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»Gottesteilchen«: Physik keine moderne Mystik

Blick auf den Teilchenbeschleuniger des Forschungszentrums Cern. Er hat einen Umfang von 27 Kilometern. Foto: Wikipedia/Florian Hirzinger

Blick auf den Teilchenbeschleuniger des Forschungszentrums Cern. Er hat einen Umfang von 27 Kilometern. Foto: Wikipedia/Florian Hirzinger

Mit Blick auf den Durchbruch bei der Suche nach dem sogenannten »Gottesteilchen« hat sich der Münsteraner Philosophieprofessor Michael Quante gegen eine mystische Überhöhung der Naturwissenschaften gewandt.

»Man kann philosophische und theologische Sinndeutungen nicht durch naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse ersetzen«, sagte Quante in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies sei bei den meisten Forschern auch nicht Teil der Motivation ihrer Arbeit.

Die Entdeckung eines neuen Teilchens an der Genfer Kernforschungseinrichtung CERN, bei dem es sich um das lang gesuchte Higgs-Teilchen handeln könnte, hatte für Aufsehen gesorgt.

Das Higgs-Teilchen ist Experten zufolge für das aktuell gültige Weltbild der Physik notwendig, um zu erklären, weshalb die elementaren Bausteine der Materie überhaupt eine Masse haben. Der Begriff »Gottesteilchen« geht auf eine Publikation des US-amerikanischen Physik-Nobelpreisträgers Leon Lederman (»The God particle«) Mitte der 90er Jahre zurück.

Der Begriff »Gottesteilchen« für eine physikalische Entdeckung stehe auch für eine Art Entzauberung der alten Weltdeutungen der Theologen und Philosophen, als ob ein »großes Versprechen der naturwissenschaftlichen Welterklärung damit umgesetzt wurde«, sagte Quante.

Es werde angedeutet, man habe die letzten Schlüssel zur Erklärung des Kosmos gefunden, quasi die kleinsten Bausteine, hinter denen es nichts mehr gibt. Das erinnere auch an die Reaktion auf die Entschlüsselung des menschlichen Genoms vor einigen Jahren, fügte der Professor von der Westfälischen Wilhelms-Universität hinzu.

Die naturwissenschaftliche Suche nach dem Geheimnis des Lebens, den Bausteinen des Universums, der Frage nach dem Anfang von allem Sein, der Frage nach der Weltformel schlechthin habe einen hohen symbolischen Wert.

Darin liege »das Selbstverständnis eines Teils unserer aufgeklärten Gesellschaft«, ein »verkappter Kampf gegen theologische Weltdeutungen«, erklärte Quante. Dies sei auch ein Erbe des Säkularisierungsversprechens der Aufklärung.

Der Philosoph warnte zugleich vor einer Verwechselung der Zuständigkeiten und einem gegenseitigen Verdrängungswettbewerb: »Religiöse Einstellungen, philosophisch-theologische Weltdeutungen beantworten Sinnfragen und Orientierungsfragen, während die Naturwissenschaften kausal-funktionale Zusammenhänge erforschen.«

Deswegen könne keine Seite die Probleme und Fragen der anderen beantworten. epd

Dieser Beitrag wurde am 5.7.2012 um 09.19 Uhr veröffentlicht.

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