»Dies entspricht der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und meiner Linie und wird auch von der Bundeswehr gut aufgenommen«, sagte Dutzmann dem epd in Detmold. Eben diese Position, dass zivile Mittel Vorrang haben sollten, sei von der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann in ihrer teils scharf kritisierten Neujahrspredigt betont worden.

Schwerpunktsetzung nicht erkennbar

Dutzmann sagte, Käßmann, die dies auch um der Soldaten willen äußere, vermisse diese Schwerpunktsetzung in der aktuellen politischen Debatte. »Und dem kann ich mich nur anschließen«, betonte der Militärbischof, der auch Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche ist.

Dutzmann forderte, dass der Bundestag nicht nur ein Mandat für Soldaten, sondern ein Gesamtkonzept eines deutschen Engagements in Afghanistan beschließen solle. Ein solches Konzept sollte Schnittstellen zu zivilen Einsätzen enthalten.


Stärker auf die politische Debatte konzentrieren

Mit Blick auf die Afghanistan-Konferenz am 28. Januar in London wünsche er sich eine stärkere Konzentration der politischen Debatte auf die Position der Bundesregierung als auf die Äußerungen der EKD-Ratsvorsitzenden, sagte Dutzmann.

Sätze aus Käßmanns Predigt seien aus dem Zusammenhang gerissen worden, und daher sei die Bischöfin missverstanden worden.


Kritik von konservativen Christen

Unterdessen kritisierte die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in Deutschland die Äußerungen der EKD-Ratsvorsitzenden zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

»Wenn Repräsentanten der Kirche ihre politische Privatmeinung theologisch-religiös überhöhen und verabsolutieren, ist das für viele Christen schlichtweg nicht hinnehmbar und ärgerlich«, erklärte der Vorsitzende der Konferenz, Pastor Ulrich Rüß, in Hamburg.


»Kein Mandat für alle evangelischen Christen«

Da die EKD keine Kirche sei, sondern lediglich ein Dachverband verschiedener Landeskirchen, habe Käßmann »kein Mandat, für die evangelischen Christen in Deutschland insgesamt zu sprechen«, sagte Rüß.

Die Debatte um den Afghanistan-Einsatz war durch die Neujahrspredigt Käßmanns in der Dresdner Frauenkirche neu entfacht worden. Am Montag will sie sich mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) treffen.

Der Berliner Publizist Ernst Elitz erklärte: »Mit Widerspruch wird die Bischöfin gerechnet haben.« Sie habe diesen provoziert, »und das kann einer offenen Auseinandersetzung nur dienlich sein«, schreibt Belitz.

Er kenne keine praxisbewährte theologische Antwort auf die Frage, »wie man mit Terroristen umgeht und das eigene wie das Leben anderer wirksam vor ihnen schützt«.

Elitz, Jahrgang 1941, leitete das Deutschlandradio von 1994 bis 2009. epd

Dieser Beitrag wurde am 8.1.2010 um 14.57 Uhr veröffentlicht.

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