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»Gott oder Mammon?«

Forscherteam warnt vor Dämonisierung des Geldes

<b>Gott oder Mammon?</b> Das ist eine zu einfache Sicht der Dinge, meinen Wissenschaftler, die an einem interdisziplinären Forschungsprojekt über Geld, Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten. Foto: Olly

Gott oder Mammon? Das ist eine zu einfache Sicht der Dinge, meinen Wissenschaftler, die an einem interdisziplinären Forschungsprojekt über Geld, Wirtschaft und Gesellschaft arbeiten. Foto: Olly

Der Heidelberger Theologe Michael Welker hat vor einer Dämonisierung des Geldes gewarnt.

»Geld als Religion« oder »Cash statt Gott« - wer nach diesem Schema in Gut und Böse unterscheide, der mache es sich zu einfach, sagte er bei einer Präsentation erster Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojekts der Bonner evangelischen Akademie und des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Düsseldorf.

Zwar sei Kritik an der Monetarisierung der Gesellschaft nicht nur legitim, sondern auch notwendig. Doch »eine Dämonisierung des Geldes, wie sie derzeit populär ist, ist falsch«.

Die beteiligten Wissenschaftler, die sich seit vier Jahren mit dem Spannungsfeld zwischen Glorifizierung und Verteufelung des Geldes befassen, kritisierten die Fixierung auf Martin Luthers Dualität »Gott oder Mammon«.

»Das ist Schwarz-Weiß-Malerei«, sagte Welker und wies auf das Bild des Geldes in der Bibel hin. Geld werde dort nicht nur mit Probleme und Risiken, sondern auch mit Chancen verbunden.

Geldwirtschaft gab es schon im antiken Griechenland, wie der Bonner Wirtschaftswissenschaftler Jürgen von Hagen unterstrich. »Sie entsteht überall dort, wo in der Gesellschaft soziale und regionale Mobilität sowie Anonymität herrschen«, erläuterte er.

Das Geld selbst sei keine eine eigenständige Macht, sondern selbst durch gesellschaftliche Entwicklungen bedingt.

An dem Projekt sind den Angaben nach unter Welkers Leitung Historiker, Theologen, Juristen sowie Religions- und Wirtschaftswissenschaftler aus dem In- und Ausland beteiligt.

Im kommenden Jahr sollen die Forschungsergebnisse unter dem englischen Titel »The Standardized Monetarization of the Market and the Impact on Religion, Politics, Law and Ethics«, etwa »Standardisierte Monetarisierung des Marktes und ihr Einfluss auf Religion, Politik, Recht und Ethik«, veröffentlicht werden.
epd

Dieser Beitrag wurde am 18.3.2010 um 10.08 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Glybyrne schrieb am 24.03.2010 13:15:

genau! endlich sagts mal jemand . auch die atombombe an sich ist ja nicht schlecht, sondern nur ausdruck einer gesellschaftlichen entwicklung

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