Geld und Profis reichen nicht
Auch Nachbarn sollten Demenzkranken beistehen

Mit Geld und professioneller Pflege allein kann das Problem der zunehmenden Menschen mit Demenz nicht gelöst werden. Foto: N-Media-Images
Das Problem der steigenden Zahl Demenzkranker ist nach Ansicht des Soziologen und Theologen Reimer Gronemeyer nicht allein mit Geld und professioneller Pflege zu lösen.
Die Krankheit habe einen bedeutenden sozialen Aspekt, der bürgerschaftliches Engagement herausfordere, sagte der Vorsitzende der Aktion Demenz in den Diakonie-Kliniken Kassel. »Die Zukunft Europas hängt nicht vom Euro-Rettungsschirm ab, sondern ob wir für diese Frage eine humane Antwort finden.«
In Deutschland seien derzeit 1,2 Millionen Menschen an Demenz erkrankt, erläuterte Gronemeyer.
Rechne man die betroffenen Angehörigen dazu, komme man auf rund acht Millionen Menschen, die direkt und indirekt unter der Krankheit litten. »Wir müssen unsere sozialen Kräfte entfalten, damit das Ding nicht aus den Fugen gerät«, sagte er und rief zu mehr Nachbarschaftshilfe auf.
So wäre vielen betroffenen Familien schon allein dadurch geholfen, wenn Nachbarn für ein paar Stunden pro Woche die Betreuung von Erkrankten übernähmen.
Gronemeyer wies ferner darauf hin, dass in den kommenden 20 Jahren nicht mit medizinischen Erfolgen im Kampf gegen die Krankheit zu rechnen sei. Man könne auch nicht vorhersagen, wer die Krankheit einmal bekommen werde und wer nicht.
Untersuchungen hätten aber gezeigt, dass der Verlauf der Krankheit stark vom Ausmaß der sozialen Einbindung abhänge.
Bei allein lebenden Menschen ohne soziale Kontakte schreite sie deutlich schneller voran als bei Menschen, die in einem intakten sozialen Umfeld lebten. epd
Dieser Beitrag wurde am 2.2.2012 um 11.03 Uhr veröffentlicht.
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