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Be- und Entlastendes

Medien zitieren aus Mailbox-Nachricht

Seine Nachricht auf der Mailbox von »Bild«-Chef Diekmann brachte Bundespräsident Wulff in Bedrängnis.

Zwar will »Bild« keine Abschrift veröffentlichen, doch nun zitieren andere Medien daraus. Dabei kommt Entlastendes, aber auch Belastendes zutage. Nach übereinstimmenden Berichten der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« sowie des Hamburger Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« stimmt die Darstellung des Bundespräsidenten, dass er bei seinem umstrittenen Anruf bei »Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann lediglich um die Aufschiebung des Berichts über die Finanzierung seines Privathauses gebeten hat.

Allerdings hätten Drohungen gegen den Springer-Verlag bei weitem überwogen, berichtet die »Sonntagszeitung«.

An zwei Stellen der Mailbox-Nachricht habe Wulff tatsächlich darum gebeten, sich vor einer Veröffentlichung noch einmal zu besprechen. Doch verband er diesen Vorschlag laut »Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung« mit der Formulierung, dann könne entschieden werden, »wie wir den Krieg führen«.

Der Spiegel zitiert: »Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt.«

Zudem drohte Wulff laut »Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung« mit dem »endgültigen Bruch mit dem Springer-Verlag« im Falle einer Veröffentlichung.

Auch habe er gesagt, für ihn und seine Frau sei der Rubikon überschritten. Der Wortlaut von Wulffs Nachricht existiert laut »Spiegel« als Abschrift, die unmittelbar nach dem Gespräch gefertigt worden sei und dem Magazin vorliege.

Der »Spiegel« berichtet auch über weitere Details eines Anrufes von Wulff bei Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner.

Wulff sei sehr deutlich geworden. Wenn der Artikel über seinen Privatkredit erscheine, so werde der Präsident im Verlag zitiert, dann bedeute das Krieg zwischen dem Bundespräsidialamt und Springer bis zum Ende von Wulffs Amtszeit.

Bei den Anrufen Wulffs ging es um die Recherchen der »Bild«-Zeitung zum umstrittenen Privatkredit von 500.000 Euro, den Wulff 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident von dem befreundeten Unternehmerpaar Egon und Edith Geerkens erhalten hatte.

Während Wulff sagt, er habe lediglich einen Aufschub der Berichterstattung erbeten, weil er sich zum Zeitpunkt der geplanten Veröffentlichung im Ausland befand, hatte die Mailbox-Nachricht nach Darstellung der »Bild«-Zeitung das Ziel, die Berichterstattung gänzlich zu unterbinden.

»Bild« hatte am 13. Dezember erstmals über den Privatkredit berichtet und damit einer Serie kritischer Berichte über den Bundespräsidenten in verschiedenen Medien in Gang gesetzt.

Die »Bild«-Zeitung bat Wulff am Donnerstag dieser Woche um Zustimmung, den Wortlaut der Mailbox-Nachricht an Diekmann zu veröffentlichen. Das lehnte der Präsident ab. epd

Medienethiker mahnt zu differenziertem Blick

Dieser Beitrag wurde am 8.1.2012 um 10.00 Uhr veröffentlicht.

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