UK - Unsere Kirche > Startseite
Donnerstag, 17.05.2012
Sie sind hier: UK  > Gesellschaft > aktuell > Bäcker und Weltenbummler

Die UK-Weblogs

Chefsache

Unfairer Alarm-Journalismus

4. Stock, links

Bibel-Blog hier!

Umfrage

Hannelore Kraft - die neue Hoffnung der SPD?

Jau! Hannelore, Du wirst unsere neue Bundeskanzlerin!

Bloß nicht. Du hast versprochen, in NRW zu bleiben.

Bloß nicht. Du wirst eh überschätzt.

Ergebnis ansehen

Werbung

Werbung

Senior Experten Service

Bäcker und Weltenbummler

Von wegen Ruhestand: Dietmar Hansmeier reist durch die Welt und gibt sein Wissen weiter. Und zuhause hat der 70-Jährige noch eine kleine Backstube. Foto: Lübbers

Von wegen Ruhestand: Dietmar Hansmeier reist durch die Welt und gibt sein Wissen weiter. Und zuhause hat der 70-Jährige noch eine kleine Backstube. Foto: Lübbers

Einsatzorte eines Rentners: Sibirien, Brasilien, Mongolei und Rumänien. Dietmar Hansmeier ist im Ruhestand und dennoch ein gefragter Bäcker. Als Mitglied beim Senior Experten Service reist er zu Einsätzen in der ganzen Welt.

Er nennt Tomsk in Sibirien sein zweites Zuhause und kennt sich in der Mongolei, Bulgarien und Rumänien bestens aus. Während andere ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, ist Dietmar Hansmeier in der Weltgeschichte unterwegs – beruflich. Der 70-jährige Bäckermeister und Konditor-Geselle aus Hagen ist ein Experte des Senior Experten Service (SES) in Bonn, der Fachleute im Ruhestand ehrenamtlich als Entwicklungshelfer oder an deutsche Schulen vermittelt.

Wie viele andere Expertinnen und Experten des SES gibt Hansmeier sein fachliches Wissen an andere Menschen weiter und hilft ihnen, ihre Existenz zu sichern oder zum Beispiel Hygienestandards zu etablieren.

„Was man da manchmal sieht, das ist schon gewöhnungsbedürftig“, sagt der umtriebige Hagener. In diesem Jahr war er schon dreimal unterwegs. Insgesamt 44 Einsätze waren es, seit er sich beim SES gemeldet hat. „Was soll ich zu Hause sitzen und in den Fernseher starren“, sagt er. „Das ist nichts für mich.“


Die Söhne gingen andere berufliche Wege

Als sich herausstellte, dass beide Söhne einen anderen beruflichen Weg als der Vater gehen würden, entschloss sich Hansmeier, seine Bäckerei für immer zu schließen. Am 1. Juli 1997 wurde er Ruheständler und kann trotzdem bis heute nicht von Teig und Sahne lassen.

Im Einsatz in einer Bäckerei in Brasilien: Dietmar Hansmeier zeigt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Tipps und Tricks beim Backen. <br>Foto: privat

Im Einsatz in einer Bäckerei in Brasilien: Dietmar Hansmeier zeigt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Tipps und Tricks beim Backen.
Foto: privat

Nicht nur, dass er im hinteren Teil seines Wohnhauses immer noch eine kleine Backstube mit Holzofen betreibt – Dietmar Hansmeier steht in den Bäckereien dieser Welt und findet es toll.

„Meine Frau hat die Unterlagen für mich beim SES bestellt“, erinnert er sich an die Anfänge seines Senior-Experten-Lebens. Auch die Vorstellung beim SES ist im Gedächtnis geblieben. „Ich musste mich richtig bewerben, mit Gespräch und so. Das hatte ich noch nie gemacht. Die nehmen nämlich längst nicht jeden“, erzählt er.


Die Koffer halb voller Backzutaten

Sie haben ihn genommen, denn Dietmar Hansmeier passte ins Profil und seitdem packt er immer wieder seine Koffer. „Aber nur knapp die Hälfte des Kofferinhalts sind meine Klamotten“, sagt er und lacht. Den übrigen Platz belegen Backzutaten, die man schlecht bekommen kann, Teigschaber, Rezeptmappen und Süßigkeiten für „die Mädchen“, die er unterrichtet. Und wenn es nach Russland geht, ist auch Kaffee im Gepäck. „Da sind die verrückt nach“, meint er.

Auch kleine Messer packt Dietmar Hansmeier stets ein. „Die Messer sind meist eine Katastrophe“, sagt er. Ohnehin müssen er und „seine Mädchen“ oft improvisieren. „Als wir in Usbekistan Backzutaten besorgen wollten, gab’s fast nichts. Bei minus 15 Grad mussten wir Eier und Milch in Stroh und Decken einwickeln, damit wir sie unbeschadet in die Backstube bekamen“, erinnert er sich.


In Russland müssen Eier drei Mal gewaschen werden

Zitronen, so der leidenschaftliche Bäcker, sind in Usbekistan orange. In Russland verlangen die Hygienegesetze, dass man die Eier dreimal wäscht, in je einem getrennten Spülstein. Und Torten werden mit Kunstsahne, die es in Litertüten gibt, hergestellt. „Das Gemisch aus Öl, Milchpulver und Emulgatoren hält länger. Sahne muss in Russland innerhalb von zwölf Stunden verbraucht sein.“ Er kennt sich bestens in den Vorschriften aus.

Dietmar Hansmeier freut sich, wenn er mit anderen Menschen sein Wissen teilen kann. Und wenn seine Schülerinnen dieses Wissen umsetzen, sich weiterentwickeln und Erfolg haben, ist er voller Stolz. Nur als er von dem Einsatz berichtet, bei dem man ausschließlich hinter seinen Rezepten her war, wird er wortkarg.

Neben der Chance, sein Handwerk zu lehren, sind es die menschlichen Kontakte, die Dietmar Hansmeier an seinen Einsätzen so schätzt. So haben sich längst Freundschaften entwickelt.


Irina hat sich die Chance nicht entgehen lassen

Zum Beispiel zu Irina, die er in die hohe Kunst des Konditorhandwerks einweihte. „Ich erinnere mich noch gut, als wir das erste Mal in Irinas Café saßen. Was war das für ein Schuppen“, schüttelt er den Kopf. Hansmeier war damals in Sibirien, um eine deutsche Bäckerei aufzubauen.

Die Frau aus Tomsk witterte ihre Chance. Als sie hörte, der deutsche Gast sei vom Fach, bemühte sie sich um einen Einsatz Hansmeiers in ihrem Café. „Jetzt hat sie ein Top-Café, sie hat gut gelernt“, erzählt der 70-Jährige stolz und zeigt Fotos einer riesigen Theke mit einer Vielzahl von bunten Torten.

Oder zu Peter aus Bulgarien, der eine große Backstube gebaut hat und nun darauf wartet, dass er endlich Strom bekommt. „Wenn es da losgeht, muss ich sofort runter“, sagt Hansmeier begeistert. Vier Mal war Peter in Deutschland, kaufte mit Dietmar Hansmeier zusammen alle Maschinen, die er für seine Groß-Bäckerei braucht.


Beim Kauf neuer Maschinen mit gefeilscht

„In Bergkamen-Rünthe gibt es eine Stelle, wo man gebrauchte Maschinen wie Backöfen oder Teigmaschinen bekommen kann, da haben wir eingekauft. Ich habe ihm beim Feilschen geholfen“, schmunzelt er.

Dietmar Hansmeier war schon in vielen Ländern im Einsatz: in der Russischen Föderation, Bulgarien, Brasilien, der Mongolei, Rumänien und Usbekistan. „Ich kenne fast alle Flughäfen dieser Welt“, scherzt er. Er baute Bäckereien auf, unterrichtete Berufschullehrerinnen, schulte Personal an neuen Maschinen und verbesserte Sortimente, Arbeitsabläufe und hygienische Verhältnisse.


Das SES kümmert sich um alle Formalitäten

Organisiert werden die Einsätze vom SES. Der kümmert sich um die Formalitäten, um Dolmetscher und Hotels. Auch vor Ort hat der SES einen Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Experten. „Das ist alles toll organisiert“, lobt der Bäcker aus Hagen. 7300 Ruheständler aus 50 Branchen sind beim SES registriert. Sie genießen hohes Ansehen in ihren Einsatzländern und sind gefragt.

Durch den Austausch mit anderen Senior-Experten und den Erlebnissen bei seinen Einsätzen hat Dietmar Hansmeier einen scharfen Blick für die globalen Zusammenhänge bekommen. Wirtschaftliche und politische Verknüpfungen sind ihm vertraut und über vieles kann er nur den Kopf schütteln. Seine Einsätze, sagt er, haben seinen Horizont erweitert.


»Die Mongolei ist ein wunderbares Land«

Der 70-Jährige, der zu Hause in Hagen einmal wöchentlich ehrenamtlich bei der Tafel arbeitet, liebt die Mongolei: „Das ist ein wunderbares Land“, schwärmt er. „Im Frühling wachsen dort auf den Bergen Tausende von Edelweiß. Wunderschön.“ Dorthin hat ihn auch seine Frau begleitet. Er wollte ihr dieses tolle Land einfach zeigen.

„Manchmal kommt sie mit. Das müssen wir aber selbst bezahlen, deswegen bleibt sie meist in Hagen“, erklärt der Senior-Experte. Die schönste Stadt für ihn ist Almaty in Kasachstan und das beste Café Südostasiens ist das „Café Sacher“ in Ulaanbaatar in der Mongolei.


»Ich mache das so lange, wie man mich braucht«

Wie lange er das noch machen will? „So lange ich kann und man mich braucht“, sagt er. Seine Frau bleibt dagegen gern zu Hause: „In unserem Alter muss man sich um die Freunde zu Hause kümmern“, sagt sie und lässt ihn ohne Ärgernis ziehen.

Autorin: Gesine Lübbers

Dieser Beitrag wurde am 19.7.2008 um 10.57 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Eigenen Kommentar schreiben
Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare verfassen zu können.
Loggen Sie sich hier ein, falls Sie schon einen Account haben
Melden Sie sich hier kostenlos an
Evangelisch in Westfalen und Lippe
Informationen aus den Kirchenkreisen der EKvW und aus der Lippischen Landeskirche auf den jeweiligen Seiten (klicken Sie auf den gewünschten Bereich).
Karte