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Paarberater warnen

Teure Treue: Seitensprünge sind nicht harmlos

<b>Die Hälfte aller Ehepartner</b> - Männer wie Frauen - werden laut Untersuchungen im Laufe ihres Lebens untreu. Foto: Dragan Trifunovic

Die Hälfte aller Ehepartner - Männer wie Frauen - werden laut Untersuchungen im Laufe ihres Lebens untreu. Foto: Dragan Trifunovic

Wenn die Anmeldezahlen bei sogenannten Seitensprungagenturen im Internet ein Gradmesser sind, dann ist es um die Treue in Deutschland schlecht bestellt.

Allein der Anbieter »Lovepoint« hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 250.000 Mitglieder und vermittelte im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Kontakte. Gleichzeitig halten viele Berater und Psychotherapeuten den Wert der Treue hoch und sagen: Außereheliche Affären machen selten glücklich.

Das jüngste Plädoyer für eine in Treue gelebte Partnerschaft hat der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger im Freiburger Kreuz-Verlag veröffentlicht (»Das Geheimnis der Treue«, 2010).

Er argumentiert dabei nicht zuerst moralisch, sondern empirisch. Krüger legt dar, dass Menschen sogar in außerehelichen Beziehungen Stabilität suchen.

So gingen zwei Drittel aller Freier regelmäßig zur selben Prostituierten, bis zu 50 Mal zu der gleichen Frau. Nur bei zwölf Prozent aller Seitensprünge handelt es sich Krüger zufolge um einen »One-Night-Stand« - die übergroße Mehrheit entwickelt sich zu einer längeren Affäre.

Wichtiger ist für Krüger aber, dass die meisten Deutschen Seitensprünge ablehnen.

Rund 70 Prozent der Männer halten es nach seinen Angaben für unverzeihlich, von ihrer Frau betrogen zu werden. Schätzungen zufolge werden aber 50 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens untreu - und ein fast genauso hoher Anteil der Frauen.

Für den Hamburger Paarberater und Bestsellerautor Michael Mary ist das kein Wunder. Seiner Wahrnehmung nach stirbt bei allen Langzeitpaaren die Leidenschaft.

<b>Wenn es in der Ehe nicht mehr prickelt</b>: Bei allen Langzeitpaaren stirbt irgendwann die Leidenschaft. Foto: 268123882836.jpg

Wenn es in der Ehe nicht mehr prickelt: Bei allen Langzeitpaaren stirbt irgendwann die Leidenschaft. Foto: 268123882836.jpg

»Begehren heißt Gier. Woher soll die Gier kommen, wenn man ständig zusammen ist?«, fragt er.

Dann gibt es für ihn zwei Möglichkeiten: Entweder man arrangiert sich mit der abgekühlten Situation, was bei vielen Paaren funktioniere.

Oder man holt sich das Prickeln außerhalb der Beziehung.

Das Problem dabei ist jedoch, dass die außereheliche Affäre den betrogenen Partner in aller Regel schwer verletzt.

Der bei Tübingen praktizierende Paarberater Hans Jellouschek schreibt: »Ich erlebe immer wieder, dass manche Untreue vom Partner Toleranz erwarten oder sogar fordern, wenn sie fremdgehen, aber ihrerseits völlig durchdrehen, wenn der Partner dasselbe tut.«

Auch wenn jeder Seitensprung seine Vorgeschichte hat, an dem selten nur einer der Partner schuldig ist: Die außereheliche Affäre führt häufig zur Scheidung, weil sie den inneren Zustand einer Beziehung äußerlich sichtbar macht.

Jellouschek und Krüger sind sich darin einig, dass am Prinzip der Treue festhalten sollte, wer glücklich werden will. Anstatt sein Glück außerhalb der festen Partnerschaft zu suchen, rät etwa Krüger, einmal im Monat mit dem Partner den Tag zu feiern, an dem man sich kennengelernt hat.

Auch sollte man die Erotik immer wieder fantasievoll inszenieren und sich nicht mit einer erlahmenden Sexualität abfinden.

»Doch wir können nur dann eine sichere Bindung in einer Partnerschaft herstellen« sagt Krüger, »wenn wir uns dafür interessieren, wie es dem Partner geht«. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.3.2010 um 09.22 Uhr veröffentlicht.

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