Türkenschelte
So nicht, Herr Sarrazin!
Schürt er Hass gegen Türken oder spricht er mutig unbeqeme Wahrheiten aus? Der frühere Berliner Finanzsenator und jetzige Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin (64) ist erneut unter massiven Beschuss geraten. Der Präsident der Bundesbank, Axel Weber, legte ihm sogar den Rücktritt nahe.
Anlass der Auseinandersetzung sind drastische Äußerungen Sarrazins in einem Zeitungsinterview. In der Berliner Quartalszeitschrift „Lettre International“ hatte er die Integrationswilligkeit von osteuropäischen Zuwanderern und Vietnamesen gelobt, aber harte Kritik an den in Berlin lebenden Türken und Arabern geübt.
Unter anderem sagte er, eine große Zahl von Arabern und Türken hätte keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel.
„Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate“, gab Sarrazin in dem Interview zu Protokoll. Große Teile von ihnen seien weder integrationswillig noch integrationsfähig. „Rassismus pur“ warf ihm daraufhin der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), vor und verlangte den Rücktritt des Bundes-Bankers.
Auch mit früheren Äußerungen in seiner Zeit als Berliner Finanzsenator hatte Sarrazin immer wieder Anstoß erregt.
Der Sozialdemokrat führte Wortgefechte gegen „Faulenzer und Schmarotzer“, die sich seiner Meinung nach in Hartz-IV einrichten, es sich mit der Stütze auf dem Sofa und vor dem Fernseher bequem machen und dieses Leben einer geregelten Arbeit vorziehen.
Denen die Hartz-IV für Armut halten, rechnete er vor, dass man sich auch von diesen Beträgen gesund ernähren könne. Wenn das Heizen im Winter zu teuer werde, könne man auch mal ein paar Pullover übereinander anziehen, so Sarrazin.
Solche und ähnliche Äußerungen empörten viele; manchen aber sprach der Finanzsenator aus dem Herzen. Denn dass es Menschen gibt, die sich so verhalten, kann kaum bestritten werden.
Mit seinen aktuellen Äußerungen aber hat sich der Sozialdemokrat Sarrazin eindeutig vergaloppiert. Das Interview beginnt ganz vernünftig: Sarrazin lobt, wie gut sich Osteuropäer und Vietnamesen durch konsequentes Lernen der deutschen Sprache integrieren - vor allem in der zweiten und dritten Generation.
Absolut negativ äußert er sich dann aber über die Gruppe türkischer und arabischer Zuwanderer. Er spricht über sie so abfällig, dass es fast schon an Rassismus grenzt.
Wenn er die hohe Geburtenrate der türkischen Bevölkerung kritisiert und ihr eine „aggressive und atavastische (überholte) Mentalität“ vorwirft, ist das in dieser Pauschalität ungerecht, ja geradezu verleumderisch zu nennen.
Sarrazins Diffamierungen verbauen auch den Weg, zu einem besseren Dialog mit der türkischen Bevölkerungsgruppe und ihren Verbänden zu kommen. Es muss doch darum gehen, miteinander und nicht gegeneinander zu leben, miteinander und nicht übereinander zu sprechen.
Nur gemeinsam können Lösungen auch für die schwierigen Probleme gefunden werden: So muss man sich zum Beispiel viel mehr Gedanken darum machen, wie Integration und Zukunftsaussichten jugendlicher Migranten verbessert werden können. Auch darf die Frage, wie mit denen umzugehen ist, die jede Integration verweigern, nicht deshalb ausgespart werden, weil sie als „politisch nicht korrekt“ gilt.
Mit seinem Pamphlet aber hat Thilo Sarrazin diesen Dialogbemühungen einen Bärendienst erwiesen. Die Auseinandersetzung mit solch strittigen Themen ist zweifellos notwendig und es muss in einer Demokratie möglich sein, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
So aber nicht, Herr Sarrazin!
Dieser Beitrag wurde am 8.10.2009 um 13.02 Uhr veröffentlicht.
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| Klaus-Heinrich schrieb am 08.10.2009 18:51: Diffamierungen, nur gemeinsam, Pamphlet, Bärendienst: In Ihrer "Chefsache" kommen Sie schon wieder mit dem Weichspüler daher. Herr Sarrazin hat endlich mal gesagt, was sonst niemand sich traut. Wir brauchen Einwanderer - aber solche, die unser Land nach vorne bringen und sich wirklich integrieren. Nur gut, daß es aus einer Ecke kommt die nicht rechts-verdächtig ist. Ich empfehle mal den Kommentar auf www.evangelisch.de von Henryk Broder zu lesen. Hut ab! |
| gumma schrieb am 10.10.2009 19:51: HAllo, Herr Klaus-Heinrich! Ich habe auf Ihre Empfehlung hin den Beitrag von Henryk M. Broder gelesen. Dann habe ich eine Weile darüber gegrübelt, wer dieser MAnn wohl ist, der übrigens keine eigene Position oder Analyse zur Problematik beiträgt, sondern Herrn Sarrazin einfach beipflichtet. Dann habe ich die Kommentare dazu gelesen und dabei einiges über Herrn Broder erfahren, der übrigens als Schirmherr von evangelisch.de fungiert - warum, hat sich mir nicht erschlossen. Evangelisch ist er jedenfalls nicht, genauso wenig wie die Meinung, die er vertritt. |
| gesamtdeutsch schrieb am 14.10.2009 16:07: Aus MEINER Sicht hat der Herr Thilo Sarrazin DOCH VOLLKOMMEN RECHT!!! gez.: Christoph Hölker (aus D-45663 Recklinghausen bzw. aus D-46499 Hamminkeln) |
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