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Welternährungsgipfel

Tausende Menschen sterben täglich

<b>Jeden Tag</b> sterben weltweit Tausende an Hunger und Unterernährung. Foto. Archiv

Jeden Tag sterben weltweit Tausende an Hunger und Unterernährung. Foto. Archiv

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit haben nicht genug zu essen, sind dadurch von Krankheit und Tod bedroht.

Ihre Zahl wächst, obwohl die UN sie bis 2015 halbieren wollte. Trotzdem konnten sich die Politiker beim Welternährungsgipfel in Rom auf keine konkreten Hilfszusagen einigen. Wesentlich weniger Staatschefs als noch vor einem Jahr waren der Gipfel-Einladung der Welternährungsorganisation FAO gefolgt. Vor allem die der reichen Länder fehlten.

Während Schwellenländer wie Brasilien, Venezuela oder Ägypten mit ihren Staatspräsidenten vertreten waren, schickten die meisten westlichen Industrieländer ihre Ressortminister für Landwirtschaft oder Entwicklungshilfe.


Nur vom Gastgeberland kam der Chef

Aus dem Kreis der G8, der führenden Industriestaaten, erschien lediglich Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Das gehörte sich auch so, schließlich war er der Gastgeber.

Als enttäuschend bewerteten denn auch viele Fachleute das Abschluss-Dokument. Von einer „weich gespülten Erklärung“ sprach der Grünen-Politiker Thilo Hoppe (Aurich).


»Weich gespülte« Erklärung

Zu Recht kritisierte er, dass das Problem des Landraubs in dem Kommunique keine Erwähnung findet. Denn der Aufkauf von Land durch große Konzerne und Länder, die Bodenschätze erschließen wollen, verschärft das Ernährungsproblem.

In dem Dokument fehlt auch jede konkrete Aussage über finanzielle Hilfen. 30 Milliarden Euro jährlich hatte FAO-Generalsekretär Jacques Diouf verlangt, um den Hunger zu bekämpfen. Eine Einigung darüber wurde nicht erzielt.

Immerhin verpflichten sich die Gipfelstaaten, die Kleinlandwirte in den armen Ländern des Südens zu stärken. Beispielsweise will man ihnen gegen Hitze und Dürre resistentes Saatgut und Technologie zur Begrenzung der schädlichen Folgen des Klimawandels zur Verfügung stellen. Auch sollen ihnen Kleinkredite gewährt und ein gerechterer Zugang zu den Märkten ermöglicht werden

<b>Lutschen statt essen</b>: Hungerndes Kleinkind.

Lutschen statt essen: Hungerndes Kleinkind.

Subventionen werden zur starken Konkurrenz

Die Europäische Union (EU) fördert mit Agrarsubventionen die Landwirtschaft in Europa. Dies ist auch legitim. Die Produkte der Kleinbauern in den so genannten Entwicklungsländern müssen aber mit den subventionierten Erzeugnissen aus Ländern der EU konkurrieren. Sie können mit diesen Preisen nicht mithalten.

Überhaupt fehlen vielen Kleinbauern, die in abgelegenen Gebieten leben, die Grundvoraussetzungen, um am Markt teilzunehmen. Aus diesem Grund muss die Infrastruktur ländlicher Regionen dringend verbessert werden.


Agrar-Etats halbiert

Manche afrikanische Staaten haben in den letzten Jahren an Investitionen in ländliche Gebiete gespart. Oft wurden in den letzten zwanzig Jahren die Agrar-Etats mehr als halbiert. Auch die Beratung von Kleinbauern reduziert man.

Aus Unwissenheit falsch bewirtschaftete Ackerböden werden aber auf Dauer geschädigt. Der Ertrag geht zurück.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Lage der Armen noch verschärft: 100 Millionen Hungernde sind nach Ansicht von Fachleuten allein auf die Weltfinanzkrise und den Anstieg der Nahrungspreise zurückzuführen.

Die hohen Preise stehen auch im Zusammenhang mit der gestiegenen Produktion von Biotreibstoffen.

Immer mehr Nahrungsmittel werden zu Benzin und Diesel verarbeitet. Die Nachfrage nach Weizen und Mais wurde damit in die Höhe getrieben. Auf diese Tatsache hat der westfälische Präses Alfed Buß zu Recht immer wieder hingewiesen.

Auch die zunehmende Trockenheit verschlechterte die Lage der Kleinbauern dramatisch. In Westfafrika bedroht der Wassermangel bereits akut das Leben der Menschen.


Wenige starke Regenfälle

Zwar hat sich die Niederschlagsmenge im Jahresmittel kaum verändert, sie konzentriert sich aber auch wenige starke Regenfälle. Und der Beginn der Regenzeit hat sich um 30 Tage verschoben. Das erschwert den Anbau erheblich.

Es muss also dringend etwas geschehen, um all diese Probleme anzugehen und den wachsenden Hunger in den armen Ländern zu bekämpfen. Die Welt kann nicht länger zusehen, dass täglich tausende von Kindern an Hunger sterben, alle fünf Sekunden eines.

»Hunger ist das grausamste Zeichen der Armut«, sagte Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor den Delegierten in Rom.

Erfreulich ist immerhin, dass die internationale Staatengemeinschaft erkannt hat, dass sie statt Nahrungsmittelhilfen künftig mehr in Hilfe zur Selbsthilfe investieren muss. In der Gipfelerklärung, die in Rom verabschiedet wurde, ist dies festgeschrieben worden.


Wie Hilfe zur Selbsthilfe aussehen kann, hat Brasilien gezeigt.

Das Land investierte stark in arme Familien und förderte die kleinräumige Landwirtschaft. Seit 2003 konnte das Land auf diese Weise mehr als 20 Millionen Menschen helfen, sich aus ihrer Armut zu befreien.

Auch kirchliche Organisationen wie „Brot für die Welt“ setzen auf Projekte, die den Kleinbauern helfen, ihre Produktivität zu steigern und am Marktgeschehen teilzunehmen.

Erfreulich ist, dass es im vergangenen Jahr trotz der Wirtschaftskrise bei dem evangelischen Hilfswerk keinen gravierenden Spendeneinbruch gegeben hat. In diesem Jahr liegen die Spendeneinnahmen von „Brot für die Welt“ sogar über denen des Vorjahrs.

Zu hoffen ist, dass viele Menschen auch künftig bereit sind, trotz eigener wirtschaftlicher Schwierigkeiten für die Hungernden in den armen Ländern zu spenden.


UK bittet um Hilfe

Ab dem 1. Advent bitten wir auch die Leserinnen und Leser von Unsere Kirche und die Nutzerinnen und Nutzer von www.unserekirche.de , wieder ein Spendenprojekt von „Brot für die Welt“ zu unterstützen. Näheres lesen Sie in der nächsten Druckausgabe.

Wenn Sie die Druck- oder E-Paper-Ausgabe von UK bestellen möchten, schicken Sie einfach eine E-Mail an vertrieb@unserekirche.de oder rufen Sie an: 0521/9440-0.

Wolfgang Riewe

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2009 um 09.33 Uhr veröffentlicht.

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