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»Psycho-Terror« durch Pädagogen

Erniedrigung als neue Form der Gewalt

<b>Subtile Gewalt:</b> Offenbar »wehren« sich immer mehr Lehrer durch gezieltes Erniedrigen gegen »aufsässige« Schüler. Foto: Happyone

Subtile Gewalt: Offenbar »wehren« sich immer mehr Lehrer durch gezieltes Erniedrigen gegen »aufsässige« Schüler. Foto: Happyone

Kinder und Jugendliche sind nach Ansicht des Marburger Erziehungswissenschaftlers Benno Hafeneger zunehmend der Erniedrigung durch professionelle Pädagogen ausgesetzt.

Bei verächtlichen und verachtenden Bemerkungen, Zurückweisungen oder Beschämungen durch Pädagogen handele es sich um eine neue Form der Gewalt gegen Jugendliche, sagte Hafeneger dem epd. Davon könne jeder Schüler berichten.

Aus Studien wisse man, dass etwa 30 Prozent der Schüler Erfahrungen mit solchen neuen Gewaltformen gemacht hätten.

Das sei ein neues Phänomen in einer langen Geschichte von Gewalt in der Erziehung, sagte der Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg und Autor des Buches »Strafen, prügeln, missbrauchen - Gewalt in der Pädagogik«.

Durch die Modernisierung der Gesellschaft seit den 1970er Jahren werde inzwischen in Einrichtungen zwar kaum noch körperliche Gewalt ausgeübt.

In der Gesellschaft herrsche ein Konsens, körperliche und insbesondere sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche abzulehnen.

Doch noch immer besteht nach Erkenntnissen Hafenegers in der Gesellschaft die Auffassung: »Wenn Kinder sich nicht ordentlich verhalten, dürfen sie bestraft werden.«

Hierzu trügen auch einige Verfasser von Erziehungsratgebern bei, die forderten, dass Erwachsene ihrem Erwachsenenstatus gerecht werden und Grenzen setzen müssten. »Aber sie verwechseln das mit einer anerkennenden Pädagogik.«

Hafeneger zufolge ist ein neuer Typ von Erziehenden gefragt.

Sie müssten Kinder neugierig auf die Welt machen, positive Leistungsanreize setzen und Kinder in ihrem Selbstwert fördern. Die Gesellschaft reagiere zwar sensibel auf die neuen Formen von Gewalt, doch sei eine Diskussion darüber noch nicht eröffnet.

»Wir müssen jetzt über die neuen Gewaltformen reden und eine Professionsdebatte führen.« Er fordert daher einen Perspektivenwechsel in der Aus- und Fortbildung der Pädagogen.

Die Skandale in den Internaten, Reformschulen, Heimen, Chören und Freizeiten, wo Kinder und Jugendliche sexuell und körperlich misshandelt wurden, hält Hafeneger nicht für hinreichend aufgeklärt.

»Es besteht die Gefahr, dass versucht wird, das auszusitzen und auf Einzelfälle zu reduzieren«, warnt der Jugendforscher. Strukturen seien bisher unverändert geblieben, etwa in der Ausbildung der katholischen Priester.

»Man muss die Debatten erhalten und die Institutionen zwingen, sich weiter damit zu beschäftigten«, sagte Hafeneger.

Auch in einigen gesellschaftlichen Nischen habe körperliche Gewalt in der Kindererziehung weiterhin Konjunktur, etwa in einigen strenggläubigen Gemeinschaften der evangelikalen Freikirchen, der Zeugen Jehovas oder in einigen Migrantenfamilien. epd

Dieser Beitrag wurde am 14.10.2011 um 11.53 Uhr veröffentlicht.

Buchhinweis

Benno Hafeneger: Strafen prügeln, missbrauchen - Gewalt in der Pädagogik, Verlag Brandes & Apsel, 1. Auflage 2011, 148 Seiten, 14,90 .^

Kommentare lesen
gumma schrieb am 14.10.2011 14:09:

"Neue Form von Gewalt"??? Wie alt ist denn der Autor, und wo ist er zur Schule gegangen, dass er das als "neu" empfindet? Als ich vor - äh - rund fünfunddreißig Jahren zur Schule ging, gab es von den Lehrern jede Menge Fiesheiten und hinterfotzige Beleidigungen. Und wer Romane aus dem 19./frühen 20. Jahrhundert liest, weiß, dass es darin nur so wimmelt von psychische Erniedrigung. Das macht es nicht besser, aber neu ist das nun wahrhaftig nicht!

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