Bedarf steigt weiter
Arbeitgeber wollen Pflegekräfte aus Indien holen

Der Fachkräftemangel wächst: Müssen künftig vermehrt Arbeitskräfte aus China oder Indien »importiert« werden? Foto: N-Media-Images
Die Arbeitgeber in der Pflege wollen Fachkräfte aus Indien und China nach Deutschland holen.
Angesichts des hohen Bedarfs in den kommenden Jahren werde es nicht genug Pflegekräfte aus dem Inland und den EU-Ländern geben, sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes Pflege, Thomas Greiner. Denkbar sei auch, in Spanien und Griechenland um Ausbildungswillige zu werben, wo unter den jungen Leuten eine hohe Arbeitslosigkeit herrsche.
Das Rheinisch Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat im Auftrag des Arbeitgeberverbandes Pflege ermittelt, dass bis 2020 in den Heimen und Pflegediensten zusätzlich 175.000 Mitarbeiter gebraucht werden, davon 75.000 ausgebildete Pflegekräfte.
In den zehn Jahren von 1999 bis 2009 sind in privaten und gemeinnützigen Pflegeinrichtungen 160.000 neue Arbeitsplätze entstanden, davon 90.000 für Pflegefachkräfte.
Greiner sagte, es gehe nicht darum, angesichts der steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen »Horrorszenarien« zu zeichnen, sondern die Herausforderungen anzunehmen.
Entscheidend sei, dass die häufig exzellenten Ausbildungen aus anderen Ländern in Deutschland schnell und vollständig anerkannt würden.
Dies sei aber nicht der Fall. Bis heute sei es nicht möglich, eine studierte Pflegefachkraft aus Polen in einem deutschen Heim auch als Fachkraft einzustellen. Die Bundesregierung will die Anerkennung ausländischer Abschlüsse erleichtern. Der Bundestag berät noch über die gesetzlichen Regelungen.
Das RWI in Essen legte eine Untersuchung vor, wonach die Bedeutung privater Anbieter im deutschen Pflegemarkt zunimmt.
Der Anteil an den rund 11.000 Heimen ist zwischen 1999 und 2009 von knapp 36 auf knapp 40 Prozent gestiegen. Bezogen auf die Heimplätze versorgen die privaten Anbieter allerdings nur gut ein Drittel der Pflegebedürftigen, die kirchlichen, gemeinnützigen und kommunalen Heime zwei Drittel.
Von den rund 12.000 Pflegediensten sind inzwischen zwei Drittel in privaten Händen. Sie versorgen fast die Hälfte der Menschen, die zu Hause gepflegt werden (47 Prozent).
Das RWI verwies darauf, dass die Hälfte der Investitionen in den Pflegesektor von fast 30 Milliarden Euro in den vergangenen zehn Jahren von privaten Unternehmern geleistet worden sei. Angesichts der hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte werde sich der Trend zu wachsenden privaten Investitionen fortsetzen, prognostizieren die Autoren der Studie. epd
Dieser Beitrag wurde am 18.8.2011 um 10.38 Uhr veröffentlicht.
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