Ärztekammer mahnt
Arme Kinder werden häufiger krank
Arme Kinder werden nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe häufiger krank.
In sozial benachteiligten Familien müsse es deshalb besondere Kinderschutzhilfen geben, um Jungen und Mädchen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, sagte der Präsident der Ärztekammer, Theodor Windhorst, in Dortmund. In NRW seien fast 800.000 Kinder von Armut betroffen, bundesweit sei es etwa jedes fünfte Kind.
Kinder, die in Armut aufwüchsen, würden häufig sozial ausgegrenzt und benachteiligt.
Ein frühzeitiger Kinderschutz sei deshalb besser als eine spätere Krisenintervention. Dafür seien ausreichend personelle und finanzielle Mittel notwendig.
Windhorst sprach sich für ein Präventionsgesetz für die Entwicklung von Kindern in sozial schwieriger Umgebung aus. Aktuelle Studien zeigten, sozial schlechter gestellte Kinder kämen seltener zu Früherkennungsuntersuchungen und würden seltener geimpft. Auch andere Präventionsangebote etwa zum Schutz vor Alkoholmissbrauch erreichten schwerer ihr Ziel.
Ausdrücklich begrüßte der Mediziner die im neuen Kinderschutzgesetz vorgesehene Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht beim Verdacht einer Kindeswohlgefährdung.
Auch die seit Anfang 2009 in NRW geltende ärztliche Meldepflicht von Kindern, die nicht an den regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen, trage dazu bei, Entwicklungsverzögerungen und Anzeichen von Gefährdungen des Kindswohls möglichst frühzeitig zu erkennen.
»Trotz einiger Startschwierigkeiten beim Datenabgleich bietet es doch die Möglichkeit, Kinder aus sozial schwierigen Familiensituationen regelmäßig einem Arzt vorzustellen«, sagte Windhorst.
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe veranstaltet am Samstag in Dortmund das »3. Forum Kinderschutz« zum Thema Entwicklungschancen hilfsbedürftiger Kinder.
Ärzte, Psychologen und Juristen tauschen sich dabei unter anderem über Aspekte präventiver Hilfen und Strategien aus, wie armutsgefährdeten Kindern ein möglichst gesundes Aufwachsen ermöglichen werden kann. epd
Internet: www.aekwl.de
Dieser Beitrag wurde am 4.3.2010 um 10.14 Uhr veröffentlicht.
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