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Kirchenwahlen in Westfalen

Viele Wahlurnen bleiben leer

Nur in jeder vierten von 522 evangelischen Kirchengemeinden Westfalens werden am 5. Februar 2012 Presbyterinnen und Presbyter gewählt. In allen anderen bleiben die Wahlurnen leer.

Eine beunruhigende Entwicklung für eine Kirche, die den Anspruch erhebt, „von unten nach oben“ aufgebaut zu sein... Anders als vor vier Jahren konnte diesmal nur in etwa 130 Gemeinden eine genügende Anzahl von Kandidaten gefunden werden. In den übrigen Gemeinden werden die Vorgeschlagenen automatisch Mitglied des Presbyteriums.

2008 hatten noch 228 Gemeinden Wahlen durchgeführt.

Über die Gründe dafür, dass sich immer weniger Frauen und Männer für das wichtige kirchliche Ehrenamt gewinnen lassen, können nur Vermutungen angestellt werden.

An einer ansprechenden Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche kann es wohl nicht gelegen haben.

Unter dem Titel „Kommunikation und Leitung“ erschien schon vor Monaten ein ansprechendes Magazin zur Kirchenwahl. Sehr anschaulich beschreibt es, welche Möglichkeiten und Chancen das Presbyteramt bietet.

Außerdem wird auch in Unsere Kirche, auf www.unserekirche.de, der Homepage der Landeskirche www.evangelisch-westfalen.de und allen Internetseiten der Kirchenkreise und Gemeinden die Kirchenwahl intensiv beworben.

Leider denken viele noch immer, dass allein die Pfarrerinnen und Pfarrer die Gemeinde leiten.

Dies ist aber nicht der Fall. Das Presbyterium, in dem auch die Pfarrer Sitz und Stimme haben, leitet die Gemeinde. Vorsitzender kann einer der Pfarrer oder ein Presbyter bzw. eine Presbyterin sein.

Dass der Kirchenvorstand die Gemeinde leitet heißt, das er verantwortlich ist für die Gesamtausrichtung des Gemeindelebens.

Er bestimmt also den Kurs und setzt die Schwerpunkte und Akzente. Außerdem trägt er die Personalverantwortung, kümmert sich um die Gebäude und regelt die Finanzen.

Vielerlei Gaben, Fähigkeiten und Kompetenzen sind für all diese Aufgaben gefragt. Organisatorische, kreative, theologische und pädagogische.

Dass die Leitung der Gemeinde von den Menschen vor Ort gewählt wird, ist eigentlich ein evangelisches Markenzeichen.

Zu Recht sagt Präses Alfred Buß; „Die Wahlen zum Presbyterium sind ein Kernstück der Ordnung, die sich unsere Kirche gegeben hat. Denn die Kirche baut sich von unten her auf – von den Gemeinden.“

Vermutlich aber hat sich auch herumgesprochen, dass die Wahrnehmung des Presbyteramtes viel Zeit erfordert.

Mit der einmal monatlich stattfindende Sitzung des Presbyteriums allein ist es nicht getan.

Die Presbyterinnen und Presbyter sind auch an anderen Stellen gefordert: In Ausschüssen der Gemeinde oder des Kirchenkreises, beim Einsammeln der Kollekte im Gottesdienst oder bei der Organisation von Veranstaltungen.

In letzter Zeit mussten sich Kirchengemeinderäte viel mit rückläufigen Finanzen und Veränderungen von Strukturen herumschlagen.

Sie hatten darüber zu entscheiden, ob Kirchengebäude aufgegeben, Stellen reduziert und Gemeindehäuser abgerissen werden sollen. Viele Haupt- und Ehrenamtliche hat dies frustriert.

In den kommenden vier Jahren ist voraussichtlich wieder mehr inhaltliche Arbeit möglich.

Die Gemeinden sind herausgefordert, neue Schwerpunkte zu setzen. Gemeinsam mit Pfarrern und anderen in der Kirche Mitarbeitenden müssen Presbyterinnen und Presbyter eine Vision für die Zukunft der Gemeinde erarbeiten: In welcher Richtung soll sich die Kirche am Ort entwickeln? Wie kann sie die Menschen erreichen, die sich dem Gemeindeleben entfremdet haben? Wie kann sie Kinder, Jugendliche und junge Familien ansprechen, ohne die Älteren vor den Kopf zu stoßen?

Für die Umsetzung der erarbeiteten Ziele und Ideen werden viele unterschiedliche Talente gebraucht.

Daher sollte man grundsätzlich immer Ausschau halten nach Gemeindegliedern, die bereit und in der Lage sind, mitzuarbeiten. In Gesprächen mit Menschen, die an Gottessdiensten und Veranstaltungen teilnehmen, können Gemeindeleitungen herausfinden, welche Talente in den einzelnen Menschen schlummern.

Auch manche Berufstätige sind durchaus bereit, sich in ihrer Gemeinde zu engagieren, wenn sie gefragt werden und die Übernahme der Aufgabe für sie zeitlich machbar ist.

Einzelne könnten zum Beispiel zunächst einmal gebeten werden, in einer Gemeindegruppe oder einem Fachausschuss des Presbyteriums mitzuarbeiten.

Wenn die neu Mitarbeitenden Freude an dem übernommenen Ehrenamt bekommen, sind sie vielleicht später auch zur Übernahme größerer Aufgaben bereit. Dann können manche sicher auch dafür gewonnen werden, in vier Jahren für das Presbyteramt zu kandidieren.

2016 gäbe es dann eine dicke Schlagzeile in UK: „In allen Gemeinden wird gewählt.“

Das wäre super!
Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 20.1.2012 um 17.30 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 20.01.2012 19:31:

Schallblech ist auch schon drin - ohne Wahl, schade. Wollte doch mal so nen richtigen Wahlkampf hautnah erleben ;).

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