Umdenken bei Geldanlagen /Interview
Kirchenbank fordert fairen Bankenwettbewerb
Einen fairen Wettbewerb zwischen den Kreditinstituten fordert die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) in Dortmund.
Die aufsichtsrechtlichen Forderungen würden nicht ausreichend durchgesetzt, kritisiert der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Thiesler im epd-Gespräch. Es sei »nicht akzeptabel, wenn Banken, die mit Hilfe von Steuermitteln gerettet wurden, mit Kampfkonditionen am Markt auftreten«.
Bei den Kunden beobachtet Thiesler eine wachsende Bedeutung ethischer Kriterien bei der Geldanlage.
2011 war wieder ein Jahr der Finanz- und Schuldenkrise. Hat auch die KD-Bank in diesem Jahr deren Auswirkungen gespürt?
Thiesler: Wir befinden uns, was den Euro und die Kapitalmärkte angeht, in einer dramatischen Phase. Natürlich spüren auch wir die Auswirkungen der Verwerfungen auf dem Kapitalmarkt. Das Zinsniveau ist historisch niedrig, klare Geschäftsmodelle und sichere Häfen sind gefragt, und genau da sehen wir unsere Stärke.
In unserem Kerngeschäft, der Vergabe von Krediten an Kirche und vor allem natürlich an die Diakonie, haben wir 2011 ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Im Kreditgeschäft haben wir bis Ende November ein Neugeschäftsvolumen von etwa 160 Millionen Euro erreicht. Das ist in unserer über 85-jährigen Geschichte ein Spitzenwert.
Hat es aus Ihrer Sicht bei den Banken seit der Finanzkrise ein Umdenken gegeben?
Thiesler: Ich bin der Auffassung, dass es vor allem bei den Kunden ein Umdenken gegeben hat, und das ist ja auch eine wichtige Erkenntnis. So hat zum Beispiel die Evangelische Kirche in Deutschland mit ihrem viel beachteten Leitfaden für ethisch nachhaltige Geldanlagen in diesem Jahr ein wichtiges Zeichen gesetzt.
Auch die sehr positive Entwicklung des FairWorldFonds, den die KD-Bank zusammen mit Partnern wie »Brot für die Welt« und dem Südwind-Institut auf den Markt gebracht hat und der erstmals entwicklungspolitische Kriterien berücksichtigt, stimmt mich grundsätzlich positiv.
Politiker und auch die Occupy-Bewegung fordern eine stärkere Regulierung des Bankensektors. Ist das aus Ihrer Sicht nötig?
Thiesler: Der Bankensektor wurde schon vor der Finanzkrise 2008 stark reguliert und seitdem wurden die aufsichtsrechtlichen Anforderungen, die der Staat an die Banken stellt, weiter massiv verstärkt.
Aber die entscheidende Frage ist doch, wie wird dies überwacht und wie eingegriffen? Für uns ist es aus Wettbewerbsgesichtspunkten nicht akzeptabel, wenn Banken, die mit Hilfe von Steuermitteln gerettet wurden, mit Kampfkonditionen am Markt auftreten.
Im Sommer hat die KD-Bank noch nicht an eine Rezession in Deutschland in der nächsten Zukunft geglaubt, gilt diese Prognose für 2012 weiterhin?
Thiesler: In den vergangenen Monaten hat sich die Lage in der Euro-Zone weiter verschärft, das ist unzweifelhaft. Doch unsere Volkswirtschaft hat trotz allem ein gutes Jahr 2011 hinter sich.
Auch der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich gut entwickelt, das wird von vielen übersehen. Die Entwicklung unserer Volkswirtschaft für 2012 ist sehr schwer prognostizierbar, weil sie im Wesentlichen von tiefgreifenden politischen Grundsatzentscheidungen abhängen wird.
Hält unser europäisches Modell dem Druck stand, dem es ausgesetzt ist? Mit Blick auf den Kapitalmarkt wird entscheidend sein, ob der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) greifen wird und wir so die Negativspirale bei den Staatsverschuldungen durchbrechen und den zu hohen Einfluss der Ratingagenturen begrenzen können.
epd
Dieser Beitrag wurde am 3.1.2012 um 11.16 Uhr veröffentlicht.
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