Neuer Bischof von Augsburg
Schnell entschieden
Diesmal hat Rom überraschend schnell entschieden: Bereits zwei Monate nach dem Rücktritt des Augsburger Bischofs Walter Mixa (69) bestimmte Papst Benedikt XVI. dessen Nachfolger: Konrad Zdarsa (66), zur Zeit Bischof von Görlitz, soll dafür sorgen, dass im Bistum Augsburg bald wieder Ruhe einkehrt.
Die rasche Entscheidung ist ungewöhnlich: In der Regel vergeht meist ein Jahr, bis in Rom die Entscheidung fällt. Vermutlich wollte die Kurie diesmal zeigen: Wir sind bemüht, die Krise in Augsburg möglichst schnell zu beenden.
In Kirche und Politik löste die zügige Ernennung denn auch Erleichterung aus.
Als einer der Ersten begrüßte der bayerische Ministerpräsident Seehofer die kurzfristige Entscheidung. Seiner Meinung nach ist der Leitspruch von Bischof Zdarsa „Denn Er ist unser Friede“ (Epheserbrief) ein gutes Programm für die anstehenden Aufgaben im Bistum Augsburg.
Erzbischof Zollitsch, der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, bezeichnete Zdarsa als einen bodenständigen Theologen, der auf die Menschen zugehe und ihre Freuden und Sorgen ernst nehme.
Der evangelische Bischof Markus Dröge erklärte, er habe den Görlitzer Bischof als einen aufmerksamen Gesprächspartner kennen gelernt, dem die ökumenischen Beziehungen besonders am Herzen liegen.
Inzwischen aber gibt es nicht nur Beifall für die kurzfristige Berufung.
Kritisiert wird vor allem, dass die Ernennung Zdarsas offenbar eine recht einsame Entscheidung des Papstes war. Weder die Bischofskonferenz noch das Augsburger Domkapitel sollen in ausreichender Weise einbezogen worden sein.
Ob das wirklich zutrifft, ist von außen schwer zu beurteilen.
Auch hat der Vatikan laut Bayernkonkordat von 1925 bei der Ernennung von Bischöfen „volle Freiheit.“
Dennoch zeigt die Versetzung eines Bischofs von Görlitz nach Augsburg, dass in Rom weiterhin zentralistisch gedacht wird. Wie einst in Köln bei der Ernennung von Kardinal Meisner wird auch diesmal wieder die Kirche vor Ort kaum in die Entscheidung einbezogen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt.
Offensichtlich hat die schwere Krise der katholischen Kirche, die ihre großen Strukturprobleme sichtbar gemacht hat, im Vatikan noch kein wirkliches Umdenken bewirkt.
Das Anliegen der kirchlichen Basis, an Entscheidungen mehr beteiligt zu werden, wird nach wie vor nicht in genügender Weise aufgenommen. Alois Glück, der Präsident des Zentralkomitees deutscher Katholiken, hat dies bei einem Besuch in Rom zu Recht mit deutlichen Worten kritisiert.
Gibt es hier in absehbarer Zeit keine Änderung, wird die Krise der katholischen Kirche weiter gehen.
Dennoch ist dem neuen Bischof von Augsburg zu wünschen, dass er das Bistum bald wieder befrieden kann. Große seelsorgerliche Fähigkeiten soll er in Dresden und Görlitz bereits bewiesen haben.
Zwar müssen die rund 1, 3 Millionen Katholiken noch bis zum 23.Oktober auf ihn warten. Konrad Zdarsa will aber seinen bevorstehenden Urlaub jetzt schon einmal nutzen, um die Menschen - und die gegenüber Görlitz völlig andere Augsburger Situation - persönlich kennen zu lernen.
Gute Voraussetzungen dafür, dass die Wunden allmählich heilen und wieder ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Bischof und Basis wachsen kann.
Wolfgang Riewe
Dieser Beitrag wurde am 9.7.2010 um 17.18 Uhr veröffentlicht.
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