Empfehlung des Wissenschaftsrats
Imam-Ausbildung in Deutschland rückt näher

Imame sollen künftig auch an deutschen Universitäten ausgebildet werden. Der Verband Ditib hält das für überflüssig. Foto: Archiv
Die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrern an deutschen Hochschulen rückt näher.
Eine entsprechende Empfehlung des Wissenschaftsrates stieß in der Politik sowie bei Vertretern der Muslime auf Zustimmung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte der »Welt am Sonntag«, die Ausbildung islamischer Religionslehrer sowie von Islamwissenschaftlern gehöre zu einer überzeugenden Integrationspolitik in modernen Gesellschaften.
Der Wissenschaftsrat als wichtigstes bildungspolitisches Beratergremium von Bund und Ländern hatte dazu geraten, Islamische Theologie an zwei bis drei deutschen Hochschulstandorten zu konzentrieren.
Dort sollten neben Lehrkräften für den islamischen Religionsunterricht auch islamische Religionsgelehrte, Fachpersonal für Sozial- und Gemeindearbeit sowie wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet werden.
Bisher sind an deutschen Hochschulen noch keine theologisch ausgerichteten Islamischen Studien etabliert, an einigen Orten gibt es islamische Religionspädagogik. Die Universität Frankfurt hatte kürzlich angekündigt, dass sie ein Fach Islamische Theologie einrichten will.
Der Vorsitzende des Islamrats in Deutschland, Ali Kizilkaya, signalisierte Bereitschaft zur Mitarbeit.
Seine Organisation habe großes Interesse an Imamen, die in Deutschland ausgebildet wurden: »Sie kennen die Verhältnisse und die Menschen hier besser.«
Bekir Alboga, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, hingegen sagte, für den Verband DITIB sehe er keinen Bedarf an in Deutschland ausgebildeten Imamen. DITIB ist der größte Zusammenschluss deutscher Moscheegemeinden und eng mit dem türkischen Staat verbunden.
»Es ist nicht gut für die Integration, wenn Imame nur aus dem Ausland kommen«, erklärte Volker Beck, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, in Berlin. Sie könnten als Geistliche ihrer Gemeinde in Deutschland nicht ausreichend Orientierung geben.
Für die Hochschulausbildung von Geistlichen und Religionslehrern brauche der Staat aber auf Dauer anerkannte islamische Religionsgemeinschaften als Partner, mit denen die Lehrinhalte auszuhandeln wären.
Die Islamkonferenz sollte nach Ansicht Becks einen Fahrplan zur Gleichstellung des Islam in Deutschland entwickeln. Dabei müsse eine »organisatorische Einheit« von Glaubensvorstellungen, Gläubigen und Glaubensgemeinschaft geschaffen werden.
Eine bloße Vertretung der Muslime wie der Koordinationsrat erfülle diese Voraussetzung ebenso wenig wie die vorhandenen islamischen Vereine.
Der Wissenschaftsrat schlägt die Bildung von theologisch kompetenten Beiräten für Islamische Studien an den entsprechenden Universitäten vor.
Da der Staat keine Inhalte für die theologische Wissenschaft bestimmen kann, ist in den Länderverfassungen ein Mitwirkungsrecht der Kirchen und Religionsgemeinschaften bei den Lehrinhalten sowie der Berufung von Lehrpersonal festgelegt. epd
Dieser Beitrag wurde am 31.1.2010 um 11.48 Uhr veröffentlicht.
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