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Freitag, 27.05.2016
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Diakonie startet Kampagne

Diakonischer Nachwuchs gesucht!

Foto: Foto: v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Foto: Foto: v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel

Mit dem Slogan „Wir sind mehr als 1000“ machen die diakonischen Gemeinschaften in Westfalen auf sich aufmerksam. Sie meinen: Das Diakonenamt ist unverzichtbar für die Kirche.

Rund 1200 Diakoninnen und Diakone gibt es im Bereich der westfälischen Landeskirche. Sie arbeiten in verschiedenen sozialen Bereichen von der Pflege über die Arbeit mit sozial Benachteiligten bis hin zur Kinder- und Jugendarbeit in Gemeinden und gehören gleichzeitig einer diakonischen Gemeinschaft an.

„Diakoninnen und Diakone nehmen den diakonischen Auftrag (der Kirche) in Sozial- und Bildungsarbeit, in pflegerischen und erzieherischen Tätigkeiten sowie in Verkündigung, Seelsorge und Beratung wahr“, heißt es in der Kirchenordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Um dieses Amt zu stärken und für Nachwuchs zu werben, haben sich jetzt die drei Träger Diakonischer Ausbildungsstätten und Gemeinschaften in Westfalen zum Aktionsbündnis „Wir sind mehr als 1000 – Diakoninnen und Diakone in Westfalen“ zusammengeschlossen: die Stiftung Nazareth in Bielefeld-Bethel, die Diakonische Stiftung Wittekindshof und das Martineum in Witten.

Die Diakonen-Ausbildung hat sich über die Jahre verändert.

Die meisten angehenden Diakone und Diakoninnen in Westfalen absolvieren inzwischen ein Fachhochschulstudium mit Bachelor-Abschluss in Bielefeld-Bethel oder Bochum. Während früher die geistlich-theologischen Kompetenzen in Jahreskursen gelehrt wurden, sind sie jetzt als Module in das Studium eingebettet und von Mentoren begleitet.

Eine zweite Möglichkeit ist das berufsbegleitende Ausbildungsangebot zur Diakonin oder zum Diakon. leg

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„Ich kann Auskunft geben über meinen Glauben“

Als 51-Jähriger noch der coole Berufsjugendliche mit langen Haaren und Gitarre? „Sicher nicht“, sagt Diakon Burkhard Leich lachend. Er versteht sich in der Kinder- und Jugendarbeit des Kirchenkreises Herford eher als Animateur und Gemeindemanager, der unter anderem Ressourcen auftut und Netzwerke pflegt.

<b>Burkhard Leich.</b> Foto: privat

Burkhard Leich. Foto: privat

Zum Beispiel, wenn es um das jährliche Musical-Projekt „Hits and Kids“ geht, das er gemeinsam mit seinem Kollegen und Diakonen-Bruder Jürgen Elmers in den Herbstferien auf die Beine stellt. „Als Vorbild werde ich natürlich auch wahrgenommen“, sagt Leich.

Als Kind in Bethel aufgewachsen, hat Burkhard Leich hat den Diakonen-Beruf schon früh kennengelernt.

Auch sein Opa war Diakon – „so, wie das früher war, mit einem Dienstzimmer, von dem aus er nachts 48 Jungs überwachen musste“, erzählt er. Während seines Zivildienstes in einer Behindertenwerkstatt hatte Leich häufig Kontakt mit Diakonen. So wuchs der Wunsch, diesen besonderen Beruf zu seinem zu machen.

Die Ausbildung an der Westfälischen Diakonenschule Nazareth-Bethel fand unter anderem in den Bereichen Behindertenhilfe, Gerontopsychiatrie und Nichtsesshaftenhilfe statt.

Aber für Leich war früh klar, dass er in die Kinder- und Jugendarbeit wollte. Klar war auch, dass er sein Hobby Rock- und Popmusik mit einbringen wollte in diese Arbeit. So bildete er sich ständig weiter fort, studierte berufsbegleitend Sozialpädagogik an der Uni Bielefeld und Musikpädagogik an der Musikakademie Remscheid.

Neben den Musical-Projekten leitet er heute ein großes Haus der Offenen Tür, das „HOTT“ des CVJM in Herford.

Das Spezielle am Diakonenberuf? „Einer meiner Lehrer hat es so formuliert: ,Ich bin auf meine Haltung professionell anzusprechen.‘“, sagt Leich. „Das leuchtet mir ein.“ Heißt für ihn: „Ich glaube an Jesus Christus, und ich kann darüber Auskunft geben, wie sich das auf meinen Alltag und mein Handeln auswirkt.“

Und der Diakonen-Beruf heute?

„Sicher kann ich noch dazu raten“, sagt Burkhard Leich. „Man muss sich allerdings klarmachen, dass es schwieriger geworden ist, das Arbeitsfeld zu wechseln.“ Die besten Chancen für die Kirche sieht er in der Teamarbeit, gemeinsam mit Pfarrerinnen und Pfarrern und all den anderen kirchlichen Berufsgruppen. „Wir werden in Zukunft pragmatisch denken und Aufgaben neu verteilen müssen“, ist er überzeugt. leg
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„Die Theologie hilft mir bei existenziellen Fragen“

„Im Altenheim habe ich mein Thema gefunden“, sagt Diakonin Anna Scheilke: „Einen Lebensabschnitt zu einem guten Ende bringen – dabei möchte ich die Menschen begleiten.“

<b>Anna Scheilke.</b> Foto: privat

Anna Scheilke. Foto: privat

Inzwischen ist die 40-Jährige vom Sozialdienst eines Altenheims in die ambulante Hospizarbeit im Bielefelder Süden gewechselt. Hier koordiniert sie die Begleitung von Menschen, die zuhause sterben möchten, führt Beratungsgespräche und schult Ehrenamtliche. Auch als Seelsorgerin ist sie gefragt, sowohl bei Ehrenamtlichen wie auch häufig bei den Angehörigen der Sterbenden. „Dabei finde ich den geistlichen Aspekt meiner Diakonen-Ausbildung sehr hilfreich“, sagt Scheilke.

Sie empfindet das als eine Leitschnur für das Sterbenlassen.

„Ich habe das Gefühl, dass ich eine tiefere Ebene zur Verfügung habe, wenn es im Sterben um existenzielle Fragen wie Schuld und Vergebung geht – oder auch um die Frage: Wo geht es hin nach dem Tod?“

Auch Anna Scheilke hatte einen Opa, der Diakon war. „Mich hat aber als Kind vor allem der Ort Bethel fasziniert“, erzählt sie. „Da gab es diese besonderen Häuser und sogar eigenes Geld.“ So absolvierte sie nach dem Abitur dort zunächst ein Freiwillig-soziales Jahr.

In dieser Zeit hatte sie Kontakt zu weiteren Diakoninnen und Diakonen und entschied sich schließlich für diesen Berufsweg.

„Die Kombination aus Theologie und sozialer Arbeit finde ich genial“, so Scheilke. „Zum Beispiel, um zu reflektieren, woher mein Impuls zu helfen eigentlich kommt.“

Außerdem war der Gedanke, in einer Gemeinschaft zu lernen und zu arbeiten, für Scheilke überzeugend. „Damals wohnten wir als Kurs im ersten Ausbildungsjahr noch zusammen im Wohnheim“, erzählt sie. „Wir konnten ganz viel diskutieren und ausprobieren, auch wenn es um unsere persönliche Frömmigkeit ging.“

Durch den engen Zusammenhalt, der so entstand, hätten ihre Jahrgänge einen engen Bezug zur Nazareth-Gemeinschaft entwickelt.

„Wieviel das wert ist, merkt man erst im Laufe des Berufslebens“, meint sie. Nach wie vor findet sie den Gedanken faszinierend, einer Gemeinschaft anzugehören, in der Generationen von Menschen aus dem gleichen Berufsfeld versammelt sind und die sich auf den gleichen Grund, Jesus Christus, berufen.

Die Diakonen-Ausbildung hat sich inzwischen verändert.

Das Zusammenleben, wie Scheilke es noch kennengelernt hat, gibt es nicht mehr; die angehenden Diakoninnen und Diakone studieren an der Fachhochschule der Diakonie in Bethel sowohl soziale als auch theologische Module. „Wir müssen nach neuen Wegen suchen, auch diese Kurse in die Gemeinschaft einzubinden“, sagt Scheilke – zum Beispiel durch Patenschaften, die Diakone im Beruf für die Studierenden übernehmen. leg

Dieser Beitrag wurde am 21.3.2016 um 10.46 Uhr veröffentlicht.

Infos

  • Zur Stiftung Nazareth (Bielefeld-Bethel) im Verbund der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gehören die Diakonische Gemeinschaft Nazareth sowie die Evangelische Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde. Hier können berufsbegleitende Ausbildungsangebote zur Diakonin/zum Diakon absolviert werden. Darüber hinaus ist die Stiftung Nazareth Hauptgesellschafterin der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld-Bethel. Hier kann über den Studiengang „Diakonie im Sozialraum“ ein Bachelor in sozialer Arbeit und der Abschluss als Diakonin/Diakon erreicht werden.
  • Zur Diakonischen Stiftung Wittekindshof (Bad Oeynhausen) gehören die Brüder- und Schwesternschaft des Wittekindshofs und die Diakonenschule. Hier wird eine zweijährige Ausbildung zur Diakonin/zum Diakon angeboten. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof ist ebenfalls Gesellschafterin der Fachhochschule der Diakonie.
  • Zum Martineum e. V. (Witten) gehören die Gemeinschaft evangelischer Diakoninnen und Diakone des Martineums sowie die Bildungsstätte für Kirche und Diakonie. Das Martineum kooperiert mit der Evangelischen Fachhochschule Bochum und bietet für die Fächer „Soziale Arbeit“ und „Religionspädagogik und Diakonie“ die Möglichkeit der Erlangung der Einsegnungsfähigkeit.
  • Alle Informationen auf einen Blick: www.wirsind1000.nazareth.de

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