Ernüchternde Bilanz
Höhere Strafen schrecken Jugendliche nicht ab

Freiheitsentzug sollte nach Expertenansicht bei Jugendlichen nur die letzte Lösung sein. Foto: Nejron
Kriminologie- und Jugendstrafrechtsexperten warnen vor höheren Strafen für jugendliche Straftäter und fordern stattdessen den Ausbau sozialpädagogischer Betreuungsmaßnahmen.
Höhere Strafen schreckten junge Menschen meist nicht davon ab, straffällig zu werden, sagte Dieter Dölling, Leiter des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg, bei einer Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll.
Nicht die Höhe der Strafe, sondern eher die Wahrscheinlichkeit von Sanktionen hielten Jugendliche davon ab, eine Straftat zu begehen, sagte der Heidelberger Kriminologieprofessor.
Laut Nadine Bals, Geschäftsführerin der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen, müssen vielmehr sozialpädagogische Maßnahmen für straffällige Jugendliche ausgebaut werden.
Es gebe ein gut gemachtes Jugendstrafrecht mit hilfreichen Programmen, aber kommunale Finanzprobleme sorgten dafür, dass an vielen Orten oft keine Maßnahmen angeboten würden für solche Jugendliche, sagte Bals dem epd.
Zudem müssen Jugendrichter und Jugendstaatsanwälte ihrer Ansicht nach besser qualifiziert werden.
Eine Freiheitsstrafe für Jugendliche sollte laut Bals die letzte Lösung sein.
78 Prozent der Jugendlichen würden nach vollstreckter Jugendstrafe rückfällig. Nach einem Jugendarrest, der bis zu vier Wochen dauern kann, seien es 70 Prozent. Dies liege unter anderem daran, dass es in der Zeit hinter Gittern kaum Problemaufarbeitung gebe, die Aggression der Jugendlichen zunehme und Zukunftsaussichten weiter beschnitten würden. epd
Dieser Beitrag wurde am 14.1.2012 um 13.40 Uhr veröffentlicht.
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