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Kitas in Wohngebieten

Senioren-Union gegen unzumutbaren Kinderlärm

<b>Wie ein Presslufthammer?</b> – Senioren in der CDU machen mobil gegen unzumutbaren Kinderlärm in Wohngebieten. Foto: Marle

Wie ein Presslufthammer? – Senioren in der CDU machen mobil gegen unzumutbaren Kinderlärm in Wohngebieten. Foto: Marle

Die Senioren-Union der CDU hält die geplante generelle Zulassung von Kindertageseinrichtungen in Wohngebieten für verfassungswidrig.

Nicht nur Kinder hätten Rechte, sondern auch ältere Menschen, erklärte der Landesvorsitzende der Senioren-Union, Leonhard Kuckart, in Düsseldorf. Ein Dauerpegel von 90 Dezibel, wie er häufig in Kitas anzutreffen sei, bleibe eine unzumutbare Lärmbelästigung.

»Egal, ob die Quelle nun sympathisches Kindergeschrei ist oder das Hämmern eines Pressluftbohrers.«

Kuckart, der auch stellvertretender Bundesvorsitzender der Senioren-Union ist, kritisierte weiter, dass der Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Immissionsschutz nicht zum Zusammenhalt der Generationen beitrage.

»Wir wünschen uns eine Lösung, die versöhnt und nicht spaltet«, sagte der CDU-Politiker. In einem Wohnumfeld mit vielen älteren Menschen müssten die Genehmigungsbehörden auch auf die Interessen der Ruheständler Rücksicht nehmen und diese gegen die Interessen junger Familien abwägen.

Die Bundesregierung plant angesichts zahlreicher Klagen gegen Kindertagesstätten und Spielplätze in Wohngebieten eine Gesetzesänderung.

Wie die »Bild-Zeitung« berichtet, soll im Bundes-Immissionsschutzgesetz eine Klausel verankert werden, wonach Kinderlärm »im Regelfall keine schädliche Umwelteinwirkung« darstellt. Kitas und Spielplätze sind danach »generell zugelassen«.

Über die Novelle will das Bundeskabinett den Angaben zufolge kommende Woche beraten.

Der Deutsche Kinderschutzbund hat empört auf Forderungen aus der Senioren-Union reagiert.

Solche Äußerungen seien die Folge einer kindentwöhnten Gesellschaft, sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. »Vor 50 Jahren wäre so etwas nicht vorgekommen, jetzt werden die Kinder bei uns ausgegrenzt«, sagte Hilgers.

Dass Kindergeräusche im Gesetz mit Industrielärm gleichgesetzt werden, sei immer ein Skandal gewesen. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.2.2011 um 11.05 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 09.02.2011 13:10:

Bei den meisten älteren Menschen, die ich kennen laufen Radio und Fernseher in einer Lautstärke, die eine KiTa in der Nachbarschaft locker übertönt.
"Dauerpegel" ist sowieso Quatsch, denn die Kinder sind ja nicht den ganzen Tag draußen.
Ich finde es erschreckend, daß so eine Diskussion überhaupt zugelassen wird. Leider haben vielzu viele Menschen vergessen, daß sie selbst mal Kind waren.

Anke Beilharz-Wüster schrieb am 09.02.2011 13:32:

Wenn ich mit meiner Mutter spreche, auch über dieses Thema, kommt zu oft: "Wir waren nicht so laut, wir waren besser erzogen, wir konnten sowieso nicht so viel spielen, da wir mitarbeiten mussten auf dem Hof. Wir haben niemanden gestört - der nächste Nachbar wohnte weit genug weg. Überall waren viele Kinder"
Heute sind Kinder in der Minderheit und die Senioren die größte Bevölkerungsgruppe.

Annemarie Menke schrieb am 10.02.2011 08:51:

Ich würde wesentlich lieber Kinder"lärm" hören als Preßlufthammer, Rasenmäher, Kreissägen, Autoverkehr etc. Mir ist absolut unverständlich, wie man sich darüber aufregen kann. Wenn die Äußerungen der Senioren-Union repräsentativ für die Meinung der Senioren sein sollten - was ich nicht hoffe und wovon ich nicht ausgehe - wäre das wirklich ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.

denkglaub schrieb am 10.02.2011 09:14:

Die Senioren der Seniorenunion sollten ihren Vorstand umgehend in die Wüste schicken.
Offenbar hat Leonhard Kuckart immer noch nicht begriffen, welche Veränderungen eine immer älter werdende Gesellschaft mit sich bringt.
Ich bin jetzt 50. In meinem ureigendsten Interesse brauche ich dort, wo ich jetzt lebe, Familien mit Kindern und eben auch Kindertagesstätten. Ich will jetzt junge Familien unterstützen, etwa wenn eine Mutter nicht durchschlafen konnte, weil das Kind geschrieen hat, weil die Mutter jetzt diese Hilfe braucht. Und meine Hoffnung ist, dass dabei Netzwerke entstehen, in denen die Kinder oder Enkel dieser Mutter mir einmal helfen, wenn ich nicht mehr alleine einkaufen kann (etwas vereinfacht ausgedrückt).
Wenn der Vorstand der Seniorenunion meint, für Senioren sei ein Altersghetto der richtige Ort, dann ist er auf den Holzweg.

Wieland schrieb am 10.02.2011 09:23:

Das klingt ja alles ganz schön: die niedlichen Kleinen u s w. Aber man sollte noch einmal genauestens nachfragen: was ist mit 'Kinderlärm' gemeint? Nur das Juchzen, Lachen und Schreien? Oder auch laute, plärrende Musik aus MP 3 Geräten, stundenlanges Fußball oder Basketbal vor die Wand knallen, Sauforgien von 12jährigen? Genau das habe ich nämlich jeden Abend in der Nachbarschaft, sobald das Wetter auch nur halbwegs schön ist ...

gumma schrieb am 10.02.2011 09:32:

@Wieland: Ja, du hast recht, das kann wirklich nervig sein. Aber die Senioren-Union richtet sich ja ausdrücklich gegen Kindergärten, nicht gegen Jugendliche. Ich habe schon neben einem Kindergarten gewohnt und konnte das nicht dramatisch finden. Und das mit den 90 Dezibel ist doch Quatsch - das bezieht sich auf den Lärm IM Gebäude und wenn man mitten drin steht - als Nachbar hört man das doch deutlich abgeschwächt!

Erika Mörs schrieb am 10.02.2011 11:12:

In dem Artikel geht es doch nur darum, dass eine Interessengemeinschaft in der Öffentlichkeit für ihre Interessen eintritt, und das mit dem Ziel, „…eine Lösung zu finden, die versöhnt und nicht spaltet“. Interessen gegeneinander abwägen - diese Möglichkeit sollte doch wohl in einem Gesetz berücksichtigt werden können.

denkglaub schrieb am 11.02.2011 17:41:

@Erika Mörs
Liebe Frau Mörs, Aufrufen wie der von Leonhard Kuckart versöhnen in meinen Augen nicht, sondern spalten.

Letztens erst ein CDU-Politiker, der gegen jegliche Vernunft gegen den offenen Vollzug wetterte, hier jetzt der gegen Kinder und ihren "Düsenjägerlärm": Die Werte sind doch allzu offensichtlich an den Haaren herbeigezogen und reden jenen vermuteten Wählern nach dem Mund, die schon lange wahlberechtigt sind - zu Lasten derer, die erst wahlberechtigt werden.
Versöhnen würde bedeuten: "Kinderlärm ist Zukunftsmusik" zu betonen. Versöhnen würde bedeuten, sich von der Seniorenunion für ehrenamtliche Senioren zur Unterstützung von Familien mit Kindern einzusetzen, und im Gegenzug für Unterstützung von älteren Menschen zu werben. Da gäbe es viel zu tun. Vielleicht auch für gemeinsame Begegnungsräume in diesen Kindertagesstätten. Demenzkranke ältere Menschen freuen sich nicht nur über den Besuch des örtlichen Hundevereins, sie freuen sich auch über Kinder, die sie besuchen kommen und leben deutlich auf. Es gäbe so viel zu sagen über "Versöhnen" - dieser Aufruf der Seniorenunion ist reines Spalten - und durch nichts zu rechtfertigen.

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