Westfälische Synode
Was macht man mit 50 Millionen?
Leichter Nieselregen geht auf dem großen Platz in der Mitte Bethels nieder. Aus den Tiefen des darunter liegenden Parkhauses taucht eine lange Reihe schwarzer Schirme auf. Sie verschwinden hinter den Türen des großen Versammlungssaals, dem „Assapheums“. In Bethel ist wieder einmal Synodenzeit.
Die Landessynode ist das oberste Organ der Evangelischen Kirche von Westfalen (EkvW). Mit 2,55 Millionen Mitgliedern ist sie die viertgrößte der 22 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. In diesem Jahr tagt sie vom 10. bis 13. November.
Die Landessynode bestimmt die Geschicke der Landeskirche, nimmt Stellung zu aktuellen Themen, verabschiedet den landeskirchlichen Haushalt. Und sie wählt auch den Präses und die Mitglieder der Kirchenleitung.
Der Präses ist in diesem Jahr nicht zu wählen.
Wohl aber einer seiner beiden Stellvertreter: Der Theologische Vizepräsident. Oder die Vizepräsidentin. Denn Nachfolger von Dr. Hans-Detlef Hoffmann kann diesmal durchaus auch eine Frau werden. Ein Kandidat und eine Kandidatin stehen zur Wahl: Der Iserlohner Superintendent Albert Henz und Landeskirchenrätin Johanna Will-Armstrong.
Beide lieferten am Abend des ersten Sitzungstages beeindruckende Vorstellungen.
Der Ausgang der Wahl, die am 12.November stattfindet, ist daher noch durchaus offen. Es gab bei der Vorstellung auch etwas zu lachen. Auf die Frage, was er seiner Meinung nach als Theologischer Vizepräsident nicht können muss, antwortete Albert Henz: „Ich muss nicht Präses können.“
Und Johanna Will-Armstrong beantwortete die Frage des Synodalen Erhard Schäfer, was sie im Fall ihrer Wahl mit einer Spende über 50 Millionen Euro tun würde, mit den Worten: „Das Beste wäre, wenn der gute Mensch bei Albert Henz oder mir anruft. Wenn er in der Zentrale anruft, wird er vielleicht an die falsche Stelle geleitet.“
Die Synode begann am 10. November mit einem festlichen Gottesdienst in der hoch auf dem Berg gelegenen Zionskirche. Dr. Dieter Beese, Münsters Superintendent, machte in seiner Predigt den Fall der Mauer am 9. November 1989 zum Thema.
Der Glaube könne Mauern zum Einsturz bringen, sagte er.
Wie wahr. Dass er auch in Zukunft Mauern zum Einsturz bringen kann, hält Beese ebenfalls für möglich. Es könne gut sein, dass in einigen Jahren die Menschen der südlichen Halbkugel jubelten, wenn die Mauern der Festung Europa einstürzten, sagte er.
Der Aufforderung des Apostels Paulus an die Christen Roms, der Obrigkeit „untertan zu sein“, gab Beese eine andere, ungewohnte Deutung: „Unter neuzeitlichen Bedingungen ist das Volk die Obrigkeit.“ Die Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in Leipzig hätten dies mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ klar gestellt.
Nach dem Gottesdienst bewegte sich das Heer der Regenschirme vom Zionsberg hinunter in die Niederungen des Synodenalltags. Nach den üblichen Regularien stand der Bericht des Präses auf der Tagesordnung. Er enthielt wieder eine Fülle wichtiger Themen.
Unter anderem warnte der Präses vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft in Gewinner und Verlierer, Arme und Reiche. Das Wirtschaftssystem müsse zu einer „sozial, ökologisch und global verpflichtenden Marktwirtschaft“ ausgebaut werden.
Kritik äußerte der 62-jährige Theologe an den geplanten Steuersenkungen.
Nach der gewaltigen Neuverschuldung in Folge der Finanzkrise werde diese Politik weitere Löcher in die Haushalte der Kommunen, aber auch in die der Kirchen und Wohlfahrtsverbände reißen.
Diese bedrohliche Entwicklung der Staatsfinanzen ist auch Thema des Kommentars in der gerade erschienen Druckausgabe von Unsere Kirche (UK 47/09, Seite 11).
Falls Sie bisher nicht UK-Leser sind und die Druckausgabe bestellen möchte, wenden Sie sich einfach unter Telefonnummer 0521/9440-0 an den Vertrieb. Oder schicken Sie eine E-Mail an: vertrieb@unserekirche.de.
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 12.11.2009 um 09.04 Uhr veröffentlicht.
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