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Homosexualität

Umstritten – bis hin zur Kirchentrennung

<b>Am Thema Homosexualität</b> - ob unter Männern oder Frauen - scheiden sich kirchliche Geister. Foto: Galina Barskaya

Am Thema Homosexualität - ob unter Männern oder Frauen - scheiden sich kirchliche Geister. Foto: Galina Barskaya

Ablehnung in der Bibel. Verständnis bei vielen Theologen: An dieser Frage drohen Kirchen auseinanderzubrechen.

Der Streit über den Umgang mit homosexuellen Christen führt in den Kirchen weltweit immer wieder zu Konflikten. Der Anglikanischen Kirche droht die Spaltung. Und vor der Wahl des evangelischen Bischofs am vorvergangenen Wochenende in Schleswig hatte es Auseinandersetzungen gegeben, weil einer der beiden Kandidaten, Propst Horst Gorski aus Hamburg-Altona, homosexuell ist. Gewählt wurde er allerdings nicht.

Auch der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) versucht seit Jahren zwischen seinen liberalen und konservativen Mitgliedskirchen zu vermitteln.

Die großen Konfessionsfamilien gehen unterschiedlich mit dem Thema um. Weltkatechismus der römisch-katholischen Kirche: Homosexuelle Handlungen seien „in sich nicht in Ordnung“ und „in keinem Fall zu billigen“, weil sie gegen das natürliche Gesetz der Weitergabe des Lebens verstoßen.

„Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen.“ Man müsse ihnen dennoch mit Achtung und Takt begegnen. Katholische Reformbewegungen werben für eine positive Bewertung der gleichgeschlechtlichen Liebe.


Eindeutig äußern sich ranghohe Vertreter der orthodoxen Kirche.

Der russisch-orthodoxe Patriarch Alexij II. sprach sich im vergangenen Jahr vor dem Europarat in scharfen Worten gegen „homosexuelle Propaganda“ aus. Homosexualität sei eine Sünde und dürfe nicht beworben werden.

Gläubige Menschen könnten homosexuelle Beziehungen nicht anerkennen, ergänzte der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad Kyrill, Chef des kirchlichen Außenamts in Moskau.


Der Umgang mit der Homosexualität ist auch im Lutherischen Weltbund (LWB) umstritten.

Besonders von Bischöfen aus Afrika wird Homosexualität nicht akzeptiert. Der LWB-Präsident, Bischof Mark S. Hanson, warnte, Fragen der menschlichen Sexualität dürften innerhalb der weltweiten lutherischen Gemeinschaft von rund 68 Millionen Christen nicht zu Trennungen führen.


In der Bibel wird Homosexualität verurteilt.

Im Römerbrief heißt es: „Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften (...) desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist.“ (Römer 1)

Theologen heute betonen aber, dass die biblischen Autoren aufgrund der Zeitumstände und der Kenntnisse geurteilt haben, die ihnen damals zur Verfügung standen.

In biblischen Texten werde homosexuelles Verhalten ausschließlich als Element des „religiös Fremden und Bedrohlichen gesehen, nicht aber als Lebensform von Menschen, die sich bewusst zum christlichen Glauben bekennen“, heißt es in einer kirchlichen Stellungnahme.

Die öffentliche Segnung einer homosexuellen Beziehung in einem Gottesdienst wird in den evangelischen Kirchen in Deutschland weitgehend abgelehnt.

Gruppierungen wie die Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) fordern dagegen die „volle Teilhabe von Lesben und Schwulen am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben“. epd

Dieser Beitrag wurde am 27.7.2008 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
MA schrieb am 05.08.2008 10:58:

Dass dies Thema brisant ist, leuchtet ein. So unterschiedlich die Kirchen, so verschieden auch ihr Umgang mit dem Thema. Mich würde mal interessieren, wie die "offizielle" Stellung der reformierten Kirchen aussieht - sie fehlen in dem Artikel.
Übrigens: In Westfalen gibt es für die Eheschließung homsexueller bzw. lesbischer Menschen eine Gottesdienstordnung, die unter ekvw.de in den Downloads zu finden ist. Ist ja auch klar, wenn man Geschiedene traut, muss man auch hier konsequent sein (notfalls s.o. im Artikel auch gegen die Bibel, die halt in beiden Fällen anders argumentiert).
Exegetisch fragwürdig: "In biblischen Texten werde homosexuelles Verhalten ausschließlich als Element des „religiös Fremden und Bedrohlichen gesehen, nicht aber als Lebensform von Menschen, die sich bewusst zum christlichen Glauben bekennen“, heißt es in einer kirchlichen Stellungnahme." Im AT und NT klingt das anders!!


Mit freundlichem Gruß
MA

Tostefanz schrieb am 14.11.2009 12:44:

Wenn es im Römerbrief heißt, dass Gott Menschen in schändliche Leidenschaften dahingegeben habe, dass Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen hätten, in Begierde zueinander entbrannt seien, Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen hätten, dann gibt es heute immer noch Christen, die hierin eine Beschreibung homosexueller Menschen ganz allgemein meinen sehen zu müssen. Auch Christen ist es aber nicht verboten, nachzudenken, ob solche Verallgemeinerungen unreflektiert und in jedem Fall zu übernehmen sind. Anregungen zu solchem Nachdenken dürfte es mittlerweile genügend geben.

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